Full text: Hessenland (5.1891)

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und Assistent Liebig's, habilitirte sich 1845 als 
Docent der Chemie an der Universität Bonn, wurde 
wenige Jahre später Lehrer an der neuerrichteten 
chemischen Schule zu London, 1861 Präsident der 
Londoner chemischen Gesellschaft und folgte 1863 
einem Rufe an die Universität Berlin als Nachfolger 
Mitscherlich's. Geheimer Rath A. W. von Hoffmaun 
zählt zu den bedeutendsten Chemikern unserer Zeit. 
Sein Hauptfeld ist die organische Chemie. Von der 
großen Anzahl seiner hervorragenden Leistungen haben 
seine Studien Uber die Anilinfarbstofse die größte 
Bedeutung gewonnen. Nicht minder hoch zu schätzen 
sind seine Einleitung in die moderne Chemie und 
seine historische Arbeiten sowie die pietätvollen Denk 
reden, welche er vorausgegangenen Freunden wie 
Graham, Wähler, Liebig, Gustav Magnus, Dumas, 
Quintino Sclla re. gewidmet hat. 
Universitätsnachrichten. An Stelle des 
nach Berlin berufenen Professors Di*. Rubner ist 
dem Professor Dr. Friedrich Löffler der Lehr 
stuhl für Hygiene an der Universität Marburg 
übertragen worden. — Der Privatdocent Dr. Lothar 
H e f f 1 er in Gießen ist zum außerordentlichen 
Professor für Mathematik ernannt worden. 
Todesfälle. Am 1. August verschied zu Kassel 
im fast vollendeten 72. Lebensjahre der Ober- und 
Geheime Regicrungsrath a. D. Franz Ludwig 
Mittler, ein ebenso befähigter wie kenntniß- 
reicher Beamter, der sich eines ausgezeichneten Rufes 
in der Gelehrtenwclt als Germanist, insbesondere als 
Kenner des deutschen Volksliedes erfreute. Die Frucht 
seiner umfassenden Studien ist seine berühmte Samm 
lung deutscher Volkslieder, die beste und werthvollste 
wohl, die wir besitzen. Geboren war Franz Ludwig 
Mittler am 3. August 1819 zu Kirchhain als Sohn 
des dortigen Papierfabrikanten Mittler. Er besuchte 
das Marburgcr Gymnasium unter Vilmar, der große 
Stücke ans ihn hielt und dem er auch die Anregung 
zu seinen germanistischen Studien verdankte. Von 
1837 bis 1841 studierte Mittler Rechts-und Staats 
wissenschaften auf der Landes-Universität Marburg, 
war nach vorzüglich bestandenem Staatsexamen 
Referendar am Obergerichte zu Kassel, wurde 1846 
zum Regierungs-Assessor daselbst ernannt und später 
in gleicher Eigenschaft an die Regierung in Hanau 
versetzt. Im Jahre 1850 wurde er als Referent 
in das Ministerium des Innern berufen, 1854 zum 
Regierungsrath und 1860 zum Geheimen Regierungs- 
rath befördert. Nach der Annexion von 1866 wurde 
er zunächst mit der Leitung der Abtheilung des 
Innern bei der königl. preußischen Administration be 
auftragt und im folgenden Jahre als Ober-Regierungs- 
rath zum Dirigenten der Abtheilung für Kirchen 
und Schulsachen ernannt. In dieser Stellung ver 
blieb er in hervorragender Thätigkeit bis zum Jahre 
1886, in welchem er auf seinen Wunsch in den Ruhe 
stand versetzt wurde. Der Gymnasial-Oberlehrer a. D., 
Pfarrer G. Th. Dithmar in Marburg hat dem 
Verblichenen einen warmen poetischen Nachruf ge- 
! widmet, welchen die ,Oberhessische Zeitung" in ihrer 
Nummer vom 7. August veröffentlichte. — Nach 
langem Leiden starb am 10. d. M. zn Hamm in 
Westfalen H. I. Schmedes, Kgl. Senats-Präsident 
bei dem dortigen Oberlandesgericht. Heinrich Julius 
Schmedes wurde 1827 zu Homberg an der Nefze 
geboren. Er absolvirte zu Ostern 1847 das Gym- 
nasiunl in Fulda, wo sein Vater, früher Hauptmann 
in hannoverschen Diensten, die Stelle der Syndikus 
des freiadeligen Damenstiftes Wallenstein bekleidete. 
Nachdem H. I. Schmedes seine juristischen Studien 
in Marburg und Berlin beendet, trat er als Ober- 
gerichts-Neferendar in Fulda in den kurhessischen 
Staatsdienst, daselbst brachte er die Jahre seines Vor 
bereitungsdienstes zu, bis er im Jahre 1857 in 
Hanau als Assessor angestellt wurde. Hier verblieb 
er in verschiedenen Dienststellungen, bis er im Jahre 
1873 als Oberlandcsgerichtsrath nach Posen versetzt 
wurde. Nachdem er daselbst einige Jahre zugebracht, 
kam er in gleicher Stellung an das Oberlandcsgericht 
nach Nauluburg a. S. und von hier ans als 
Senatspräsident im Jahre 1666 nach Hamm. Mit 
dem Verblichenen ist wieder einer der hervorragendsten 
alten hessischen Juristen aus dem Leben geschieden, 
der seine ausgezeichneten Gaben des Geistes mit denen 
des Herzens zu einem harmonischen Ganzen stets zu 
verbinden wußte. (Hanauer Ztg.) 
Hessische Sücherschau. 
Aus dre iuud fü nfzi g Dienstjahren. Er- 
inncriliigcn von vr. Gottfried Stichling, 
weimarischein Staatsminister. Weimar, Hermann 
Böhlau, I89l. 
Diese Schrift des wenige Wochen nach ihrem 
Erscheinen tut Alter von 77 Jahren verstorbenen 
Staatsministcrs G. Th. Stichling, eines Enkels von 
Johann Gottfried Herder, hat für uns Hessen schon 
um deswillen Interesse, als in derselben der wenig 
bekannt gewordenen Verhandlungen gedacht wird, 
welche der Verfasser, als Vertreter der großherzog 
lich sächsischen Regierung, mit der kurhessischen Re 
gierung und dem Bisthum Fulda, zu dessen Diöcesc 
das Großhcrzogthum Sachsen-Weimar gehört, über 
kirchliche Vermögensverhältnisse in den 50er Jahren 
zu führen hatte. Dieselben betrafen die nach erfolgter 
Dreithcilung des ehemaligen Fürstenthums Fulda 
im Jahre 1815 in Beschlag genommenen inlän 
dischen Fonds fuldaischer Stiftungen, von denen 
Weimar, welchem ein Theil des Landes zugefallen 
war, eine entsprechende Quote für sich in Anspruch 
nahm. ' Hierüber waren bereits von 1815 bis 1851 
vergeblich schriftliche und mündliche Verhandlungen
	        

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