Full text: Hessenland (5.1891)

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könnt Ihr nur so reden?" entgcgnete Friedrich. 
„Wie könnt Ihr, eine Freiin aus einem der 
edelsten Geschlechter, Euch nur gleich stellen 
wollen mit den Nachkommen von Schnabelnas 
und Vogelscheuche? Seid Ihr so gar demüthig, 
daß Ihr Alles von den Leuten dahin nehmen 
wollt, die dazu geschaffen sind, uns zu dienen 
und zu gehorchen?" «Als in jener Schreckens 
nacht", sagte Dame Mathilde, „die stolze statt 
liche Burg über unsern Häuptern, von der Hand 
der Bürger angezündet, emporloderte und mein 
ritterlicher Vater wehrlos sich in der Gewalt 
der von ihm Geknechteten befand, da ward es 
mir klar, daß hier auf Erden das Recht in der 
Macht liegt und Bürger und Bauer ebenso gut 
die Kraft in sich hat, zu herrschen, wie der 
Adaling. „Diese Kraft aber soll ihm gebrochen 
werden, dem Bürger und Bauer!" rief sich hoch 
ausrichtend mit wildem Lachen Herr Friedrich. 
„Das ist der Zweck der alten Minne, und morgen 
schon sollen die Frankenberger störrigen Schafe 
die Fänge des Adlers in ihrer Wolle verspüren! 
Haha! Die Wollenweber — ich will sie zausen!" 
„Sagt Euch los von der alten Minne, ich bitte, 
ich beschwöre Euch!" flehte Dame Mathilde, 
„Es ist mir schrecklich, Euch im Bunde mit den 
Menschenbedrückern zu wissen!" — Aber „Nun 
und nimmer laß' ich von der alten Minne!" 
rief Friedrich und eilte seiner Mutter entgegen, 
die in den Buchengang eingetreten war, sie zu 
Mathilde geleitend, die recht traurig vor sich 
hin blickte, denn die alte Minne lag plötzlich 
wie ein düsterer Schatten auf ihrem jugend 
srischen Leben. — 
Am Abend, als der lichte Lenzmond durch 
die alten Buchen äugelte und die moosbewachsenen 
Mauern der Battenburg in silbernem Glanze 
schimmern ließ und Dame Mathilde in ihrer 
Kemnate, das Haar sich lösend, saß, da schallte 
eine Männerstimme leise zu ihr empor und sie 
vernahm die Worte: 
»Herr Frühling, sei willkommen 
In deinem lust'gcn Kleid, 
Die Mägdlein,' liebentglominen, 
Slchn zuin Empfang bereit! 
Es spendet dir manch' Süße 
Gar sehnsuchtsvolle Grüße, 
Manch' wonnigliche Magd 
Nun nimmer klagt! 
Es lockt mit süßem Schalle 
Die Drossel und der Fink, 
Die bunten Blumen alle 
Sie harr'n auf deinen Wink. 
Gleichwie die Knospen springen, 
Ten Reihen woll'n wir schlingen. 
Manch' wonnigliches Kind 
Den Liebsten find't! 
Die Nächte, lind und laue, 
Herr Frühling, sind dein Preis, 
Und manche schöne Franc 
Ein Liedlein davon weiß. 
Es glänzt auf Flur und Haine 
Der Mond mit lichtem Scheine, — 
Manch' wonniglicher Mund 
Wird minnewund!* 
Es war Herr Friedrich, der also sang, und 
Dame Mathilde lauschte dem Lied mit geneigtem 
Köpfe gar andächtig, als die milden Klänge 
aber in der Mondscheinuacht verweht waren, 
da preßte sie die schloweißen Häudlein auf die 
Brust und seufzte tief: „Ach, ach, wenn nur die 
böse alte Minne nicht wäre!" 
<Fortsetzung folgt.) 
Aber»ddamnrer«ng. 
Leise zittern Blatt und Blüthenstengel, 
Nieder schwebt der Dämm'rung milder Schein; 
Gleichend einem schwermuthsvollen Engel, 
Zieht der Abend über Flur und Hain. 
Flötend klagt im blüthenreichen Flieder 
Philomele all ihr tiefes Leid, 
Und der Grillen monotone Lieder 
Geben ihr hierzu noch das Geleit. 
Fern im West der Abendsonne Eluthen 
Blicken zuckend in den tiefen See, 
Wie ein armes Herz, das am Verbluten 
Um der Liebe willen heißes Weh. 
Einst, wenn mich bei meines Lebens Ende 
So ein Abend bringt zur stillen Ruh, — 
Die ich nie gehabt und niemals fände, — 
Dann mein letztes Denken wärst nur Du! 
tzark Weöer. 
Uertässe.') 
(Schwälmer Mundart.) 
Bos hon ich da mengem Häzliebche^) gebot) ? 
Es get jo verewer b) ö zückt mich net o. 
Verdeppelt! *) Es zückt noch der ahneren Seit'. 
Bos sang ich nü o. Ehr Himmel, ehr Leiht!
	        

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