Full text: Hessenland (5.1891)

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aber mit Uns selbst darüber nicht einig werden, 
noch etwas gewisses urtheilen; Er kan aber 
sagen, daß Er immer ein sehr schon und artiges 
Stück daran besitzet*). Ich habe es mit aller 
Sorgsalt gepacket und ohne mindeste Versehrung 
wieder zurückgehen lassen, will also nicht zweyffeln, 
daß cs ebenso überkommen wird, und bedanke 
mich indessen vor die durch dessen Ncberseudung 
erwiesene Gefälligkeit. 
Uebrigens hoffe, daß Ihn sein mir versichern 
des Verlangen endlich hierher treiben wird, und 
wir scufftzen alle nach seiner baldigen Ankunfft. 
Ich weiß, daß Er ein großer Liebhaber der 
Schnepffenjagd ist, welche nunmehr vor der 
Thür; wann Ihm aber auch dieser Zeitvertreib 
nicht anstehet, so soll Er inzwischen unter 
meinen Schildereyen die Suche und revue 
halten. 
Ich rechne darauf Ihn bald zu sehen und 
verbleibe inmittclst ein mahl wie allezeit rc. 
Höckels Antwort verdient, als für seine Sinnes 
art charakteristisch, gleichfalls eine vollständige 
Mittheilung, obschon die Gemähldeangelegenhcit 
darin nur sehr nebensächlich behandelt ist; sie 
lautete: 
Durchlauchtigster Fürst, 
Gnädigster Fürst und Herr. 
Daß Ew. Hochfürstl. Durchl. der Gonzales 
gesält, freuet mich von Hertzen, er kostet 30 Thaler, 
und ist, wie ich, Ew. Hochfürstl. Durchl. zu 
Diensten. Was aber den Raphael betrifft, so 
halte selben zwar vor ein Original, glaube aber, 
daß vieles hineingemahlet ist. Der Gcheimdc 
Rath von Degenfelclt ist vorgestern bey mir 
gewest und wird heute wieder zurückreisen, ich 
wünschte, daß meine Umstünde erlaubten, mit 
ihm zu gehen; die Schneppen verführen mich 
nicht, aber wohl die Kirschvögeljagd. Der Chur 
fürst von Mahntz hat ein kostbahres Gastmahl 
hier gegeben, wozu ich auch eingeladen; ich habe 
mich erkundiget, was dieses prächtige Gastmahl 
zu bedeuten, und erhielt zur Antwort, daß es 
die Vereinigung der fünf Creiße beträfe, ich 
sagte, wenn es auf Fressen und Sausten ankämt, 
werden sie gewiß bald einig werden. Ich bin 
ctzliche Tage her mit einem Fluß befallen, 
welcher sehr beschwerlich ist, weist mir fast alle 
erwerbungen und außerdem daraus bedacht war, die 
Bilder möglichst günstig und schön zu placiren; er war 
selbst Dillettant in der Malerei, und zwar ein höchst 
mittelmäßiger, wie ein in der Löwenburg zu Wilhelmshöhe 
befindliches, von ihm gemaltes Iagdfiück erkennen läßt. 
*) Zu Neujahr 1750 verehrte Hackel das Bild dem 
Landgrafen, wie aus einem Briefe des letzteren vom 
3. Ja». 1750 hervorgeht. Es ist als Nr. 501 noch in 
der Galerie und hat sich als Kopie der h. Familie mit 
dem Lamm zu Madrid erwiesen. Im Verzeichniß von 
1783 findet es sich als 55 auf S. 204. 
Glieder, insonderheit der Rücken sehr wehe thun ; 
Gott erhalte Ew. Hochfürstl. Durchl. gesund, 
dieses wird mir die liebste Nachricht von Oassei 
sein. Ich werde gewiß keinen Augenblick ver 
säumen, sobald meine Umbstände erlauben, Ew. 
Hochfürstl. Durchl. mündlich zu versichern, wie 
ich mit tiefster Ehrfurcht bin 
Ew. Hochfürstl. Durchl. 
allergetreuester Knecht 
Frankfurt I. h. Frhr. v. Häckel. 
d. 27. Febr. 1748. 
Der Hr. Ziegler hat mir heutte zwölff 
Ducaten und einen großen Thaler geschickt, es 
hätte eben keine Eille gehabt. 
Durch diese Bezahlung *) war also der eine 
Gonzales definitiv in den Besitz des Landgrafen 
gelangt; er findet sich im Hauptinventar von 
1749 verzeichnet als: „Nr. 125. Gonzales, 
Giovanni Giaehinetti. Ein Mann und eine 
Frau in einem Zimmer, wovon letztere auf dem 
Clavecin spielt, auf Holtz in verguloem Rahmen; 
1 F. 4 Z. hoch; 1 F. 11 Z. breit" und gleich 
dabei der zweite als: „Nr. 136. Ein Mahler 
mit seiner famille auf Holtz in verguldem 
Rahmen; 1 F. 6 Z. hoch; 2 F. breit". 
Wilhelm VIII. hatte nach Empfang der beiden 
Gemählde Aenderungen im Arrangement seiner 
Sammlung durch den Geh. Rath von Donop 
vornehmen lassen und schrieb am 16. März an 
Häckel: „Die beiden Gonzales haben ihrem 
Rang und Würden gemäß gebührende Stelle 
schon erhalten". Im Causid'schen Gemüldever- 
zeichniß von 1783 sind die Bilder einem 
Bartholomäus Gonzales zugeschrieben, 
während das dritte, gleichfalls von Gonzales 
Cocx herrührende, welches der Landgraf im 
Jahr 1749 aus Holland erhalten hatte, dem 
I o h a n n I o a ch i m G o n z a l e s beigelegt ist.**) 
*) Nach den heutigen Anschauungen waren die eben 
genannte Summe, sowie auch die 80 Thlr. für den 
„Compagnon“ Spottpreise für die Gemälde, selbst mit 
Berücksichtigung ihres damaligen defekten Zustandes. 
Daß Häckel das erstere von ihnen als „theuer bezahlt" 
bezeichnen konnte, ist nur erklärlich durch die über den 
Maler herrschende Unklarheit; Wilhelm mußte, wie wir 
gleich angeben werden, bald danach ein anderes Bildchen 
vom selben Meister in Holland mit einer bedeutend 
höheren Summe bezahlen. 
**) Vgl. deshalb S. LI des Nachtrags zur Geschichte 
der Galerie im Eisenmannschen Katalog von 1888; es 
heißt in der daselbst mitgetheilten Quittung des Ver 
käufers vom 18. Nov. 1749: 
6en Geselschap van Gonzal met agt Beeiden 
waeronder den Schilder selfs so goet als A. van 
Dyck, hoog 1 voet 8 duyra, breet 2 voet 2 duym 
op kooper 550 ü. 
Im Katalog von 1783 ist dasselbe aufgeführt auf 
S. 212 als: 
88) Ein Familien-Stück, wobey ein Mohr mit der 
Magd sich unterredet. 
Auf Kupfer, 1 Fuß 8 Zoll hoch, 2 Fuß 2 Zoll breit.
	        

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