Full text: Hessenland (5.1891)

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Vrofessor Köuarö Auth f. 
Ach, sie haben 
Einen guten Mann begraben. 
Ein außergewöhnlich großer Leichenzug bewegte 
sich, zur Mittagsstunde des zweiten Weihnachts- 
tagcs durch die Straßen Kassels nach dem neuen 
Friedhofe. Man merkte es den zahlreichen Leid 
tragenden an. daß ihre Trauer eine aufrichtige 
und von Herzen kommende war, erzeigten sie 
doch einem Alaune die letzte Ehre, der zn den 
geachtesten und beliebtesten Persönlichkeiten unserer 
alten Residenzstadt zahlte, der vier Jahrzehnte 
segensreich daselbst gewirkt, in dessen Lob alle 
einig waren, welche Stellung sie auch einnahmen, 
mochten es Kollegen und dankbare Schüler, 
mochten es höhere Staatsbeamte oder einfache 
Bürger sein. Jeder empfand die Schwere des 
Verlustes, welchen das Hinscheiden des Pro 
fessors Dr. Eduard Auth, des ausge 
zeichneten Gelehrten und trefflichen Lehrers, des 
pflichttreuen Beamten, des charakterfesten deutschen 
Biedermannes, des wackeren Bürgers, des treuen 
Freundes hervorgerufen, dessen Andenken bei 
allen, die ihn kannten — und wer kannte in 
Kassel nicht den freundlichen, gefälligen und 
liebenswürdigen Herrn Professor? — ein unver 
gängliches bleiben wird. Möge es mir als 
Landsmann und Jugendfreund des Verblichenen 
gestattet sei», wenigstens die äußeren Momente 
aus dessen Leben hier kurz zu skizziren. 
Eduard Philipp Wilhelm Auth war 
am 1. Oktober 1827 zu Fulda geboren. Er 
entstammte einer angesehenen altfuldaischen 
Familie. Sein Vater, Michael Auth, war Kauf 
mann, _ der nebenbei eine Weinstube unterhielt. 
In dieser versammelten sich in früheren Jahren 
solide ehrsame Gäste, die, aus langen irdenen 
Pfeifen rauchend, sich Abends bei einem guten 
Glase Wein von des Tages Last und Mühen zu 
erholen pflegten. Unter ihnen waren viele wissen 
schaftlich gebildete Männer, so u. a. der frühere 
Benediktiner, Professor der Philosophie Burkard 
Schell, zuletzt Direktor der Fuldaer Gelehrten 
schulen. Die Eindrücke, welche der jugendliche 
Eduard Auth in seinem elterlichen Hause empfing, 
konnten nur günstig auf seine geistige Ent 
wickelung wirken, zumal seine Eltern eifrigst be 
müht waren, ihren Kindern eine sorgfältige 
Erziehung zu Theil werden zu lassen. Von 1838 
bis 1847 besuchte Eduard Auth das Gymnasium 
seiner Vaterstadt. Er zählte zu den besten 
Schülern seiner Klasse, die, was Talent, Fleiß 
und Kenntnisse ihrer Schüler anbelangt, eine 
wahre Musterklasse genannt zu werden verdiente. 
Von den damaligen Lehrern zogen ihn der 
Philologe Dr. F. Franke und der Mathematiker 
Dr. W. Gies ganz besonders an. Ihrer gedachte 
er in späteren Jahren stets in dankbarster An 
erkennung. Nach rühmlichst bestandenem Maturi 
tätsexamen bezog Eduard Auth zu Ostern 1847 
die Landesuniversität Marburg. Ursprünglich 
beabsichtigte er Rechtswissenschaft zu studieren, 
doch kam er bald von diesem Plane ab und 
wandte sich dem Studium der Mathematik und 
Naturwissenschaften zu, zu welchem ihn sein 
klarer scharfer Verstand ganz.besonders befähigte. 
Einen guten Grund zu diesem Studium hatte 
er bereits unter seinem Lehrer Dr. W. Gies am 
Fuldaer Gymnasium gelegt und unter dem von 
ihin hochverehrten Marburger Professor der 
Mathematik Dr. Stegmann machte er rasch die 
rühmenswerthesten Fortschritte. Wir wollen hier 
nicht unerwähnt lassen, daß das Fuldaer Gym 
nasium eine lange Reihe von Jahren gewisser 
maßen als eine Pflanzschule für Atathematik 
gelten konnte. Diesen Vorzug verdankte es dem 
vortrefflichen Unterrichte des Dr. W. Gies, der 
während feiner länger als vierzigjährigen erfolg 
reichen Wirksamkeit eine ganz außerordentlich 
große Anzahl tüchtiger Mathematik-Lehrer her 
angebildet hat. Waren doch zu Anfang der 
siebziger Jahre an den höheren schulen Kassels 
gleichzeitig nicht weniger als neun Lehrer der 
Atathematik und Naturwissenschaften thätig, die 
sämmtlich seine Schüler gewesen waren. Als 
Professor Gies im Herbste 1882 in den Ruhe 
stand trat, widmeten ihm seine ehemaligen 
Schüler und nunmehrigen Mathematik-Lehrer 
eine Dankadresse, auf welcher selbstverständlich 
auch die Namen seiner beiden ältesten Schüler: des 
Geheimen Hosraths Dr. Wilhelm Schell in Karls 
ruhe und des Gymnasialoberlehrers Dr. Eduard 
Auth zu Kassel in erster Linie eingetragen waren. 
Nach vorzüglich bestandenen Fakultätsexamen 
trat Eduard Auth im Herbste 1850 bei dem 
Lyceum Fridericianum als Praktikant ein. Er 
absolvirte daselbst sein Probejahr, war dann 
1 Vs Jahr Hauslehrer bei dem damaligen Eisen- 
bahnnnternehmer Mancher an der hessischen 
Nordbahn und wurde hiernach, zu Ostern 1853, 
zum beauftragten Lehrer an dem Lyceum Fride- 
ricianum bestellt und im Dezember 1859 zum 
Gymnasial-Hilfslehrer befördert. In demselben 
Jahre wurde er auf Grund seiner uns vorliegenden 
Disfertation „über die Scheiteltransversale des 
sphärischen Dreiecks", deren wissenschaftlicher 
Werth die volle Anerkennung der Fachgelehrten 
fand, von der Universität Marburg zum Docfcor 
philosophiae promovirt. Im August 1863 
wurde Dr. Auth zum ordentlichen Gymnasial 
lehrer und im Herbste 1869 zum Oberlehrer er-
	        

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