Full text: Hessenland (5.1891)

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204) Machet auf das £l)or. 
Machet auf das Thor, 
Wir kommen mit unsrem Wagen. 
Wer sitzt darin? 
Wer sitzt darin? 
Ein Mann mit rothen Haaren. 
Was will er denn ? 
Was will er denn? 
Er will die Lochter holen. 
Was hat sie denn? 
Was hat sie denn ? 
Sie hat was gestohlen. 
Was ist es denn? 
Was ist es denn? 
Es ist ein Horb mit Hohlen. 
Die Kinder bilden, paarweise hintereinander ge 
reiht, durch Hochhalten der angefaßten Hände 
ein langes Thor, durch welches jedesmal das 
letzte Paar hindurch ziehen muß, um dann vorn 
das Thor weiterzubauen. — Der Mann mit den 
rothen Haaren bezeichnet den Teufel, der das 
böse Mädchen holen will (Lewalter II, 19). 
205») Ringel, Ringel, Ringelein, 
Morgen soll die Hochzeit sein, 
Schokolad' und Kuchen 
Wollen wir versuchen, 
Papa soll ein Lämmchen schlachten, 
Das soll machen: bäh. 
Die Kinder tanzen im Ringelreihen und schreien 
am Schluß Alle: bäh. 
(Fortsetzung folgt.) 
Le alte 
imne 
♦ 
(Erjäljlung von Wilhelm Benneefte. 
(Schluß.) 
Y. 
Wie die Frankcnbergcr zu Gerichte saßen und ihr 
Amtmann der neuen Minne huldigte. 
Noch ehe die versprengten Kriegsleute sich auf 
der Battenberger Veste wieder gesammelt hatten, 
war bis dorthin, gleich einem Lauffeuer, die 
Kunde gedrungen, daß der Ritter Friedrich ge 
fangen sei, und als den alten Freiherrn ein grauer 
Knecht mit dem Jammerrnf aus dem Morgen 
schlummer weckte: „Ach, Herr Boppo, Herr 
Boppo, unser Friedrich ist in die Hände der 
Wollenweber gefallen, und sie machen ihm nichts 
Anderes als den Garaus!", da fiel derselbe 
aus dem Bett und stand nicht wieder auf, so 
viel auch Frau Elsbcth und der Burgkaplan sich 
um ihn bemühten. Kaum aber hatte Dame Mathilde 
vernommen, von welcher Gefahr der junge Ritter 
bedroht wurde, als sie sich auf ihren Zelter 
schwang und ohne irgendwelche Begleitung die 
Straße nach Frankenberg davon sprengte. Unter 
wegs begegneten ihr genug Battenbergische 
Männer, die sic nicht erst zu fragen brauchte, 
ob das Gerücht von der verlorenen Schlacht und 
der Gefangennahme Friedrichs auf Wahrheit 
beruhe, denn ihr Aussehen sprach vernehmlicher 
als alle Worte. In Frankenberg eingelassen, 
ritt die Edeldame vor das Rathhaus und fragte 
nach Herrn Zeise Weiner. Der sei, ward ihr er 
widert, im großen Prunksaal eben damit beschäftigt 
zu Gericht zu sitzen, erst habe er Melchior Kamm 
und die vier andern Battenberger Knechte zum 
Tode verurtheilt, die just draußen schon gehängt 
würden zur Strafe für den Mord des alten 
Sauhirten, jetzt aber ständen die Hasenleußer 
vor ihm, die wohl etwas glimpflicher davon 
kommen würden. „Und der Ritter von Batten 
berg?", konnte Mathilde sich nicht enthalten zu 
fragen. „Der Ritter wird heute Nachmittag ge 
hängt", lautete die wenig tröstliche Antwort. 
„Er soll etwas voraus haben vor seinen Knechten 
und an einen eigenen Galgen kommen, der ist 
aber noch nicht fertig." Mathilde durchschauerte 
es, sie stieg vom Pferde und schritt in das 
Rathhaus hinein. Niemand hielt sie auf, und 
so gelangte sie in den Saal, wo der Bürger 
meister in seiner ganzen Siegerherrlichkeit thronte. 
Vor ihm standen die drei Hasenleußer. umgeben 
von vielein Volk, und unter den Bürgern, die 
hinter Zeise Weiner standen, fehlten auch Heinrich 
von Münchhausen und Peter Aßberg nicht, dessen 
Sohn plötzlich zum Helden des Tages geworden 
war. Eckhart hatte es nicht geleugnet, daß er 
mit dem andern Gesellen, der mit einigen blauen 
Flecken, aber sonst wohlbehalten aus den Händen 
der Widersacher befreit worden, aus der Hasen- 
lauß gewesen war, den dritten im Bunde aber 
hatte einer der wachsamen Thorhüter abgefaßt, 
als er sich, noch ehe einer der Bürger die Stadt 
verlassen, mit seiner Beute einschleichen wollte. 
In einem andern Fall würden die drei Hasen 
leußer einer harten Strafe nicht entgangen sein, 
da aber die verbotenen Wege, aus welchen Eck 
hart Aßberg in dieser Nacht gegangen, die Stadt 
vor sicherem Verderben bewahrt hatten, so ließ 
der gesammte Rath nickt allein Gnade für Recht 
bei allen drei Wildschützen ergehen, sondern der 
Bürgermeister feierte in wohlgesetzten Worten Eck
	        

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