Full text: Hessenland (5.1891)

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mann soll auch deutsch von seinem Handwerk 
reden, aber nicht in der beliebten scheußlichen, 
kauderwelschen Kriegersprache. Und nicht der 
Kriegsmann nur, sondern auch ein jeder Andere 
an seinem Ort. Aber freilich — und wahrlich 
diese Auslassung ist beherzigenswerth und geltend 
wie eine — der „Hierschreibende (so nennt sich 
Schliessen meist) sieht mit Bedauern, daß Deutsch 
lands Schriftsteller erster Größe, deren 
Wissen allzu anerkannt ist. als daß sie 
brauchten gelehrt zu scheinen, stets fort 
fahren, in die Muttersprache Fremdes 
hineinzuflickeu, wenn Einheimisches 
dafür zu finden steht. Er wünscht, daß sie 
endlich einmal mit andern ihres Gleichen und mit 
ihm Ungelehrten fühlen möchten, wie seltsam es sei, 
nicht allein vom Nachbar zu borgen, was man 
selbst schon hat oder aus eignen Mitteln haben 
kann, sondern auch daß, wenn ein neues Ding 
seines Namens bedarf, man die günstige Eigen 
schaft jener (nämlich der Muttersprache), fast 
jeden daraus bilden zu können, vernachlässige 
und ihn lieber zusammensetze aus Bruchstücken 
der griechischen, die doch auch keine für dasselbe 
haben kann, weil es aufkam, da sie nicht mehr 
geredet wurde." Wozu also die Worte Mikro- 
skopium, Barometer, Thermometer? Der Un- 
gelehrte wird froh sein, wenn ihm das Nerstehen- 
lernen erleichtert wird durch Einführung solcher 
Namen, „deren Sinn schon aus ihrem Anblicke 
hervorginge wie der Werth einer Münze aus 
ihrem Gepräge." Bilden von fehlenden Worten 
ist keine „Neuerung, sondern ein Benutzen des 
Vorhandenen. Die Britten müssen in dieser 
Art erobern, um den Nachbarn gleich zu bleiben, 
weil sie kein Eigenthum mehr haben; ist es 
aber uns noch Wohlhabenden zu verzeihen, das 
unsrige zu verwarlosen, um auch -Räuber zu 
werden?" Das sind köstliche Worte, die ihre 
volle Geltung für die Gegenwart haben oder 
doch haben sollten, mit ihnen steht der, der sie 
schreibt, ganz auf dem Boden der gegenwärtigen 
Sprachreinigungsbestrebungen. 
(Fortsetzung folgt.) 
asseler HLnöerlieöchen, 
gesammelt und erläutert von Dr. Gustav Lskuche und Johann Tewslker. 
(Fortsetzung.) 
Doch des Lebens recht froh wird das Kind 
wie der Erwachsene, wenn die warine Frühlings 
sonne den Schnee zerschmelzt und all' die grünen 
Gräser und bunten Blumen hervorlockt: dann 
geht's mit Halloh und Sang und Klang hinaus in 
die Aue, in's Eichwäldchen, in den Habichtswald, 
und im innigen Verkehr mit der Natur wird 
Leib und Seele frisch und gesund. Denn dem 
Kinde wie dem Dichter ist das heimliche Leben 
und Weben in der Natur noch nicht so verschlossen 
wie dem erwachsenen Alltagsmenschen, es fühlt 
noch inniger den einen großen Herzschlag, der 
durch das Weltall geht. Die Sonne wie der 
Maikäfer, das Häschen wie der Storch, Alles, 
was in dem großen Gottesgarten wächst und 
lebt, ist dem Kinde wie ein vertrauter Freund, 
den es fröhlich mit Du anredet. Die Frühlings 
sonne, die allzu lange von schweren Wolken ver 
hüllt bleibt, locken die Kinder mit dem uralten 
Liedchen hervor: 
152) Liebe, liebe Sonne, 
Komm' en bischen 'runter, 
Laß den Regen oben, 
Mit der goldnen Krone. 
Einer schließt den Himmel aus, 
Kommt die liebe Sonne 'raus! 
Der Eine, der aus der geöffneten Himmelsthür 
die Sonne herausführt, wie Phoibos bei den 
Griechen und Osiris bei den Aegyptern, ist der 
Himmelsherr Fro, welcher, nach altnordischer 
Sage, auf goldborstigcm Eber durch Winde und 
Wolken reitet und mit Regen und Sonnenschein 
die Fluren befruchtet. Noch jetzt sagt der Bauer 
in der hessischen Wetterau, wenn er die goldnen 
Aehren im Wind wogen sieht: Der Eber geht im 
Korn. Als nun die vielgestaltigen Götter und 
Göttinnen mit dem Christenthum in dem einen 
Schöpfer Himmels und der Erden aufgingen, über 
trug man auch Fro's Walten auf den segen 
spendenden Christengott, wie aus einem süd 
deutschen Sprüchlein hervorgeht: Heiland, thu 
Dein Thürle auf, Laß die schöne Sonne raus! 
Laß de Schatte drobe, Den Heiland wöll'n wir 
lobe. Der Heiland ist ja der Fro, d. h. der 
Herr, vgl. Fronleichnam. Fro hatte neben sich 
Frowe oder Freya, die Sonnengöttin, wie Osiris 
die Isis, Phoibos die Artemis; sie erscheint z. B. 
in einem Preßburger Liedchen: Liabi Frau, mach's 
Türl auf. laß die liabi Sunn herauf, laß in 
Regen drina, laß in Schnee vabrina; ebenso im 
Elsässer Liedchen: 's geht e Frau in's Glockenhüs,
	        

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