Full text: Hessenland (5.1891)

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Aus alter und neuer Zeit. 
Skizzen aus der hessische» Kriegsgeschichte. 
Von Freiherrn Maximilian von Ditsurth, 
weiland kurfürstlich hessischem Hauptmann. 
XXIII. 
Streifzug gegen New -Castle 1781. 
Um seinen am 20. Juni 1781 gegen Williamsburg 
angetretenen Marsch, dem bei Richemond stehenden 
Corps des Marquis de Lafayette zu verbergen, hatte 
der General Cornwallis dem Obersten Simcoe 
Befehl ertheilt, gegen New-Castle im Rücken der 
Stellung Lafayette's eine Demonstration zu unter 
nehmen. Da jedoch der Oberst Simcoe hierbei den 
Matadequin und Blackfluß unweit der linken Flanke 
der Stellung bei Richemond passiren mußte, so 
stellte er den englischen Major Armstrong mit einem 
Bataillon Engländer am Uebergangspunkte des Mata 
dequin und den Hauptmann Ewald mit einer 
Grenadierkompagnie und mit einer Jägerabtheilung 
am Uebergangspunkt über den Blackfluß auf, um 
auf solche Weise sich seinen Rückzug zu sichern, 
während er mit der gesammten Reiterei seinen Weg 
gegen New-Castle fortsetzte. 
Obgleich es ihm nun zwar gelang, den Feind in 
New-Castle vollkommen zu überraschen und die Auf 
merksamkeit desselben völlig nach jener Seite hin 
zulenken, so würde er aber doch ohne jene Vorsicht 
bei seinem Rückzüge von da wahrscheinlich abgeschnitten 
worden sein und großen Verlust erlitten haben, indem 
der Feind gleich beim ersten Allarm jenes Ueberfalles 
auf New-Castle nicht bloß dahin, sondern auch in 
seine linke Flanke, längs des Blackflusses eine starke 
Abtheilung zur Auskundschaftung entsendet hatte. 
Da solche jedoch auf eine vom Hauptmann Ewald 
zwischen dem Blackflusse und Matadequin sehr vor- 
theilhaft aufgestellte Bereitschaft von dreißig hessischen 
Jägern unter Hauptmann Staubesand stieß, und 
diese ihr einen äußerst hartnäckigen Widerstand 
leisteten, so getrauten sie sich in dieser Richtung hin 
nicht weiter vorzugehen. Oberst Simcoe war daher 
in der Lage gegen Abend aus dem nämlichen Wege, 
den er gekommen war, gänzlich unbelästigt auch 
wieder zurückzukehren und ebenfalls die gemachte 
Beute in Sicherheit zu bringen. 
Aus Heimath und Fremde. 
Der Verein für hessische Geschichte und 
Landeskunde hielt am Montag den 26. Oktober 
in der Aula der Realschule seine erste Monats 
versammlung in diesem Wintersemester ab. Dieselbe 
wurde in Abwesenheit des Vorsitzenden Majors K. 
von Stamford durch dessen Stellvertreter Bibliothekar 
Dr. H. Brunner eröffnet. Nach verschiedenen ge 
schäftlichen Mittheilungen verwies der Vorsitzende 
darauf, daß die königl. Regierung die Bestrebungen 
des Vereins eifrig unterstütze und bezeichnete die 
Theilnahme weiterer Kreise als sehr wünschenswerth, 
besonders auch der Pfarrer und Lehrer, welche am 
ehesten auf dem Lande Gelegenheit hätten, manches 
alte Geschichtliche vor dem Untergange zu bewahren. 
Hiernach hielt Dr. med. Karl Schwarzkopf den 
angekündigten Vortrag „über die Uniformen 
und die Bewaffnung der hessischen Truppen." 
Nach dem Referate des „Kasseler Tageblatts“ verwies 
der Vortragende in beredten Worten auf die ruhm 
vollen Kriegsthaten der hessischen Regimenter, die 
stets leuchtende Vorbilder der Tapferkeit bleiben 
würden, und die es verdienten, treu in der Erinnerung 
bewahrt und durch Denkmäler geehrt zu werden. 
Redner beklagte es, daß bei uns in Kurhesien, im 
Gegensatze besonders zu den süddeutschen Ländern, 
früher fast gar nichts gethan worden sei, um das 
Andenken an die Zeugnisse hessischer Krieger wach 
zu erhalten, obwohl die hessischen Truppen oft weit 
mehr denkwürdige Thaten zu verzeichnen hätten, als 
die anderen deutschen Staaten. Insbesondere seien 
so wenig althessische Soldatenbilder vorhanden. Der 
Vortragende hat durch seinen Beruf als Arzt Ge 
legenheit gefunden, in manchen Familien solche Bilder 
und andere Andenken kennen zu lernen und ist, nach 
dem er sich nebenbei schon länger mit Studien über 
diesen Gegenstand befaßt hatte, zu einer Darstellung 
i der Uniformirung der hessischen Truppen geschritten, 
! welche nach seinen Skizzen und Entwürfen von einem 
Herrn in Dresden ausgeführt worden ist. Es waren 
sechs Gruppenbilder, welche der Vortragende aus 
gestellt hatte und erläuterte, und von denen zwei die 
hessischen Truppen unter Friedrich II., das dritte 
die Truppen der westfälischen Zeit, das vierte der 
Zeit der Freiheitskriege, das fünfte die Truppen 
unter Wilhelni II., das sechste die Truppen im Jahre 
1866 vorstellte. Ein siebentes soll die Soldaten des 
Landgrafen Karl behandeln. Der interessante Vor 
trag des Herrn Dr. Schwarzkopf wurde mit leb 
haftem Beifall aufgeuommen. Die Bilder sind als 
sehr gelungen zu bezeichnen. Sie sollen in der 
Hofbuchhandlung von E. Huhn ausgestellt werden. 
Fürst Wilhelm von Hanau zu Horovio 
Jinetz hatte einen prachtvoll künstlerisch ausgeführten 
Pavillon in der Landesausstellung zu Prag, der in 
österreichischen Blättern eine sehr beifällige Beschreibung 
erfahren hat, ausgestellt, darstellend die Erzeugnisse 
der fürstlich Hanau'schen Eisenwerke Komarau. 
Derselbe hat insbesondere auch den Beifall und die 
Anerkennung des Kaisers Franz Joseph gefunden, 
der den Pavillon mit einem längeren Besuche beehrte. 
Als der Kaiser sich, — so meldete das „Wiener 
Montagsblatt- —, auf dem Balkon mit einem huld 
reichen Händedruck von dem Fürsten verabschiedete, 
richtete dieser an den Monarchen die Bitte, Sr. 
Majestät die von Heinrich Natter modellirte, eben-
	        

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