Full text: Hessenland (5.1891)

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in kurhessischen Diensten standen, einen höheren 
Charakter verliehen, dem Generallieutencint z. D. 
von Hesberg und dem Generallieutenant z. D. 
von S p a n g e n b e r g. E r st e r e r erhielt den Cha 
rakter als General der Kav aller i e, letzterer 
den Charakter als General der Infanterie. 
Es ist dies bekanntlich nach dem Feldmarschall und 
den Generalobersten der Infanterie, Kavallerie und 
Artillerie der höchste militärische Rang in der deutschen 
Armee, und die Generale von Hesberg und von 
Spangenberg sind die beiden ersten von den 1866 
in preußischen Dienst übergetretenen ehemals kur 
hessischen Offizieren, welche zu dieser Würde erhoben 
worden sind. General von Hesberg hatte von 
1885 bis 1888 die umfangreiche und verantwortliche 
Stellung eines Kommandeurs der Kavalleriedivision 
des I. Armeekorps inne. Von 1842 bis 1866 
stand er in kurhessischen Diensten, zuletzt als Ritt 
meister und Kommandeur der Leibeskadron der 
Garde du Korps. In Preußen wurde er 1866 
Rittmeister und Eskadronchef im 6. Kürassier-Regiment, 
bei dem er als etatsmäßiger Stabsoffizier den Krieg 
von 1870/71 mitmachte. Er ist Inhaber des 
eisernen Kreuzes erster Klasse. — General 
L. von Spangenberg (geboren am 24. Mai 
1826 zu Fulda) stand von 1844 bis 1866 in 
kurhessischen Diensten, zuletzt als Hauptmann im 
Generalstabe, wurde 1866 in den preußischen 
Generalstab übernommen und am 16. Februar 1867 
zum Major in demselben befördert. Am 16. März 
1869 trat er als Kommandeur des Füsilier-Bataillons 
des Infanterie-Regiments Nr. 25 zur Front über 
und inachte als solcher den Krieg von 1870/71 mit j 
Auszeichnung mit. Später kommandirte er das 
85. Infanterie-Regiment und von 1880 ab die 
28. Infanterie-Bngade. Vom Dezember 1883 bis 
November 1885 war er Kommandant von Berlin, 
in welcher Stellung er zum Generallieutenant be 
fördert wurde. Am 24. November 1885 wurde er 
zum Kommandeur der 12. Division (Neiße) ernannt. 
Am 6. November 1888 wurde er in Genehmigung 
seines Abschiedsgesuches zur Disposition gestellt. 
Seit dieser Zeit hat er seinen Wohnsitz in Kassel 
genommen. Im Kriege von 1870/71 erwarb er 
sich das eiserne Kreuz erster Klasse und wurde 
1871 in den preußischen Adelstand erhoben. 
U n iv er sitäts nach richten. An Stelle des 
Professors der Botanik und Direktors des botanischen 
Instituts Dr. Goebel, welcher am 15. September 
Marburg verlassen hat, um der an ihn ergangenen 
Berufung an die Universität München Folge zu 
leisten, ist der außerordentliche Profesior der Botanik 
an der Akademie zu Münster Dr. A. Meyer als 
Ordinarius nach Marburg berufen worden und wird 
mit Beginn des Winterhalbjahres seine Vorlesungen 
daselbst beginnen. — Der Privatdozent der Botanik 
Dr. Gießen Hagen zu Marburg siedelt nach 
München über. — An Stelle des nach Berlin ab 
gegangenen Professors Dr. Rubner hat Professor 
Dr. August Gaertner in Jena einen Ruf als 
Professor der Hygiene und Direktor des hygienischen 
Instituts in Marburg erhalten, soll denselben 
jedoch abgelehnt haben. 
Der Bibliothekar an der Universitäts-Bibliothek zu 
Marburg Dr K. Boys e n ist in gleicher Eigen 
schaft an die königl. Bibliothek in Berlin und der 
Hülfskustos Dr. Münzer au der Berliner Bibliothek 
als Kustos an die Marburg er Universitäts- 
Bibliothek versetzt worden. 
Dem Landes-Oekonomie-Direktor Dr. Julius 
Georg Schwarzenberg in Braunschweig ist 
anläßlich seines 50jährigen Doktorjubiläums seitens 
der juristischen Fakultät der Universität Marburg die 
Doktorwürde erneuert worden. (Dr. Julius Georg 
Schwarzenberg, geb. 1820 zu Kassel, ist der zweit- 
älteste Sohn des am 26. Oktober 1857 zu Kassel 
verstorbenen Obergerichtsanwaltes Ludwig Schwarzen 
berg, des bekannten Freiheitskämpfers in der napoleo- 
nischen Zeit und freimüthigen, unbeugsamen Präsi 
denten der kurhessischen Ständekammer in der Konflikts 
zeit von 1850, des Mannes »ohne Furcht und 
Tadel" , wie ihn seine Mitbürger nannten. S. 
„Hessenland", Jahrg. 1887 Nr. 33.) 
Todesfälle. Am 30. August starb zu Balti- 
more Dr. Friedrich Heß im 91. Lebensjahre. 
Derselbe war am 19. September 1800 zu Mar 
burg geboren, nahm an der politischen Bewegung 
der dreißiger Jahre lebhaften Antheil, wohnte u. a. 
dem sog. Hambacher Fest am 27. Mai 1832 bei 
und wurde wie so viele seiner Gesinnungsgenossen 
deshalb in Haft genommen. Nachdem er aus der 
selben befreit war, wanderte er, da er unter den 
obwaltenden Verhältnissen seine Absicht, sich der 
akademischen Laufbahn zu widmen, nicht mehr aus 
führen konnte, 1837 nach Amerika aus und ließ 
sich in Baltimore als Arzt nieder. Dort nahm er, 
wenn er auch niemals ein öffentliches Amt bekleidete, 
an dem politischen Leben regen Antheil. 
Am 3. September verschied zu Oldendorf in 
der Grafschaft Schaumburg im 73. Lebensjahre der 
Sanitätsrath Dr. Philipp Holzapfel, ein all 
gemein hochgeschätzter und beliebter, anerkannt tüchtiger 
Arzt. Er war in seiner Studienzeit zu Marburg 
im Jahre 1839 Mitbegründer des renommirten 
Korps Hasso-Nassovia und stand bei seinen Kommili 
tonen in hohem Ansehen. 
Am 23. September starb plötzlich an einem Hirn 
schlage im Alter von 67 Jahren zu Castel bei 
Mainz der großherzoglich badische Professor a. D. 
Georg Leonhard Follenius, früher kurhessischer 
Artillerie-Offizier und Major in der großbritannischen
	        

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