Full text: Hessenland (5.1891)

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Narlm Krnft von Kcklieffen, sein Weben und sein Verhältniß 
zur Kprachreinigung. 
Vortrag gehalten von Dr. <Lsrl Scherer. 
(Fortsetzung.) 
Schliessen geht, wie wir sehen werden, in 
Ausführung seiner Ansichten in vielen Stücken 
zu weit, aber auf der andern Seite ist cs doch 
wieder beachtcnswerth, daß er noch gewisse 
Grenzen gelten läßt, indem er die Berechtigung 
der Lehnwörter, über deren Eindringen und Be 
stand er freilich zuweilen falsch urtheilt, von 
einem richtigen Gesichtspunkt aus anerkennt. 
„Unsern noch rohen Vätern, so schreibt er, sey 
cs nicht verarget, daß sie zum Beyspiel für ihre 
Butter, für ihre Mühlen, für ihre Thüren, Be- 
nenungen von den Griechen; für ihre Käse und 
Fenster von den Lateinern erborgten; sie hatten 
wenigstens einheimischlautende ausgewählt oder 
doch solche germanisch umgestaltet. Aber Con 
stitution, es möge zum Anfangsbuchstaben ein 
K oder C genommen werden, Individuum, 
Republik und eine Menge dergleichen stechen trotz 
ihrer Aufnahme in den beßtcn Schriften, von 
dem ursprünglichen Wesen unserer Sprache eben 
so ab, wie der Jude von seinem deutschen Mit 
bürger, der Mantschu vom Chineser." 
Will man einen Vergleich mit Vorläufern 
Schlieffen's anstellen, so wird man am ersten ge 
führt auf die Männer, die einst die Zierden der 
fruchtbringenden Gesellschaft waren, auf Hars- 
dörffer und Schottel. Hier wie dort die An 
sichten und Forderungen die gleichen oft bis zum 
Wortlaut, anders und verschieden freilich die 
Verwirklichung. 
Was auch der deutsche Sprachverein im Ansang 
seiner Entwickelung nicht von sich hat fernhalten 
können, den Spott und Hohn der Gegner, das hat 
auch Schliessen bei seinen thätigen Bemühungen er 
fahren müssen. Als Befehlshaber von Wesel hatte 
der General dort eine Gesellschaft der Kriegskunst 
verehrer in's Leben gerufen mit dem Zwecke, die 
jüngeren Kameraden durch Unterhaltungen über 
Gegenstände der Kriegskunde zu belehren und 
heranzubilden. Dabei ließ er es sich eifrigst an 
gelegen sein, daß bei den Zusammenkünften ein 
gutes Deutsch gesprochen wurde. Einige tadelten 
und spöttelten, ihnen folgte der „schöpsartige 
große Haufen". Schliessen fand das richtige 
Gegenmittel, er vergalt mit Lächeln und ließ sich 
nicht beirren. 
Schlieffen's Bemühungen um Verdeutschung 
der fremden Begriffe gingen zunächst von der 
Sprache seines eigentlichen Berufes aus. Die 
Verwälschung der deutschen militärischen Sprache 
ist ja nicht, wie man so häufig hört, eine alleinige 
Folge des gewaltigen Einflusses, den der Militär- 
staat Ludwig's XIV. auf die anderen europäischen 
Länder ausgeübt hat. Die Anfänge liegen auch 
hier in einer früheren Zeit. Der Lieutenant 
wandelt schon im 15. Jahrhundert in Deutsch 
land, der Oberstlieutenant vertritt schon im 16. 
den Obersten der Landsknechte, deren Fähnlein 
sich nun auch bald zum Regiment znsammenthun. 
Das 17. Jahrhundert bringt dann, um nur 
bei den Bezeichnungen der Rangfolge stehen zn 
bleiben, weiteres, für Brandenburg z. B. 1637 
den ersten General, 1649 den ersten General 
der Infanterie Sparr, 1651 den ersten General 
major und Generallieutenant. Nun macht 
Schliessen mit Recht daraus aufmerksam, wie 
einige Worte für militärische Rangstellungcn 
noch ihren alten Platz behauptet haben, so Fcld- 
marschall, Feldzeugmeister. Oberster, Oberstwacht 
meister (erst in neuerer Zeit mehr und mehr durch 
Major zurückgedrängt), Hauptmann, Fähnrich, 
Fahnenjunker u. a. 
So empfiehlt er zur Aufnahme die Benennungen 
Feldhauptmann oder Heerführer für „komman- 
dirender General", Feldfußvolkmeister für General 
der Infanterie, Feldreitermeister für General der 
Kavallerie, Oberfeldherr für Generallieutenant, 
Unterfeldherr oder Feldwachtmeister für General 
major, Oberststellhalter für Oberstlieutenant, 
Unterhauptmann oder Hauptmannsstellhalter für 
Lieutenant u. s. w. 
Schliessen ist sich selbst ja wohl bewußt, daß 
es nur dem „Herrn von Truppen" zukommt, die 
„darin eingeführten Bedienungen zu nennen";
	        

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