Full text: Hessenland (5.1891)

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-ich zieh' mein Hütchen ab 
Hub sag' hübsch: Guten Lag. 
siiderallala, u. s. w. 
Ein Kind steht mitten in der singenden Runde, 
es wählt sich ein Schätzchen und ahmt mit ihm 
die im Liede ausgedrückten Handlungen nach. — 
Das Lied erinnert, besonders in seinem ersten 
Theile, an das Lehnausrnfen der Schwalm- und 
Lahnbaucrn: In der Walpurgisnacht, erzählt 
Lynker, ziehen die jungen Bursche unter Gesang 
und Peitschengeknalle aus dem Dorfe; Einer von 
ihnen stellt sich auf einen Stein oder auf eine 
Anhöhe und rüst: Hier steh' ich auf der Höhe 
Und rufe aus das Lehen, das Lehen, Das erste 
(zweite u. s. w.) Lehen, Daß es die Herren wohl 
verstehen. Wem soll das sein? Die übrige 
Versammlung antwortet, indem sie die Namen 
eines Burschen und eines Mädchens nennt, mit 
dem Zusatz: In diesem Jahre noch zur Ehe! 
199) Der Schneider hat 'ne Maus, 
Der Schneider hat 'ne Maus, 
Der Schneider hat 'ne siia-siia-Maule-Maus. 
Was macht er mit der Maus ? 
Er zieht ihr ab das Fell. 
Was macht er mit dem Fell? 
Er naht sich einen Sack. 
Was macht er mit dem Sack? 
Er thut hinein sein Geld. 
Was macht er mit dem Geld ? 
Er kauft sich einen Dock. 
Was macht er mit dem Dock? 
Er zieht damit in'n Krieg. 
Was macht er in dem Krieg? 
Er schlagt sic Alle todt! 
In der Mitte des singenden Kreises stehen zwei 
Kinder, Maus und Schneider, welcher das Lied 
immer mit Geberden begleitet,, bei den Worten: 
Er kauft sich einen Bock, ein Kind zu sich in 
die Mitte nimmt und am Schluß auf die andern 
Kinder losspringt und sie schlägt. 
200) Es geht ein Mülzenträger um, 
Iuchtzeirastasa! 
sind wer den Mützenträger lieht, 
Ein Leder vor dem Andern steht, 
Inchheirastasa! 
Bei diesem Lied, scheinbar einer Abart vom ver 
mummten Bozemann, geht ein Kind, die Augen 
verbunden, immer den Kreis der singenden Kinder 
entlang und greift eins: räth es dessen Namen 
auf's erste Mal, so wird dies der Mützenträger; 
sonst muß es weiterziehen. 
201) Die Liroler lind lustig, 
Die Liroler sind froh, 
Sie trinken ihr Schnäpschen 
sind machen'» dann so. 
Erst dreht sich das Weibchen, 
Dann dreht sich der Mann, 
Sie lasten sich beim Aermchen 
sind tanzen zusamm'. 
Die Kinder stehen sich in zwei Reihen gegenüber, 
jeder Tiroler vor seinem Weibchen, singend führen 
sie jedesmal die nöthigen Geberden aus: trinken, 
bezahlen, sich drehen, und dann ergreift jeder 
sein Weibchen zum Tanze (Lewalter II, 20). 
202) Wir wollen die weihen Frauen fragen, 
Ob ste keine Lochter haben. 
Nehmen Sie, nehmen Sie! 
Welche wollen Sie haben? 
Diese, diese mag ich nicht, 
Diese, diese will ich nicht. 
Diese, diese darf ich nicht, 
Diese will ich haben. 
Die Kinder schließen einen Kreis, eins steht in 
der Mitte und sucht sich bei den letzten Worten 
die Tochter aus, die dann in die Mitte tritt. 
Falls nicht chic weiße Fraue- zu lesen ist, sind 
die weißen Frauen eine Vervielfältigung Holda's, 
der weißen Frau, der Schutzgöttin der Kinder 
und Mütter. Das dreimalige Verschmähen der 
Tochter erinnert an eine mährische Sage vom 
Storch, dem heiligen Vogel Holda's, daß er, 
wenn er unpaare Brut im Neste habe, ein Junges 
hinauswirft für den Teufel. 
202) Wer hat den Schlüssel zum Garten? 
Hier ein Garten, da ein Garten 
sind an allen vier Ecken ein Garten. 
In dem Garten steht ein Haus, 
Hier ein Haus, da ein Haus 
sind an allen vier Ecken ein Haus. 
In dem Haus da ist eine Stube u. s. w. 
In der Stube da steht ein Dett. 
In dem Oett da liegt eine Nonne, 
sior dem Dett da steht ein Lisch. 
In dem Lisch da ist eine Schublade. 
In der Schublade liegt ein Drief. 
In dem Drief da steht geschrieben: 
Else soll sein Schätzchen lieben. 
Die Tonangeberin flüstert jedem Mitspielenden 
den Namen des auszuklatschenden Kindes in's 
Ohr, diesem selbst aber einen andern. Am 
Schluß löst sich der Kreis und stürzt unter 
Klatschen und Schreien auf das Opfer des Spiels 
los (Lewalter II, 26). 
203) Wer will lust'ge Soldaten seh'n, 
Der muh zu uns Kindern geh'n. 
siorwürts marsch! 
Wer will lust'ge Fischer seh'n, 
Der muh zu uns Kindern geh'n. 
Fisch, Fisch, Fisch! 
Wer will lust'ge Schuster seh'n, 
Der muß zu uns Kindern geh'n. 
Dum, bum, bum, 
siagle mir die siägel krumm! 
Die Kinder bilden einen Kreis, bei jeder dritten 
Zeile lassen sie sich los, marschiren im Kreise 
hinter einander und ahmen die Handlung an 
schaulich nach: das Grüßen der Soldaten, das 
Fischen der Fischer, das Klopfen der Schuster.
	        

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