Full text: Hessenland (5.1891)

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Mittheilungen aus dem Briefwechsel des Uanögrafen 
Wilhelm VIII. mit öem Waran Häckeh 
betr. Gemäldeerwerbungen für die Kasseler Galerie. 
(Schluß.) 
Die hierauf erfolgte Antwort des Land 
grafen (v. 10. Febr.) lautet: 
Ich habe dessen beyde Schreiben von 3. und 
6. dieses sowohl, als das übersandte Gemählde 
von Raphael und dem Kupfser davon gantz wohl 
erhalten. Das Stück ist hübsch und artig. Ich 
vermag ebensowenig, als der Freese noch zu 
bestimmen, ob selbiges nach dem Kupfser oder 
dieses nach jenem gemacht oder keines von beyden 
sehe. Im gantzen komt es mit einander über 
ein ; doch finden sich im kleinen, wann man es 
durchgehet, bei dem Kupfser viele Dinge, so nicht 
in dem Gemählde sind und in diesem gegen- 
thcils Verschiedenes, so man im Kupfser nicht 
antrifft. Jnmittelst werde cs noch genauer 
examiuireu, und sodan beydes auf mein Risico 
wieder zurücksenden. 
Der Gonzales ist und bleibt ein schönes Stück, 
ob mir gleich der Author, vor wie nach equivoque 
scheinet. Ich habe diesfals eine Vermuthung, 
worin mir Freese Beyfall giebt, und die sehr 
wahrscheinlich ist, welche Ich aber verspahre, bis 
Ihn mündlich darüber spreche. Ich glaube Ihn 
aber fest überführen zu können, daß es von 
einem andern Meister sehe.*) Von Gonzales 
habe meines Erinnerns sonst nie etwas gesehen; 
weiß mich auch nicht zu besinnen, daß Er schon 
eine piece von ihm hat, welches mir vielleicht 
wieder einfüllet, wann Ich einige Beschreibung 
davon höre. Jnmittelst geschiehet mir ein groß 
plaisir durch Ueberlassung dieses Stücks und Ich 
nehme solches mit vielem Dank an, wann Er 
mir den Preiß davon melden will. Die Ge 
mählde von Safftleben sind mir bekannt * *); 
*> Es ist zu bedauern, daß der Landgraf seine An 
sicht über den Autor nicht brieflich mittheilt. Sicherlich war 
er und l'reese darüber außer Zweifel, daß das Bild von 
einem Niederländer herrühren müsse. Im Hauptinventar 
von 1749, ist es nichtsdestoweniger noch dem Giov. 
Giaehinetti Gonzales beigelegt. 
**) Hacket hatte in seinem letzten Schreiben den Land 
grafen auf diese Bilder aufmerksam gemacht und sich 
erboten, sie zur Ansicht zu schicken. 
Ich finde sie überall zu theuer im Preiß und 
will deswegen lieber damit anstehen. 
Auf seine Ankunfft rechne nunmehr des nächsten 
ohne weitere Bürgen, auf seine parole; und ich 
bin der einige nicht, der darauf wartet, sondern 
wir verlangen alle den lieben Küchel wieder 
bey uns zu sehen. Bis dahin beharre inzwischen 
aus die alte inaniere und aufrichtigst rc. 
Die nächsten Briefe Häckels bieten für unsern 
Zweck nichts als die Nachricht, daß der 
überschickte Gonzales 12 Species Ducaten und 
einen Siebenkopfstückthalcr für den Unterhändler 
gekostet habe und daß der andere zur Ver 
gleichung nach Kassel gesandt sei, und zwar 
„wäre er gewiß, wann er nicht an einem ge 
doppelten Bruch curiret, auch nicht zu ver 
achten." 
Der Landgraf erwiederte hierauf am 24. Febr. 
Folgendes: 
Seine beyde Schreiben vom 13. und 15. dieses 
habe benebst dem anderen Stück von Gonzales 
wohl erhalten. Ich habe mich gantz und gar 
nicht mehr erinnert, selbiges bey Ihm gesehen 
zu haben. Es ist aber sehr artig und ohne den 
mindesten Zweiffell von einem Meister mit dem 
ersteren, ob es schon nicht allen dings so gut. 
als dieses gemacht ist*). Es ist nun die Frage, 
ob dieser Gompa^non von jenem getrennt werden 
soll, und mein lieber Hilckel würde mir gewiß 
eine neue Gefälligkeit thun, wann Er mir dieses 
letztere mit dabei überlassen, und deswegen sagen 
wollte, wovor er es zu verlassen gedächte. Ich 
werde suchen, wie solches erwiedern und Ihm 
gegenseitig mit etwas plaisir machen kann. 
Den Raphael Habe mit dem General Konop **) 
und Freese noch weiter exaininirt; Wir können 
*) Da dieser zweite Gonzales (jetzt Nr. 143 des 
Katalogs) vom Maler nicht bezeichnet ist, so konnten 
Zweifel obwalten, ob auch demselben Autor das Bild 
zugeschrieben werden dürfe. 
**) Der Generallieutnant und Geheime Rath Moritz 
von Donop gehörte auch zu de» kunstverständigen 
Freunden des Landgrafen; er wird von ihm öfter 
„Director der Augenlust" genannt, weil er bei Neu-
	        

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