Full text: Hessenland (5.1891)

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185) Es tanzt ein Di-Ba-Dozemann | 
Aus unsrem Boden rum und dum, ' 
Er rüttelt sid), er sdjüttelt fid) \ 
Rnd wirst sein Säckchen hinter Üd). I 
Es tanzt ein Di-Ba-Dozemnnn I 
Ans unsrem Boden rum. > 
Der Bozemann ist eine uralte Schreckgestalt. ! 
Sv ging bei den alten Römern dem Festzug! 
der Kinderfresser, manducus, voraus, das > 
drängende Volk zurückzuscheuchen; so sagt auch ; 
Klara Hätzlcrin: geloub ich daz, so biz mich blitze. ! 
Und Moscherosch in seinem Christlichen Vermacht- ! 
niß, 1043, tadelt die unverständigen Eltern und ! 
loses Gesinde, welche die Kinder mit dein Mummet, j 
Buhenmummel, langen Mann, dem schwarzen j 
Mann, der Holzmutter. dem bösen Mann, dem 
Hopmann, dem Kametfcger, und wer weiß was! 
für Narren schrecken. Der Bozemann wird als 
ein vermummter Mau» gedacht, der die Kinder 
in seinen Sack steckt und sic anderwärts verkauft; 
vgl. einen Kinderspruch aus Buchsweiler im Elsaß: 
Ho, ho, ho, D'r Hurlemann isch do! Er geht 
das Gässele uf un ab: „Wer kauft m'r Kinder 
ab?" Ho, ho, ho, D'r Hurlemann isch do! 
18(>) Seht ihr Herrn und Damen, 
Seht ihr meinen Fnß? 
Gesprochen: Wollt ihr wissen, wollt ihr wissen, 
Wie's die kleinen Mädchen machen? 
Püppchen susen, ho! 
Seht ihr Herrn und Damen, 
Seht ihr meinen Fuß? 
Wollt ihr wissen, wollt ihr wissen, 
Wie's die kleinen Knaben machen? 
Wackeln spielen, ho! 
Seht ihr Herrn und Damen, 
Seht ihr meinen Fuß? 
Wollt ihr wissen, wollt ihr wissen, 
Wie's die alten W a \ d) in ei b e r machen? 
Immer waschen, ho! 
Seht ihr Herrn und Damen, 
Seht ihr meinen Fnß? 
Wollt ihr wissen, wollt ihr wissen, 
Wie's die alten Männer machen? 
Immer trinken, ho! 
Die Kinder, im Kreise, begleiten das Spiel mit 
anschaulichen Geberden und strecken bei „ho" die 
Hände in die Höhe. 
J87) Ich trug in meinem Schoße 
Ein Korbelein voll Rosen, 
Ein Körbelein voll Zwetschen, 
Komm' her, mein liebes Schätzchen' 
Ja, ja, ja, die Schuld ist meiner nidzt; 
Die Schuld hat meine Kammermagd, 
Die sich nicht gewaschen hat. 
Ja, ja, ja, die Schuld ist meiner nicht. 
In der Mitte des singenden Kinderkreises bauscht 
eins seine Schürze zu einem Körbchen, wählt sich 
mit den Worten: Koinm' her, mein liebes 
Schätzchen! aus den andern sein Schätzchen und 
tanzt mit ihm zum Gesänge der andern mehr 
mals herum. Gar lustig ist die Lesart, die wir 
in einer Straße singen hörten: Der Schulz ist 
meiner nicht. 
188) Id) und mein altes Weib 
Können sein tanzen; 
Sie nimmt den Dudelsack, 
Id) nehm' den Ranzen. 
189) Wir haben ein kleines Murmelthier, 
Das macht uns urelr Freiidrn, 
Es kann auch auf zwei Deinen steh'n 
Rnd tanzen kann es wunderschön, 
Gerade Schildwad)' steh'n. 
So gebt ihm nun aud) Geld dafür, 
Für seine schönen Künste. 
Diese beiden Liedchen werden mit dem nöthigen 
Spiel gesungen; sie stammen aus der Zeit, da 
noch Dudelsackspfeifer und Savoyardenjungen mit 
ihren Murmelthieren häufiger durch Kassel zogeu. 
(Fortsetzung folgt.) 
.— c - 
ie alte 
inne. 
Erzählung von Wilhelm Denn ecke. 
(Fortsetzung.) 
Eckhart Aßberg traf unweit der Stadt, über deren 
Mauer er, wie so oft schou, glücklich gelangt war, 
mit noch zwei andern Gesellen seiner Art zu 
sammen, um im nächsten Grunde der Hasenlauß 
obzuliegen, wie in jener Zeit und auch noch später 
die unberechtigte Hasenjagd genannt wurde, von 
der es in einem alten Liede heißt: 
»Du halt' die Wacht still wie ein Maus, 
Du setz' dich auf die Hasenlauß —.“ 
Still schritten die drei jungen Männer im 
Dämmcrschein, den der Hcrbstmond, um welchen 
sich Nebelschleier gezogen hatten, verbreitete, in 
die Nacht hinaus. Sie nahmen ihren Weg nach 
der Edder zu, wo ein Berg, die Hardt genannt, 
sich erhebt, hier jedoch theilten sie sich, da das Revier 
ihnen wohl bekannt war, und Jeder sich seine 
eigene Strecke zugewiesen hatte. Als die beiden 
Andern nach verschiedenen Seiten im Monden- 
schimmer verschwunden waren, stieg Eckhart die 
Hardt hinan, obwohl er sich sagen mußte, daß 
dort die Aussicht auf Beute nur eine geringe 
sein konnte, aber es war ihm mit einem Male
	        

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