Full text: Hessenland (5.1891)

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mit mir in das Gewölb. Zu dem allgemeinen 
Weltenbrand und Getümmel paßt nun ganz gut 
das ohne Zweifel recht spät angefügte Stück von 
den Franzosen, die Danzig erobert haben (vgl. 
W. Lynker's lustige Erzählung von 1807: Danzig 
ist über), aber aus der brennenden Stadt heim 
laufen, ohne Strümps und Schuh; schwebt da 
vielleicht Moskau vor? Dies große Gottesgericht 
iu Rußland giebt die kindliche Weise also 
wieder: 
39) 1, 2. 3. 4, 5. 6. 7 
Wo lind die Franzosen geblieben? 
Zu Moskau in dem tiefen Schnee, 
Pa riefen sie: o weh, o weh! 
Als theure Andenken gab „der Schelmfranzos', der 
uns die besten Hühner stahl", unsrer Kinderwelt 
einige Kauderwelschreime: 
40) png, drong, dreoka 
Lembo lembo feoka 
Seoka di tschipperie 
Tschipperie die Kohlebri 
png, drong, dreoka. 
Die erste und letzte Zeile bedeuten un, deux, 
trow. Das übrige Kinder-Kauderwelsch ist dunkel, 
klingt aber wie schlechtes Französisch, etwa: 
I'un benu o'eet au ca8 de chiperie, quoi le 
prix? — Madame Pompadour scheint sich zu 
verstecken in: 
41) Eenede meenede mickede mo mC 
Awede bawede bombardo - e£ 
Ecks drecks Loch! 
Ecks drecks erinnert,an den Ausdruck des Ab 
scheus: „Ecks bebe, hast Dreck im Mund". 
Anklänge an französisch galle (— Gallapfel) und 
eeparcette, an tiraillement, an tunte, voulesc- 
vous hört man noch aus folgenden Zählreimen 
heraus: 
42) Eene meene mieno (wiedo) 
Galleredde sieno (siedo) 
GaUeredde ispusedde (uspascdde) 
Ispusedde gaUerrdde 
Eene meene mieno (wiedo). 
43) Enter tenter tiramenter 
Enter tenter weg! 
44) phne dohne dante rohne 
Itta fitta sutt. 
Beini Ballspielen sagen die Kinder, indem sie die 
aus dem Reime hervorgehenden Bewegungen aus 
führen, den Zählreim: 
45) Ente, Studente, 
Wasche meine Hände, 
Trokne sie ab, 
Steck' sie in die Seite, 
pusi^wuUeweide, 
Puff Deutel aus! 
Die bloße Freude am Wortklang, am Spiel mit 
Reim und Stabreim, erfand wohl die 3 folgen 
den Zählsprüche: 
46) Eene meene ming mang 
Kling klang, 
Rse bufe packe dich 
Eier weier weg! 
Buse viell. — Katze, die an die Eier geschlichen ist. 
47) Eins zwei drei 
Rusche rasche rei 
Rusche rasche Plaudertasche 
Eins zwei drei. 
48) Etter Zeller 
Ziebel Zabel 
Rebbel Pebbet 
Knoll! 
Mädchennamen (Anna, Dide — Frieda, Bitchen — 
Lisbeth) verbirgt vielleicht der Spruch: 
49) Annchen pannchen 
pidchen padchen 
Eewerde beewer 
De pitchen de Patchen 
Eewerde beewerde du 
Ab bist du! 
Ein aus den ersten Blick nur Wortgeklingel 
bergender Zählreim erweist sich dem Prüfenden 
(vgl. Rochholz S. 126) als sinnvolles Zählen 
nach farbigen Bohnen: 
50) Eene meene 
Dunke — funke 
Rabe — schabe 
Dippe — dappe 
Kaiser Lappe 
Diele Puffe 
Aus! 
Die Zühlbohnen, funkelrote und rabenschwarze, 
werden in das Dippe — Dappe oder die Diele 
(alenian. Tille - kasselisch: Delle) geworfen, die 
gewinnende Buffbohne kommt zuerst heraus. Kaiser 
und Lappe (- Lump) deutet den Gegensatz an 
von Hoch und Niedrig, Sieg und Verlust. — 
Das Abzählen nach bunten Bohnen liegt wohl 
auch der Bohnenreise nach England zu Grunde: 
51) Eint kitint weiße Dohne 
Wollte einst nach EngeUand. 
EngeUand war zugeschlossen, 
Und der Schlüssel abgebrochen. 
1. 2. 3 
Und du bist frei. 
Ein Lied mit ähnlichem Schluß singt man an 
der rheinländischen Hessengrenze: Mädchen, mach' 
das Lädche zue! Kömmt ein schwarzer Haide-Bue. 
Nimmt Dich bei der linken Hand, Vüert Dich bis 
in's Hessenland. Hessenland ist zue geschlossen, 
Schlüssel ist darvon geflossen. 
52) Dhne Dohne dußt 
Rnd du mußt. 
An den mittelalterlichen Schmuck der Kleidersäume, 
die kleinen silbernen Schellen, dachte vielleicht einst 
der Spruch: 
53) Eckchen deckchen Sitbergtöckchen 
Eckchen deckchen aus!
	        

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