Full text: Hessenland (5.1891)

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geboren. Die Eltern waren der Pfarrer Johann 
Friedrich Soldan und dessen Ehegattin Margarethe 
Elisabeth, geb. Naumann. Ihre Jugendzeit verlebten 
beide in ihrem Geburtsorte. Im Sommer 1818 
bezogen die siebenzehnjährigen Jünglinge die Univer 
sität Marburg. Während sich Ludwig Soldan dem 
Studium der Theologie zuwandte, studierte Friedrich 
Soldan Rechtswissenschaft. Zu den Lehrern des letztern 
gehörte u. a. Professor Mackeldey, den er außerordent 
lich hoch schätzte und dem er die größte Verehrung 
bewahrt hat. Beide Brüder waren angesehene Mitglieder 
der Burschenschaft. Nach absolvirtem Triennium (im 
März 1821) unterzog sich Friedrich Soldan der 
juristischen Universitätsprüfung — von dem in Kassel 
abzulegenden Staatsexamen wurde er dispensirt — und 
wurde im Juli desselben Jahres als Rechtsanwalt bei den 
Justizämtern Treis a./Lda., Fronhausen, Caldern 
und Rcitzberg angestellt. Als das selbständige Justiz- 
amt Treis ein Jahr später als solches aufgehoben 
und als Assistenzamt dem Amte Fronhausen zugetheilt, 
wurde, siedelte er dahin über. 1625 wurde er Obcr- 
gerichtsanwalt in Marburg. 1627, kurz nach der 
Feier des 300jährigen Universitätsjubiläums trat er 
ip den direkten Staatsdienst ein und ging als Aktuar 
nach Neukirchen, in welcher Stellung er bis 1833 
verblieb. Als in diesem Jahre wieder das Justiz 
amt Treis a./Lda. zum selbständigen Amt erhoben 
worden, wurde er dahin zurückversetzt. 1848 ver 
tauschte er seinen Wirkungskreis mit dem Justizamt 
Borken und 4 Jahre später mit Zierenberg. Hier 
blieb er in angestrengter, rastloser Thätigkeit bis zum 
Jahre 1868; in diesem Jahre bat der nunmehr 
67jährige, der auf eine Dienstzeit von 47 Jahren 
zurückblickte, um seine Pensionirung, die ihm gewährt 
wurde. Seit dieser Zeit lebt Herr Soldan in Mar 
burg — geachtet und geliebt von denen, die ihn 
kennen, ein Deutscher von echtem Schrot- und Korn, 
ein Greis im Silberhaare, dessen Geist und Herz 
jung und frisch geblieben ist. Möge es ihm beschieden 
sein, noch recht lange in seinem jetzigen Wohlbefinden 
unter uns zu weilen! — Das Marburger Tageblatt, 
dem wir vorstehende Notiz entnommen haben, enthält 
in seiner Nummer vom 19. Juli ein wohlgelungenes 
Bild des verehrten Mannes, und in der ^Ober- 
hessischen Zeitung- widmet demselben sein alter, 
80jähriger Freund, der Gymnasial-Oberlehrer a. D. 
G. Th. Dithmar in Marburg, ein launiges Gra- 
tulationsgedicht, dessen Schlußvers wir wenigstens 
hier wiedergeben wollen, da zur Veröffentlichnng des 
ganzen Gedichtes uns leider der Raum mangelt: 
Wir bringen gute Wünsche Dir zu dem Ehrentag, 
Die Zugend möge schlagen in Tapferkeit Dir nach! 
Es möge immer blühen, wie Du, begabt mit Kraft, 
Zum großen Vaterlande die deutsche Burschenschaft! 
Gott gebe Dir das Beste, Gesundheit, frohen Sinn, 
Und so zieh in das Alter des Helden Moses hin, 
Der noch auf hohen Stufen von 120 Jahr 
Konnt' hohen Berg ersteigen, frisch wie ein Jüngling war.— 
Und in der That, am Tage seines Geburtsfestes 
bestieg der 90jährige Greis in voller Rüstigkeit den 
Spiegelslustthurm, und noch gar nicht lange ist es 
her, daß er täglich Spaziergänge von drei bis vier 
Stunden unternahm. — Auch wir bringen dem jugend 
lichen Greis, den wir wegen seiner vortrefflichen 
Charaktereigenschaften und seiner geistigen Vorzüge 
hoch schätzen, nachträglich noch unseren herzlichsten 
Glückwunsch dar. 
Die Juninnmmer der „Akademischen Monats 
hefte^, des in München erscheinenden Organs der 
deutschen Korpsstudenten, enthält einen eingehenderen 
Aufsatz über den Verfasser des Liedes „O alte 
Bursche »Herrlichkeit* aus der Feder des prak 
tischen Arztes und Kreiswundarztcs Dr. W. Brill 
in Eschwege, der selbst während seiner Studienzeit 
ein angesehener Korpsbursche der Marburger „Teu 
tonia- war. vr. Brill hat, wie bekannt, mit großen! 
Eifer, Verständnisse und Erfolge sich der Sache seines 
seligen Freundes und Kollegen, des Sanitätsrathes 
Dr. Eugen Höfling, gegen die Angriffe des Biblio 
thekars Dr. Erman in Berlin, eines alten Burschen 
schafters, angenommen und unwiderleglich nachgewiesen, 
daß Dr. Eugen Höfling der Dichter des herrlichen 
Liedes sei. Und mit voller Genugthuung kann er 
auf seine Thätigkeit zurückblicken, hat doch jetzt selbst 
ein Bundesbruder des Dr. Ermau, Dr. Dietz in 
Heidelberg, erklärt, daß Tausende von Burschenschaftern 
daran fest hielten, daß kein anderer als Dr. Eugen 
Höfling das Lied „O alte Burschenhcrrlichkeit- ver 
faßt habe.— Wir behalten, uns vor, auf den hoch 
interessanten Artikel des Herrn Dr. Brill zurück 
zukommen. 
Sammlern hessischer Münzen diene Folgendes zur 
Nachricht. Der bisher äußerst seltene vierte Band 
von Hoffmeister's historisch-kritischer Beschreibung 
aller hessischen Münzen, dem der dritte in zweiter 
Auflage vorgedruckt ist, wird von der Verlagshand 
lung von Karl Meyer (Gustav Prior) in Hannover 
bis zum 1. Oktober 1891 für 10 Mark (statt 30 Mark) 
angeboten. Die beiden ersten Bände waren vor 
einiger Zeit (vielleicht jetzt noch) bei T. O. Weigel 
in Leipzig ebenfalls für 10 Mark (statt 63 Mark) 
zu haben. 
Am 14., 15. und 16. August findet die dies 
jährige Hauptversammlung und das Stiftungsfest des 
N h ö n k l n b s im landgräflichen Schloßpark zu 
Fulda statt. Nach der soeben erschienenen Tages 
und Festordnung ist für den ersten Tag ein Herren-
	        

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