Full text: Hessenland (5.1891)

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werden wir in einer späteren Nummer unserer Zeit 
schrift zurückkommen. 
Nach der Sitzung im Rathhause und dem Früh 
schoppen im „Goldenen Engel- begann das Festessen 
inl Hotel Schmidtmann um 3 Uhr. Der Festsaal 
war mit einem großen hessischen Wappen, dessen 
rothweißen Löwen Herr Pfarrer Wisscman n-Kassel 
nachgehcnds verherrlichte, und dem Frankcnbergischen 
Löwen geschmückt. Der Vorsitzende, Major 
von Stamford brachte den Kaisertoast aus. 
Dr. Ackermann-Hanau dankte der Stadt Franken 
berg und Herr Landrath Niesch namens der letzteren 
dem Verein. Darauf brachte Se. Exzellenz Ober 
hosmarschall von Dalwigk aus Oldenburg, welcher 
nebst zwei Söhnen, dem Landrath von D. zu 
Hünfeld und dem Lieutenant von D. aus Hildesheim, 
von seinem Gute Camps aus die Versammlung mit 
ihrem Besuche beehrt hatte, einen Toast aus die 
beiden Redner des Tages, Pfarrer Heldmann- 
Michelbach und Prof. Dr. Schröder-Marburg 
aus, beide statteten ihren Dank ab, ersterer durch 
einen Toast auf die ihnr seit siebzehn Jahren be 
freundete Familie von Dalwigk, die auch dem Vorstand 
zu Kassel nahe auf dem Leibe sitze als Patron der 
besten hessischen Pfründe Kirchditmold und jetzt noch die 
einzige blühende waldeckische Adelsfamilie sei, und 
wünschte derselben ein ferneres vivat, floreat, crescat. 
Professor Schröder dagegen gedachte in schwungvollen 
Worten des hochverdienten Festausschusses. Herr 
Pfarrer W i s s e m a n n trug noch ein vor drei Jahren 
auf der Versammlung zu Gelnhausen mit großem 
Beifall aufgenommenes Gedicht „An's Hessenland- 
auf's Neue vor, deffeu Verfasicr, Amtsrichter Dr. T ü r k 
zu Battenberg, ein geborener Westfale, der Ver 
sammlung beiwohnte. Nach dem Festmahle begaben 
sich viele Mitglieder zur Rückreise zur Bahn, die 
Zurückbleibenden unter Musikbegleitung zum Goßberg 
und begrüßten den alten Aktuar a. D. Brell, der 
allseitig als ein Freund und Kenner hessischer Ge 
schichte bekannt ist, beim Vorbeizug an seinem Hause 
mit freundlicher Ovation. Am Abend versammelten 
sich Vereinsmitglieder und viele einheimische Herren 
und Damen im „Goldenen Engel-, wo unter launigen 
Ansprachen die Zeit schnell verlief. 
Am 31. Juli machten die Festgäste in vier Chaisen 
und zwei Leiterwagen einen Ausflug nach Hessen 
stein, wo unter Führung eines dortigen Försters 
dieses 1347 erbaute Schloß, sowie die nahe „alte 
Burg", welche einen Blick auf den Keseberg mit 
seinen Trümmern gewährt, besichtigt und dann die 
Fahrt über die 1882 erbaute große Edderbrücke durch 
Bringhausen und das Orkethal nach Niederorke und 
nach eingenommenem Frühstück bei F. Prinz, unter 
Aufgabe des Besuchs des Schlosses Reckenberg wegen 
der regnerischen Witterung, über Sachsenberg nach dem 
waldeckischen Dalwigksthal fortgesetzt wurde. Dort 
wurde zunächst das vormalige corveyische Schloß 
Lichtenfels besichtigt, dessen Besitzer Baron 
Franz von Dalwigk bereitwilligst die in den 
letzten Jahren wesentlich renovirten Räume, nament 
lich ein Zimmer mit einem Altare zeigte, dessen 
Ahnenwappen und die sonstigen Merkwürdigkeiten des 
Schlosses, unter dessen Linde sich ein Vehmgericht in 
der Vorzeit befand, sowie des im Thale gelegenen, 
längst verschwundenen Hauses Huxol, eines von 
Dorfeldischen Rittersitzes, Pfarrer Heldmann kurz 
erklärte. Nachdem noch die Gäste den fünfzig Meter 
Liefen Schloßbrunnen besichtigt, sich an der herrlichen 
Fernsicht auf das in majestätischer Ruhe vorgelagerte 
sauerländische Gebirge mit dem Schloß- und Boller 
berge bei Medebach und dem vom Schloßherrn ge 
reichten Trünke gelabt, nahm man den Abstieg 
über den Hof Sand nach dem Emde'schen Gasthause zum 
Mittagscssen, dem wiederum der Obcrhofmarschall 
von Dalwigk, Exzellenz, beiwohnte. Letzterer zeigte 
den Gästen noch die Kirche mit ihren von Landrath 
von Dalwigk letzthin renovirten zahlreichen Ahnen 
wappen, darunter auch viele hessische von Winter, 
Rau, Dersch rc. Die Kirche hat zu Seiten des 
Altars zwei Grabgrüfte, welche jedoch nicht geöffnet 
waren; in der zur Rechten ruhen die Glieder der 
saudischen katholischen Linie, in der zur Linken die 
der campfischen lutherischen Linie, darunter der 1880 
verstorbene darmstädtische Minister von Dalwigk. 
Nachdem noch Major von Stamford ein fröhliches 
Wiedersehen in Eschwege und Metropolitan Wessel 
Liebe und Freundschaft den Gästen gewünscht, schied 
man von einem Orte, der insofern glücklich gewählt 
war, weil kaum einer der Gäste denselben je vorher 
gesehen, noch später zu besuchen Anlaß haben wird. 
Auf der Rückfahrt um 3 Uhr bot sich der Anblick 
der nach dem vorjährigen Brande neu aufgebauten 
Stadt Sachsenberg mit ihren neuen Straßen dar. 
Um 6 Uhr führte der Dampfwagen die zahlreichen 
Besucher wieder der Heimath zu. Sie werden des 
dort Gehörten und besonders der Gastfreiheit der 
Frankenbcrger freudig gedenken. 
Jubiläum. Am 9. August feierte zu Berlin 
der berühmte Chemiker Geheimer Rath Professor 
Dr. August Wilhelm von Hoffmann sein 
fünfzigjähriges Doktor-Jubiläum. Reiche Ehrungen 
wurdem dem Jubilare seitens des königlichen Hauses, 
der Akademie der Wissenschaften, seiner Kollegen und 
Zuhörer zu Theil. Im Aufträge des Kaisers über 
reichte ihm der Kultusminister Graf von Zedlitz 
den Stern zum Kronenorden 2. Klasse mit der 
Zahl 50. Die Kaiserin ließ durch den Kammerherrn 
v. d. Knesebeck telegraphisch dem Gefeierten zu dem 
„Gedenktage einer ehrenvollen und von Erfolg ge 
krönten Laufbahn" ihre besten Glückwünsche über 
senden. August Wilhelm von Hoffmann ist am 
8. April 1818 zu Gießen geboren, er war Schüler
	        

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