Full text: Hessenland (5.1891)

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Hurnufa,Phiopha,Slirefa,Urphau.st. DieFormen 
Cannanefa und Canninefa sind gebildet wie die 
Namen Wizanbrunno, IIthinabach,Eschinevvage. 
Zu dem Personennamen Canno, der durch die 
übliche Kürzung aus einem zweiftämmigen Namen 
entstanden ist, kann man die Namen Cancor, 
Chanfried, (Cod. Laur.) Kandrud, Chanrat, 
Hanno (Pieper, Libr. Confrat.) stellen. Wenn 
der Name Cannifa sich bis heute erhalten hat, 
so wird er Hannes, Hanfe, oder falls man an 
Stelle des später unverständlich gewordenen efa 
das Wort bach gesetzt hat, Hanbach lauten. 
Die Chamavi, vermuthlich identisch mit den 
Xuifjut, darf man wohl in Chamava oder 
Chaimafa suchen. Der Personenname Chamo 
findet sich bei Pieper, Uhr. Confrat., Haimo 
bei Dronke. 
Die Usipetes und U sipii hatten in Usipa 
oder Usbach ihren Hauptort. Der Name 
erinnert an Bach und Tors Ausbach im Kreis 
Hersfeld. 
AuchderWohnsitzderCambrivii, l'u/jußt>iomoi, 
war nach einem Bache, der Hambri fa, benannt. 
Hier hatte Gambar seinen Sitz. Dieser Name 
findet sich sonst selten, in der Geschichte der 
Longobarden wird eine Fürstin Gambara genannt. 
Aus Oambarifa konnte später Oamberbach 
werden, wie Walbach aus Waise, Erbach aus 
Erfa, Asbach aus Aspbe re., Arnold, a. a. £>. 
S. 315; ein Kamberbach wirb im Urkundenbuch 
des Klosters Germervde, S. 114, erwähnt, heute 
heißt dieser Ort Kammerbach. 
Die Xovyufj ßijoi mögen aus Sudgambara 
gewesen sein, einer gleichfalls auf dem Gebiete 
des Gambar, südlich von der vorigen gelegenen 
Ansiedelung. Bei Dronke, Cod. dipl. Fuld., 
S. 338, wird zu Ende des 10. Jahrh, nebst 
dem Orte Uursiua, jetzt Morschen, ein praedium 
Scamberaha genannt! Offenbar ist dies das 
spätere 8cembro, das jetzige Schemmern am 
Schemmerbach. 
Mit besonderer Theilnahme verfolgen wir das 
von Tacitus, Annal. Lib. XIII. cap. 55 und 56. 
in ergreifenden Worten erzählte Schicksal der 
Ansivarii. Bon den Ehauken aus ihren 
Wohnsitzen vertrieben, hoffen sie, auf römischem 
Gebiete fick) niederlassen zu können, werden aber 
zurückgewiesen, die Brukterer, Tenkterer und 
andere Landsleute greifen für sic ;u den Waffen, 
um ihnen eine neue Heimath zu erzwingen, 
lassen sie aber bald, aus Furcht vor den Römern, 
im Stich. Nun bleibt ihnen nichts übrig, als 
in der alten Heimath nochmals ihr Heil zu ver 
suchen, und es zieht Ansivariorum gens retro, 
ad Usipios et Tubantes, quorum terris exacti, 
cum Cattos, dein Cheruscos petissent, errore 
longo, hospites, egeni, hostes, in alieno, quod 
juventutis erat, caeduntur, imbellis aetas in 
praedam divisaest. Benannt sind die Ansivarii 
Ansibarii, Anipsivarii, von Ansivara, 
Ansibara oder Ampsivara. Mit dem Namen ihres 
Häuptlings vergleiche man die Personennamen 
Anzo, Ansa, Amzo, Amesa bei Dronke, Pieper u. a. 
Ahd. bar, par, angels. faer, alts. bär, nudus, 
vacuus, inanis, bedeutet in Ortsnamen, wie 
Buck. „Oberdeutsches Flurnamenbuch", bemerkt, 
Wäldblöße. abgetriebener Wald. Nach Arnold, 
„Ansiedelungen", S. 204, hat das Wort au auch 
manchmal die Bedeutung von Lichtung. Wald 
blöße. Das Wort lar in Ortsnamen wird wohl 
ursprünglich das nämliche bedeutet haben. Im 
Urkundenbuch von St. Gallen kommen die durch 
Zusammensetzung von Personennamen und para 
entstandenen Ortsnamen vor: Adelhartespara 
Folcholtespara, Pertoldespara u. st. Ampsivara 
heißtalsoursprünglichdievonAmpisovorgenommene 
Rodung im Urwald, und dann die dort angelegte 
Behausung. Die Vermuthung liegt sehr nahe, 
daß Anzefahr bei Kirchhain, im Jahre 1282 
Anzenvar, die Erinnerung an jenes Urdorf noch 
bewahre. Uebrigens sind die Ansivarii auf ihrem 
unglücklichen Wanderzuge nicht untergegangen, 
sie haben den Römern noch manchmal zu schaffen 
gemacht. 
Die Kuoovüqoi haben nach der Ansicht des 
tüchtigen Tacituskenners Wormstall im Westen 
der Oberweser gewohnt. Man wird nicht fehl 
gehen, wenn man die Kasvara an der unteren 
Fulda sucht. Wenn Kaso, wahrscheinlich ein 
Gaufürst, in dieser Lichtung, an hervorragender 
Stelle, ein Herrenhaus, ahd. sal, altsächsisch seli, 
sich erbaute, welches auch die Residenz seiner 
Nachfolger wurde, so paßte der Name Kas-vara 
nicht mehr, man wird statt dessen Kas-sala 
gesagt haben, ähnlich dem Ortsnamen Bruochsale 
(Worms. Urkb.) und den späteren Bezeichnungen 
Almundeshusa, Theotricheshus, Calisburg. 
Kassala könnte derselbe Ort sein, welcher im 
Jahre 913 Chassala und Chassella und im 
Jahre 1008 Kassella und Kassala heißt. 
(Fortsetzung folgt.)
	        

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