Full text: Hessenland (5.1891)

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zwei Silberstücke. Ein Böckchen. Da kam die 
Katz' und fraß das Böckchen, das gekauft der 
Vater für zwei Silberstücke. Weiterhin kommen 
Hund, Stock, Feuer, Wasser, Stier, Schlächter 
und dann: der Todesengel und schlachtete den 
Schlächter, zuletzt der Heilige, der gesegnet sei!, 
und erschlug den Todesengel, der geschlachtet den 
Schlächter u. s. w. Das Lied stellt die Schicksale 
des jüdischen Volkes im Gleichniß dar: der Vater 
ist, nach Leberecht's Ausführungen vom Jahre 1731, 
Gott; das Böckchen das jüdische Volk; die zwei 
Silberstücke Moses und Aaron; Hund, Feuer, 
Wasser, Stier, Schlächter, Todesengel die Be 
drücker des Judenvolkes von den Assyrern an 
bis zu den Türken, deren Macht d. i. den Todes 
engel, der Heilige, Gott selbst, dereinst vernichten 
wird. 
193) Es wollt' 'en Schmied 'en Rad beschlagen, 
Wie viel Nägel muß er haben? 
Fünse oder sechse? 
Hallest Du — gerathen, 
So wärest Du nil gebraten. 
Dummen, 
Zellen, 
Schlagt den kleinen Fingen! 
Ein Kind beugt den Kopf in den Schoß eines 
anderen, welches sitzt; hinter seinem Rücken streckt 
eins von der singenden Schaar einige Finger 
aus, deren Anzahl es rathen soll. Irrt es, so 
wird ihm mit den Worten: Bummeri, Zellen 
taktmäßig das Rückenende beschlagen. 
194) Wir treten aus die Kette, 
Daß die Kette klingt, 
Wir haben einen Nogel, 
Der so schöne singt. 
Hat gesungen sieben Jahr, 
Sieben Jahr sind rum, 
Frieda dreht sich rum, 
Frieda hat sich rumgedreht, 
Hat seinem Schah ein Kuß verwehrt. 
Pfui schäme Dich, pfui schäme Dich, 
Du ungezogenes Kind. 
Die Kinder schließen sich zum Kreis, jedes Mal 
das Kind, dessen Namen gesungen wird, dreht 
sich ein Mal um. Den Sinn des Liedes deutet 
die schweizerische Sing- und Spielart, das Chettemli- 
spiel, wo die Kinder, im Kreise an einer Kette 
von Löwenzahnstengeln vor- und rückwärts 
schreitend, singen: Trettet zue, trettet zue, sparet ■ 
nit die nüe Schueh! trettet üf das Chettemli, 
daß es soll erchlingle, wer die schönste Jumpfre 
slg i dem ganze Ringle.... Siebe Johr g'spunne, 
acht Johr Sunne: nünmöl rumpedipum, cher 
dich no-ne-mölen um, bis der Fritzli zue der 
chummt. Der Bräutigam, lehrt Rochholz hier, 
soll dem Mädchen alsdann gewiß sein, wenn es 
das sogenannte Siebenjahrgarn fertig gesponnen 
hat (Lewalter II, 34). 
195) Nögetchen auf der Weide 
Spinnt so klare Seide, 
Also klare 
Sieben Jahre. 
Sieben Jahr sind rum. 
's Mariechen dreht sich rum. 
's Mariechen hat sich rumgedreht, 
Hat's Hinnerste zu vorderste gedreht. 
Gespielt wird dies hübsche Liedchen wie der 
vorige in seinen Einzelheiten dunkle Reim, dessen 
Urbild es wahrscheinlich ist. Es ist aber gewiß 
selbst nur ein Stück eines größeren Spielliedes, 
das z. B. in der Schweiz also lautet: 's Sünneli 
schint, 's Vögeli grint, 's hocket unter'm Lädeli, 
's spinnt e Sidefädeli, 's spinnt en lange Fade, 
er langet bis zo Bade, vo Züri bis af Hanestei, 
vo Hauestei bis wiederum hei. Z' Rom ist es 
guldigs Hüs, lueget drei Marein drüs. Die eint 
spinnt Eide, die andere Floride, die dritt schnätzlet 
Chride (— windet Falschheit und Streit) u. s. w. 
Die drei Jungfrauen, welche den rings die 
Heimath umschlingenden Faden spinnen, sind ur 
sprünglich die altnordischen Nornen Urd, Wer- 
dandi, Skuld (= Vergangenheit, Gegenwart, 
Zukunft), die dem Menschen bei seiner Geburt 
den Schicksalsfaden spannen. Eine Spur des 
Liedes von den drei Schicksalsspinnerinnen hat 
sich auch zu Kassel erhalten in dem Liede: 
196) Dim bam Glöckchen, 
Da oben steht ein Stückchen, 
Da oben steht ein Schilderhaus, 
Da gucken drei MamfeUerchen raus. 
Die erste hieß Mariechen, 
Die zweite hieß Sophiechen, 
Die dritte schließt den Himmel auf, 
Läßt die liebe Sonne raus. 
197) A. Dotschimber, Dotschamber. 
B. Was giebt's für 'en Hamber? 
A. Was Gutes! Was Gutes! 
B. Macht's mal her! 
Zwei bis drei Kinder verabreden insgeheim ein 
Handwerk (Hamber), das dann nach dem obigen 
halb gesprochenen Wechselgesang von ihnen durch 
anschauliche Bewegungen und Laute so lange 
nachgeahmt wird, bis eins der zuschauenden Kinder 
es räth; der Löser des Räthselspieles ersetzt dann 
einen der Handwerker. Das Wort Botschamber 
ist gewiß ein französisches pofc de chambre, 
Botschimber nur eine Lautspielerei davon. 
198) Dort oben auf dem Derge 
Da liegt ein blauer Stein, 
Und wer den Stein verloren hat, 
Der sott mein Schätzchen sein. 
NideraUata, NideraUata, 
Niderattatatata! 
Ich geb' Dir einen Lritt, 
Zu Ehren und zum Nid-. 
NideraUata, u. s. w. 
Ich geb' Dir einen Kuß, 
Zu Ehren und zum Fuß, 
NideraUata, u. s. w.
	        

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