Full text: Hessenland (5.1891)

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wie von jeher seinem in Hessen hochangesehenen 
Geschlechte, galt der Spruch „Noblesse oblige“ in 
allen Lagen des Lebens zur Richtschnur. Sein An 
denken wird denn auch in Fulda stets ein gesegnetes 
bleiben. 
Es wird die Leser des „Hesscnlandes" interessiren, 
zu erfahren, daß der Tonkünstlcr Hermann Gehr 
mann, dessen Tondichtungen in dieser Zeitschrift 
vor etwa zwei Jahren eingehend und sehr anerkennend 
besprochen worden sind, auf Grund seiner musikalisch 
philosophischen Jnaugural-Dissertation „Johann Gott 
fried Walther als Theoretiker- von der philosophischen 
Fakultät in Berlin die Doktorwürde und zwar 
6nm laulle erlangt hat. Die umfangreiche Arbeit 
unseres Landsmannes, welche in musikwissenschaftlichen 
Kreisen mit Recht, großes Aufsehen erregt hat, wird 
im Dezember d. I. in der „Vierteljahrsschrift für 
Musikwissenschaft* (herausgegeben von Professor 
Dr. Ph. Spitta) erscheinen. 
—r. 
UniversitätsNachrichten. Die Rektorats- 
wahl der Universität Marburg für das Jahr 
1891/92 nimmt einen eigenen Verlauf. Nachdem 
der Professor der pathologischen Anatomie Dr. Felix 
Marchand die am 25. Juli nach dreimaligem Wahl 
gange auf ihn gefallene Wahl abgelehnt, hatte, hat 
bei der am 15. August vorgenommenen zweiten 
Wahl auch der diesmal gewählteProfessor der Physiologie 
Dr. Külz die Annahme des Ehrenamtes abgelehnt. 
Hessische Kücherschau. 
B e r z e i ch n i ß neuer Hessischer Litteratur, 
Jahrgang 1 890, nebst Nachträgen zu 
1 88 6 — 1 8 8 9. Von Edward Lohmeyer. 
Kassel, Verlag von Max Brünne- 
mann, 1891. — Preis 1 Mark. 
Dieses Buch ist Ende Juni in dem rührigen Ver 
lage von Max Brunnemann im Buchhandel erschienen, 
zum ersten Male aus den diesjährigen Mittheilungen 
des „Hessischen Geschichtsverem« Seite OXLVH bis 
CLXXXVI besonders mit von I—XD laufenden 
Seitenzahlen, eigenem Titelblatt und Umschlag abgedruckt, 
und verfehlen wir nicht, unsere Leser auf dies wichtige 
Hilfsmittel für die heimathliche Geschichte dringend 
hinzuweisen. Auf der Ständischen Landesbibliothek 
zu Kassel, die in erster Linie hessische Geschichte 
und Literatur im weitesten Umfange zu sammeln hat, 
ist so recht der Brennpunkt althessischer Bücherkunde 
zu suchen, und erscheint hier auch seit 1880, durch 
Herrn Oberbibliothekar Tr. Dunker begonnen und 
nach dessen Tode von dem Herrn 1. Bibliothekar 
Dr. E. Lohmeyer fortgesetzt, obige hessische Biblio 
graphie, die inhaltlich und dem Umfang nach immer 
mehr zur Vollständigkeit sich ausgewachsen hat von 
68 Titeln des Jahres 1885 auf 303 Stichwörter 
des Jahres 1890. Wenn nun die Grenze auch hie 
und da zu weit gezogen erscheint auf nicht althessiche, 
aber jetzt großherzoglich hessische Orte südlich des 
! Mains, so ist dies aus dem bisherigen Fehlen einer 
I Darmstädtischen Bibliographie zu erklären, die aber jetzt 
! in sichere Aussicht gestellt ist und dann das althessische 
Unternehmen wesentlich entlasten wird. — 
Und wahrlich eine solche Arbcitsthcilung ist noth 
wendig, denn zu nur annähernder Vollkommenheit, 
die stets zu erstreben ist, kann das Gebiet nicht eng 
und fest genug begrenzt werden. Als althessisch 
! dürfte gelten der volle Besitzstand des Jahres 1567 
mit seinen Schicksalen biß zur Gegenwart und dann 
die Entwickelung der Landgrafschaft Hessen-Kassel, des 
spätern Kurfürstenthums (einschließlich der westfälischen 
Fremdherrschaft), bis zum Jahre 1866; dazu kommen 
aus Bequemlichkeitsgründen die wenigen Gebiets 
zuwachse (wie Gersfeld, Orb u. s. w.) des königl. 
j preußischen Regierungsbezirkes Kassel, der am 20. 
> September d. I. sein 25jähriges Gedenkfest der Er- 
j richtung begeht. Aus dem Regierungsbezirk Wiesbaden 
' wäre also am besten nur Homburg sowie das Hinter 
land und aus dem Großherzogthum nur Oberhessen 
heranzuziehen, während dem so begrenzten Althesien 
gegenüber das eigentliche Nassau, Frankfurt a. M. 
und das Großherzogthum südlich des Mains mehr 
gemeinsame Beziehungen in sich haben, die sich auf 
die Geschichts- und Alterthumsvereine zu Wiesbaden, 
! Frankfurt a. M. und Darmstadt inhaltlich dreifach 
! vertheilen lassen. 
j Kassel müßte also mit dem Lokalverein Gießen 
! einschließlich Biedenkopf und Homburg, die bis 1866 
| auch darmstädtisch waren, näher zusammenstehen, das 
wäre sachlich das Beste. Doch kann sich diese 
Trennung erst nach Erscheinen der Darmstädter 
Bibliographie vollziehen und allmälig abklären und 
durchsetzen. 
Freilich Groß-Hessenland im weitesten Sinne 
würde ethnographisch alle fünf Hauptorte und ihr 
Gebiet umspannen und noch einige Grenzstriche, da 
gegen würde dieser politische Rahmen auch manches 
Heterogene in sich enthalten. — 
Wie schwierig solche bibliographische Arbeiten sind 
und trotz vieler Mühe undankbar, wissen nur solche 
zu beurtheilen, die selbst Aehnliches versucht haben, 
und Herrn Dr. Lohmeyer gebührt für seine Leistung 
der wärmste Dank aller Freunde hessischer Heimaths- 
geschichte, zumal die sehr erwünschte Mitarbeit nach 
der Vorrede auch diesmal recht gering geblieben ist. 
i Die alphabetische Anordnung nach Stichworten 
i und nicht nach sachlichen und systematische Rücksichten, 
! welche freilich als Ideal gellen muß, rechtfertigt sich
	        

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