Full text: Hessenland (5.1891)

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artin Krnst von Kchlieffen, sein Weben unö sein Verhältniß 
zur Wprachreinigung. 
Vorlrsg gehalten von Dr. <Lgrl Scherer. 
(Fortsetzung.) 
Wenn wir uns nunmehr zur Besprechung von 
Schlieffen's schriftstellerischer Thätigkeit wenden, 
so kehren wir zeitlich zurück in die achtziger Jahre 
des 18. Jahrhunderts und werfen zunächst einen 
kurzen Blick auf das geistige Leben im damaligen 
Kassel. 
Unter den vielen Bemühungen, durch.welche 
Friedrich II. die Hebung seines Landes zumal 
die Blüthe seiner Hauptstadt herbeizuführen 
suchte, wird stets eine der ersten Stellungen die 
eifrige Fürsorge einnehmen, die er für Gedeihen 
und Pflege ' der Wissenschaften bewiesen hat. 
Man kann den Landgrafen in dieser Hinsicht 
wohl mit Augustus vergleichen, man darf dann 
aber nicht vergessen, an Schliessen als an seinen 
Mäcenas zu denken, denn dieser hat es sich 
anerkanntermaßen besonders angelegen sein lassen, 
die bedeutenden Männer zu gewinnen, die Kassel 
damals in seinen Mauern vereinigte; war er 
doch auch wie nur Einer seinen Geistesgaben 
und seinem Charakter nach hierzu befähigt und 
berufen. Die Briese der Zeitgenossen bezeugen 
mit seltener Uebereinstimmung die Vielseitigkeit 
des Mannes, der in die Naturlehre mit ebenso 
viel Verständniß und Tiefsinn eingedrungen war, 
als er die Sprachen und ihre Literaturen, als 
er die Geschichte und Staatslehre beherrschte; 
sie wissen ebenso einmüthig von dessen vortreff 
lichen Charaktereigenschaften zu erzählen, von 
seinem Wohlwollen und seiner Güte, von seinem 
Freimuth und Edelsinn, er war ein Mann, auf 
den man sich verlassen konnte. 
Schlieffen's Leitung verdanken das durch den 
Landgrafen erneuerte Collegium Carolinum und 
das Collegium medicum, beide ähnlich den 
Hochschulen eingerichtet, ihre im Jahre 1773 
vollzogene Erweiterung. Dohm, Tiedemann, 
Förster, Sömmering, Johannes von Müller 
kamen damals zumeist durch des Ersteren Ver 
mittelung als Lehrer nach Kassel. Sie waren 
es, die vor allem auch den Ruhm der von 
Friedrich im Jahre 1777 gestifteten Gesellschaft 
der Alterthümer, deren Geschichte noch aus den 
Akten der Landesbibliothek geschrieben werden 
soll, begründeten und erhöhten. Schlieffen hat, 
— was konnte ihm auch erwünschter und 
anregender sein —, mit den meisten Gelehrten 
in guten Beziehungen gestanden, mit keinem wohl 
besser als mit Johannes von Müller. Letzterer 
hatte im Jahre 1780 den ersten Band )einer 
Schweizergeschichte herausgegeben, den Schlieffen 
gelesen und mit Gefallen durchgearbeitet hatte. 
Dies war wohl der Grund, weshalb Müller, 
der in Berlin vergebens angeklopft hatte, so bald 
nach seiner Ankunft in Kassel im Jahre 1781 
mit einer Professur überrascht wurde. Schlieffen 
ist dann von entschiedenstem Einfluß auf Müller's 
weitere Thätigkeit gewesen. Er veranlaßte ihn, 
„eine große Reise durch die Weltliteratur von 
Homer bis Doltäre zu machen", von der der 
Gelehrte eine reiche Auszugssammlung heim 
brachte, er vermittelte ihm die Kenntniß der 
alten deutschen Heldengedichte, er las mit ihm 
die klassischen Schriftsteller, er weist ihn vor 
allem immer und immer wieder, selbst unter 
scherzhafter Androhung der Einsperrung, darauf 
hin, die „Schweizerhistorie" fortzusetzen. Auch den 
bereits erschienenen ersten Band galt es für eine 
neue Ausgabe umzuarbeiten. Wir dürfen an 
nehmen, daß Müller nicht nur die 36 Seiten 
Anmerkungen, die sein Gönner hierzu geschrieben 
hatte, dabei verwerthet hat, wir werden aus 
brieflichen Andeutungen zu schließen haben, daß 
Schlieffen auch vor allem der rein stilistischen 
und sprachlichen Seite des Werkes, dem man 
„Affektation so vieler französischer Worte vorwarf", 
seine Fürsorge geschenkt hat. „Schreiben Sie 
künftighin teutsch," so hatte er zu Beginn der 
Bekanntschaft den Gelehrten ermahnt, „in einer 
fremden Sprache werden Sie nie ihrer selbst 
würdig seyn, in der teutschen Literatur können 
Sie Epoche machen." So war es Schlieffen 
denn auch sicherlich, der jenem den Rath gab, im 
ersten Theil die Sprache zu verbessern, und der
	        

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