Full text: Hessenland (5.1891)

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datenhandel unter Landgraf Friedrich II. 
Redner widerlegte auf Gründ quellenmäßiger Studien 
die maßlosen Verdächtigungen und Berläumdungen 
dieses edelmüthigen hessischen Fürsten und trat den 
landläufigen abgeschmackten Märchen von der „Seelen 
verkäufern* mit Entschiedenheit entgegen. Wir be 
grüßen das Vorgehen des Herrn Direktors Hopf auf 
das freudigste und hoffen, daß dasselbe auch ander 
wärts Nachahmer findet und so jener frivolen Ge 
schichtsfälschung endlich Einhalt gethan wird. 
Am Montag den 5. d. M. fand zu Hofgeis 
mar in feierlicher Weise die E i n w e i h u n g des 
neu errichteten evangelischen Prediger-Se 
minars für d e n Kon sist o r i alb e z ir k K assel 
statt, mit welcher zugleich die Einführung des Studien- 
Direktors Klingender, bisher Metropolitan in 
Wolfhagen, in sein neues Amt verbunden war. 
Der „Reichs- und Staatsanzeiger- schreibt in 
seinem nicht amtlichen Theile: Die Gemälde 
sammlung Eduard Habich's, eine der erlesensten 
Privatsammlungen Deutschlands, deren Schütze seit 
mehreren Jahren in der königlichen Gallerte zu Kassel 
leihweise ausgestellt waren, beabsichtigt ihr Besitzer 
demnächst aufzulösen. Sie umfaßt ungefähr 150 
Bilder, vorzugsweise der niederländischen Schulen, 
von denen bereits dreizehn in den Besitz derNational- 
Gallerie in London übergangen sein sollen, während 
der Rest zu Beginn nächsten Jahres veräußert werden 
soll. Die nicht minder bedeutende Sammlung von 
Handzeichnnngen desselben Sammlers, die unlängst 
durch den Direktor der Kasseler Gemälde-Gallerte 
Dr. Eisenmann eine ausgezeichnete Veröffentlichung 
erfahren hat, gedenkt der Besitzer auch ferner zu be 
halten und zu erweitern. 
Universitäts-Nachrichten. Als Nachfolger 
des Professors Dr. Nubner ist jetzt der Professor der 
Hygiene Dr. Karl Fraenkel in Königsberg nach 
Marburg berufen worden. Professor Fraenkel ist ein 
Schüler von Robert Koch und war von 1866 an einige 
Jahre dessen Assistent am Berliner hygienischen In 
stitut. Nachdem er kurze Zeit Privatdozent an der 
Berliner Universität gewesen war, wurde er vor etwa 
zwei Jahren nach Königsberg berufen. Dr. Fraenkel 
ist der dritte vormalige Berliner Dozent, der in 
neuerer Zeit in ein Ordinariat der Universität 
Marburg einrückt. Vor ihm wurden berufen: 
Dr. Uhthoff für Augenheilkunde und Professor Küster 
für Chirurgie. — Der Privatdozent der Botanik 
Dr Georg Friedrich Kohl zu Marburg 
ist zum außerordentlichen Professor in der philo 
sophischen Fakultät der dortigen Universität ernannt 
worden. — Der außerordentliche Profeffor der Chemie 
und Pharmazie Dr. Ernst Otto Beckmann in 
Leipzig ist als ordentlicher Professor an die Universität 
Gießen berufen worden. 
Hessische Kücherschau. 
Ein arabischer Berichterstatter aus dem 10. 
oder 11. Jahrhundert über Fulda, Schles 
wig, Soest, Paderborn und andere deutsche 
Städte. Zum ersten Male aus dem Arabischen 
übertragen, kommentirt und mit einer Einleitung 
versehen von Dr. Georg Jacob. Berlin 1890, 
Verlag von Mayer und Müller. 
Ein arabischer Kosmograph, Qazwini, der im 
13. Jahrhundert lebte, überliefert die Notizen, die 
hier den deutschen Lesern zugänglich gemacht werden. 
Seine Gewährsmänner sind arabische Reisende, wie 
Tartusi, d. h. der Mann aus Tortosa, der der 
maurischen Gesandtschaft angehört zu haben scheint, 
welche Kaiser Otto der Große im Jahre 973 in 
Merseburg empfing. Von Fulda wird gesagt, es 
sei eine große Stadt im Lande der Franken. „Sie 
wird nur von Mönchen bewohnt, und kein Weib 
betritt sie, weil ihr Märtyrer es so angeordnet hat?) 
Der Name ihres Märtyrers ist Bag'lb; er soll 
Bischof in Franken gewesen sein. Da brach Streit 
aus unter dessen Bewohnern, und er kam an diesen 
Ort und baute diese Stadt. Dieselbe ist eine große 
Kirche, die bei den Christen in hohem Ansehen steht. 
Tartusi erzählt: Nie sah ich in allen Ländern der 
Christen eine größere als sie und eine reichere an 
Gold und Silber. Das Meiste von ihren Gefäßen, 
wie Rauchfäßer, Becher, Krüge und Schüsseln ist von 
Gold und Silber. Auch befindet sich dort ein silbernes 
Bildniß, ihren Märtyrer darstellend, mit der Front 
gegen Westen. Ferner ist dort ein anderes Bildniß 
aus Gold, dessen Gewicht 300 Ratl beträgt; sein 
Rücken ist an einer sehr weiten und breiten Tafel 
angeheftet, mit Hyacinthen und Smaragden besetzt, 
und es streckt seine beiden Arme aus in der Weise 
eines Gekreuzigten; es ist das Bildniß des Messias 
— Friede ist über ihm. Auch befinden sich dort 
goldene und silberne Crucifixe und Gedenktafeln, alle 
aus Gold und Silber, mit Hyacinthen besetzt? **) 
*) Es ist bekannt, daß die Stiftskirche von Fulda seit 
Gründung des Klosters im Zahre 744 bis zum Jahre 1397 
nicht von Frauen betreten werden durfte. Erst der Fürst 
abt Johann L. von Merlau hob am 5. Juni des letzt 
genannten Jahres diese Bestimmung auf. Und als zwei 
Tage nachher, am 7. Juni 1397, die Stiftskirche, von einem 
Blitze entzündet, niederbrannte, so betrachtete das Volk dies 
als eine Strafe Gottes. D. R. 
**) Die alte Stiftskirche war in der That überaus reich 
an goldnen und silbernen, mit Edelsteinen besetzten Gefäßen 
und Geräthschasten, die zum großen Theile verschwunden 
sind.
	        

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