Full text: Hessenland (5.1891)

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Aehnlich sind die neckenden Antworten auf die 
Frage nach der Wohnung: 
101) Drei Treppen hoch im Kellerloch! 
oder auf die Frage nach der Tageszeit: 
102) 3 / 4 aus kahle Erwesen! 
d. h. kalte Erbsen, wie auch der Straßburger 
Spruch lautet: Wie viel Uhr isch's? Dreiviertel I 
auf kaldi Erbse, Wenn's druf kummt, se schlat's. j 
Sonst könnte kahle wohl auch ein verhärtetes! 
gale — gelbe sein, wie ein altes Fuldaer I 
Gedicht (Hessenland 1890, S. 11), an dem sich : 
einstmals in Paris zwei Fuldaer als Lands- ! 
leute erkannt haben, beginnt: Zom Zilljes > 
(— Sülze) gale Erbes Mit Hutzelbröh ge- I 
schmälzt. — Noch größer ist die Freude der 
bösen Straßenjugend, wenn cs gelingt, einen 
Dummen selbst zu einer Antwort zu bringen, 
die ihn bloß stellt und lächerlich macht, z. 23. 
103) A. Ich ging mal in den Wald. B. Ich auch. 
Da kam ich an ein Hans. Ich auch. 
Da guckte 3ie alte Frau raus. Ich auch. 
Die hatte ein Drot. Ich auch. 
Hutter und Käse daraus. Ich auch. 
Der Käse stank. Ich . .. 
Fällt der Gefragte 'rein, so laufen die andern 
Kinder mit lautem Puh! von dannen und lassen 
den Aermsten allein. Bei Mülhausen im Elsaß 
haben die Kinder einen ähnlichen Scherz: Ich bi 
in Wald gange. „Ich o." Ich bi zu 'm e Baum 
g'ku! „Ich o." Ich ha 'm umg'haue. „Ich o." Ich 
ha-n-e Seidrogh drüs g'macht. „Ich o." D'Sei 
hän drüs gfresse. „Ich o." Etwas feinere, doch 
ebenso wirkungsvoll mit den nöthigen Geberden 
abschließende Scherze sind: 
104) A. Gestern ging ich in die — B. (den A kneist) Au! 
oder 
103) A. Ich kam an einen Leich. B. Wie? 
Da sah ich Krebse. Wie? 
Da fing ich fie mir. Wie? 
Die Krebse knippten. Wie? A. So! 
wobei A den dummen Frager kneift. 
oder 
106) A. Ich ging mal bei der Wache vorbei. B. Wie? 
Da stand ein Posten. Wie? 
Der schulterte das Gewehr. Wie? 
Er rief die Wache raus. Wie? 
Der Trommler trommelte. Wie? 
So! sagt dann A und trommelt den Frager 
mit beiden Händen auf den Rücken. 
Immer ist es die unbändige Freude am Besser 
wissen, die diesen Scherzen ihren Reiz für die 
Kinder bewahrt, wo unsereins nur noch erhaben 
lächelt. Wer dann 'reingefallen ist, lauert nun 
bloß auf die Gelegenheit, einen andern ebenso 
Dummen zu finden. 
(Fortsetzung folgt.) 
«-S-8-!— 
Wessmlanöes Urbewohner 
Von P. Noll. 
Die interessante Frage, woher die den kriegs 
geübten Römern Jahrhunderte hindurch imponiren- 
den germanischen Völker der Cannifaten, 
Gambrivier,Sugambrer, Usipeter, Ansi- 
varier u. a. stammten, und wie deren Namen 
zu deuten seien, hat schon oft die Forscher be 
schäftigt, eine befriedigende Lösung aber noch 
nicht gefunden. Eine solche bietet freilich Schwierig 
keiten. Mir scheint aber, dieselben werden 
großentheils gehoben, wenn man bei der Namen 
deutung von einem anderen Gesichtspunkt ausgeht. 
Ich glaube, daß. jene Völker nach ihrem 
Haupt orte, nach dem Sitze des Gau fürsten, 
benannt waren. 
Diese Orte behielten ihre Namen auch nach 
der Auswanderung der Bewohner, zumal wenn 
ein Theil derselben zurückblieb. So läßt es sich 
erklären, daß der nämliche Volksname, z. B. 
Chamavi, Chauci, am Rheine und auch an der 
Weser sich findet. 
Die folgenden Ausführungen wollen zu weiteren 
Forschungen anregen. Sie haben, da die An 
nahme sich bestätigen wird, daß die ursprüng 
lichen Wohnsitze jener berühmten Völker der 
germanischen Urzeit auf hessischem Boden gelegeil 
haben, für die Hessen ein besonderes Interesse. 
Wie die von Caesar, äs bell. Fall., genannten 
Atuatuci aus Atuatuca, die Tolosates aus 
Tolosa, wie die Ovicßovqyiot, des Ptolemäus aus 
Oviaßovqyior, so stammten die 6annikates 
(nach Müllenhoff's Leseart in seiner Ausgabe 
der ,6lsrmania"), auch Canafates, Cannanes 
fates, Cannenafates, Canninefate- 
(nach R. Schröder's Zusammenstellung in Sybel's 
histor. Zeitschrift, N. F- 7 Bd.) genannt, aus 
einer Ansiedelung an der Lannika, einem Bache, 
woran der Wohnsitz des Canno lag. Nach Arnold, 
„Ansiedelungen und Wanderungen deutscher 
Stämme", S. 93, bedeutet altsächsisch apa, 
latein. aqua, goth. ahva, fränk. afa, apha, um 
lautend efa, ifa, ofa und ufa soviel als Bach. 
Man vergleiche die Bach- bezw. Ortsnamen: 
Vanaplia, Vansla, jetzt Ülsnnsk, Ulmets, jetzt 
Honnef, Ascafa, Herafa, Herifa, Hurnipha,
	        

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