Full text: Hessenland (5.1891)

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Sudaba ableiten, rjßu — altdeutsch aeba, scheint 
dasselbe Wort zu sein, wie aib in ßaynaib, 
Burgundaib, Wedereiba, und wahrscheinlich nur 
mundartlich verschieden von apa, aba, eba, afa, 
IV. 
Was sich mit den Hasenleußern begab. 
Herr Friedrich von Battenberg lag lange 
Zeit aus dem Siechbett und konnte kaum ein 
Glied rühren, ohne die fürchterlichsten Schmerzen 
auszustehen. Währenddem er aber so auf unwill 
kommene Weise der Ruhe Pflegen mußte, 
kämpften seine Kriegsleute als Bundesgenossen 
der alten Minne unter Johann von Solms und 
Balzer von Wollersdorf gegen den Landgrafen 
Hermann und die Stadt Frankenberg mit weit 
besserem Glück, als da er sie angeführt. Allen 
zuvor aber that es Melchior Kamm, der von 
seinem Herrn, dem Trefurter, Urlaub erhalten 
hatte, dem Battenberger Feldzeichen so lange 
folgen zu dürfen, bis Frankenberg eben ein 
solcher Schutthaufen geworden sei wie des Frei 
herr» stolze Burg. So hatte es Melchior fertig 
gebracht, daß die Frankenberger, durch falsche 
Kundschaft getäuscht, sich eines Tages aufmachten 
und mit manchem wohlgerüsteten Wappner ihren 
Feinden nachjagten, dabei aber in einen Hinter 
halt fielen und schmählich niedergeworfen wurden. 
Mit vielen Gefangenen zogen die Herren von 
der alten Minne davon und sandten dem Land 
grafen Hermann einen Brief, in dem Alles dies 
geschrieben stand und er gefragt wurde, wen er 
nun für mächtiger hielte im Lande zu Hessen, 
sich oder die alte Minne? Der Landgraf war 
tief betrübt über das Unglück, welches die 
Bürgersleute betroffen und ritt selbst gen Franken- 
berg, um ihnen Trost zu geben, ließ dahin auch 
den Grafen von Waldeck bescheiden, dem er seine 
Noth klagte. Mit diesem zog er nach Kirchhain, 
wohin von Amöneburg aus der Bischof Adolf 
von Mainz kam, der mit dem Grafen Johann 
von Solms wegen Losgabe der Gefangenen in 
Unterhandlung treten sollte, aber soviel auch 
hinüber und herüber geredet wurde, und ob der 
Bischof auch, wie es heißt, „groß Arbeit hatte, 
ob sie los mochten werden", konnte dies alles doch 
nicht helfen und die Bürger mußten große 
Schatzung geben. 
So war der Frühling und der Sommer dahin- 
efa, der bekannten Bezeichnung für „Bach". 
Die Berge in der Nähe von Suda sind die 
—iivS/jiu oorj des Ptvlemäus. 
(Fortsetzung folgt.) 
Die alle Winne. 
Erzählung von Wilhelm Dennecke. 
(Fortsetzung.) 
gegangen, der Herbst hatte seinen Einzug ge 
halten und die Bäume bunt gefärbt, auch die 
Buchen im Battenberger Burghof hatten ihr 
grünes Gewand für ein gelbes vertauscht, und 
der wilde Wein, der sich an der Mauer bis 
zum Fenster der Dame Mathilde in die Höhe 
zog, war blutroth geworden. Das Edelfräulein 
saß auf einer steinernen Bank des engen Gartens, 
nahe am rauschenden Brunnen, und ließ sich 
die gelben Blätter in den Schooß fallen und 
blickte träumerisch nach dem wilden Wein empor, 
dessen Farbe ihr als das wahrhaftige Zeichen 
der Zeit erschien. Leuchtendes Hoffnungsgrün 
hatte sie im Busen getragen, als sie im Wonne 
mond hier gesessen, aber dasselbe war schon 
längst verblaßt und an seine Stelle war das 
schreiende Roth getreten, das nichts mit frommer 
Minne gemein hat, wohl aber vergossenem Blute 
gleicht. Was sie sah und hörte, hing mit Kampf 
und Mord zusammen. Die alte Minne hauste 
fürchterlich in der ganzen Gegend und hatte sich 
die Burg der Battenberger zu ihrem Hauptsitz 
erkoren. Keine Woche verging, daß nicht Ver 
wundete eingebracht wurden, deren Anblick besser 
als alle Geschichten klar machte, was draußen 
geschah. Mathilde hätte 311 ihrem Vater, der 
in Thüringen einen Burgsitz erworben, zurück 
kehren können, wer aber bürgte ihr dafür, daß 
sie daselbst nicht noch grausamere Vorgänge er 
leben müßte, und dann — es fesselte sie ja Eins 
schier unwiderstehlich an die alte Edderburg, und 
dies war ein gar seltsames Gefühl, über welches 
sie sich kaum Rechenschaft zu geben vermochte, 
da es plötzlich in ihr Herz eingedrungen war, 
ohne daß sie wußte, woher es kam, und noch 
viel weniger konnte sie sich darüber klar werden, 
wann es wieder entschwinden würde. Herr 
Friedrich hatte es ihr angethan, aber „ach, ach, 
wenn nur die böse alte Minne nicht gewesen 
wäre — ", die stand zwischen den zwei Herzen 
und ließ sie nicht aneinander schlagen. Seitdem 
Friedrich aus der Hornissenschlacht so elendiglich 
zurückgekehrt war, hatte sie ihn nur flüchtig ge 
sehen. Er schien ihre Gegenwart zu meiden, denn 
als er die Krücken weggeworfen und sich wieder
	        

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