Full text: Hessenland (5.1891)

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Verwaltung und Rechtsverfassung in ihrer mehr als 
vorjährigen Geschichte zur Darstellung zu bringen. 
Sein Werk „Brandenburg-Preußens Nechtsvcrwaltung 
und Rechtsverfassung, dargestellt im Wirken seiner 
Landesfüisten und obersten Justizbeamten", das 1888 
herauskam, zeigt noch auffälliger als die Svarcz- 
Biographie die Eigenheit von Stölzel, auch seinem 
Thema ferner Liegendes heranzuziehen. Aus diesem 
Grunde bietet sein Buch gerade der Kulturgeschichte 
viel Rüstzeug. So begegnet man bei Stölzel ein 
gehenden Auslassungen über Univcrsitätsleben und 
Prüfungswesen, über das äußere Leben der Beamten, 
über Eigenheiten provinzieller Art u. a. m. Der 
Umfang des Werkes und die Breite, mit der Stölzel 
seiner Sache gerecht wird, bedingen, daß das Werk 
lediglich bei Juristen und Historikern Eingang findet; 
zumal aber der Gegenstand von allgemeinem Ingresse 
ist, hat Stölzel den Kern seiner Forschungsergebnisse 
in ,15 Vorträgen" (sie lehnen sich an Universitäts- 
Vorlesungen an, die Stölzel im Winter 1887/88 
hielt) gemeinverständlich zusammengestellt. — Wir 
sind hier lediglich der Darstellung von fachkundiger 
Seite in der „Vossischen Zeitung" gefolgt, es ver 
lohnt sich aber wohl der Mühe, auch derjenigen 
Schriften Stölzel's zu gedenken, die sich speziell auf 
hessische Verhältnisse beziehen und in Folge dessen 
für uns Hesien von ganz besonderem Interesse sind. 
Auch hier tritt uns Dr. Stölzel als ebenso frucht 
barer wie hervorragender Schriftsteller entgegegen. 
Da ist zunächst das „Handbuch des kurhcssischen 
Zivil- und Zivilprozeßrechtes * (Kassel 1860 und 1861, 
2 Bände) zu nennen, das er im Verein mit anderen 
kurhessischen Rechtsgelehrten anonym herausgab. Unter 
seinem Namen erschienen dann 1869 „Die ältere 
Geschichte der Stadt Liebenau"; 1871 „Kasseler 
Stadtrechnungen aus der Zeit von 1468 — 1553 “; 
1873 „Ein Stück Kasseler Häuser- und Familien 
geschichte" ; 1874 über die älteste Anlage der Stadt 
Kassel, „Bürgermeister und Rath der Stadt Kassel" 
(1239—1650); 1875 „Studierende der Jahre 1368 
bis 1600 aus dem Gebiete des späteren Kurfürsten 
thums Hessen". Die letztgenannten Schriften und 
Abhandlungen sind sämmtlich in der Zeitschrift des 
Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 
(Neue Folge, Bd. II, IV und V) sowie in den 
Supplementbänden (Neue Folge II und V) veröffent 
licht worden Außerdem gab Stölzel noch folgende 
Schriften heraus: „Das Recht der väterlichen Gewalt" 
(Berlin 1874); „Das Eheschließungsrecht im Geltungs 
bereich des Preußischen Gesetzes vom 9. März 1874"; 
(Berlin 1874); „Wiederverheirathung eines beständig 
von Tisch und Bett getrennten Ehegatten" (Berlin 
1876); „Deutsches Eheschlicßungsrecht nach amtlichen 
Ermittelungen als Anleitung für Standesbeamte" 
(1876); „Ueber Proberelationen" (1888); „Ueber 
das landesherrliche Ehescheidungsrecht" (1891). — 
An Stelle des zum Unterstaatssekretär und Direktor 
im Ministerium der geistlichen Unterrichts^ und 
Medizinalangelegenheitcn ernannten Dr. tlmol. Ernst 
von Weyrauch ist der Landrath FriedrichvonTrott 
zu Solz in Fulda zum Direktor des Konsistoriums 
zu Kassel unter Verleihung des Charakters als 
Konsistorial-Präsident ernannt und bereits am 25. 
August durch den Ministerial-Direktor Bartsch vom 
Kultusministerium feierlich in sein neues Amt ein 
geführt worden. Herr Friedrich von Trott zu Solz 
ist am 11. Oktober 1835 in Kassel geboren. Er 
entstammt einem alten hessischen ritterschaftlichen 
Geschlechte, aus welchem von ältesten Zeiten an aus 
gezeichnete Staatsbeamte und Offiziere hervorgegangen 
sind. Sein Vater, der Geheimerath Friedrich Heinrich 
von Trott zu Solz, war kurhessischer Minister der 
Justiz und des Aeußern, zuletzt Bundestagsgesandtcr. 
In seiner Jugend hatte derselbe in dem kurhessischen 
freiwilligen Jägerkorps zu Pferd die Freiheitskriege 
mitgemacht und sich in Folge seiner Tapferkeit den 
Orden vom eisernen Helm vom 22. September 1814 
erworben. Friedrich von Trott machte nach ab- 
solvirtem Studium der Rechts- und Staatswissen 
schaften den staatlichen Vorbereitungsdienst als Referen 
dar bei der kurhessischen Regierung und Oberfinanz- 
kammer in Kasse! durch, war nach der Einverleibung 
Kurhessens in Preußen als Regierungs-Assessor in 
den Provinzen Hannover und Schlesien beschäftigt 
und wurde dann zu Anfang der 70er Jahre zum 
Amtmann des Amtsbezirks Orb ernannt und von 
da 1876 als Landrath nach Gelnhausen berufen. 
In jener Zeit wurde er vom hessischen 13. Wahl 
kreise Schlüchtern-Gelnhausen in das Abgeordneten 
haus gewählt und blieb dort als Mitglied der deutsch- 
konservativen Fraktion bis zum Jahre 1662. Bei 
seiner in demselben Jahre erfolgten Versetzung als 
Landrath des Kreises Fulda legte er sein Mandat 
nieder. Der neue Präsident des Kasseler Konsistoriums 
ist, wie die „Kreuzztg." bemerkt, vom Oberpräsidenten 
in Vorschlag gebracht worden, weil er der hessisch 
reformirten Kirchengemeinschaft, der zahlreichsten des 
Landes, angehört, und als geborener Hesse am ge 
eignetsten ist, den Anforderungen der Stellung zu 
entsprechen, da die neuen kirchlichen Einrichtungen 
noch nicht so gefestigt sind wie in anderen Provinzen. 
Herr von Trott zu Solz hat stets regen Antheil an 
den kirchlichen Dingen genommen und hat auch in 
Fulda zu den Aeltesten der dortigen evangelischen 
Gemeinde gehört. — 
Als Landrath von Fulda hat Herr von Trott 
ebenso wie früher in Orb und Gelnhausen eine 
höchst verdienstvolle Thätigkeit entfaltet und sich durch 
seine nie ermüdende Sorge um das Wohl seines 
Kreises, durch seinen Gerechtigkeitssinn, sein Wohl 
wollen und seine Leutseligkeit die Hochachtung aller 
erworben. Er hat sich stets als ein Edelmann in 
der vollen Bedeutung des Wortes erwiesen. Ihm,
	        

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