Full text: Hessenland (5.1891)

201 
8) Das ist der Daumen, 
Der schüttelt die Pflaumen, 
Der liest ste auf, 
Der trägt ste nach Haus, 
Kiiö der Meine — Kleine 
Mt ste ganz alleine 
oder: 
Rnd dieser kleine Spitzbube 
Fritzt ste alle aus. 
0) Der ist in's Nasser gefallen, 
Der hat ihn rausgeholt, 
Der hat ihn nbgctroknet, 
Der hat ihn in's Hett gelegt, 
Und das kleine Spitzbübchen 
Hat's dem Vater gesagt. 
Ein anderes Händespiel, wobei man auch zum ! 
Schluß das Kind kitzelt, ist: 
10) Da hast' en Dreier, 
Geh aus den Markt, 
Kauf dir 'ne Kuh, 
Kälbchen dazu, 
Gillegillegünschen. 
Kleine Schreier werden auf den Leib gelegt und 
auf die Fußsohlen oder das Rückcnende geklopft, 
zu dem Liedchen: 
1!) Es wollt' rin Schmied ein Pferd beschlagen. 
Wie viel Nägel mutz er haben? 
3 kurze und 3 lange! 
Da kam der Schmied gegangen 
Mit seiner Hümmerei: 
Sum! sum! sei! 
Das Pferdchen ist beschlagen. 
Aehnlich das, wenn man will, endlose Räthsel- 
liedchen, bei dem dann das Kind vergeblich die 
Anzahl der hinter seinem Rücken ausgestreckten 
Finger zu rathen sucht: 
12) Himmel — Himmel — Hindelstock, 
wieviel Hörner hat der Hock? 
wieviel Finger stehen? 
Hättest du die 3 genommen, 
wärst du glücklich vongekommrn. 
Die erste Zeile sucht im Spiel mit Reim und 
Stabreim nach der Anrede des stocksteif in seinem 
Bunde liegenden „Bündels". — Etwas ältere 
Kinder läßt die Mutter auf dem Tisch tanzcu 
und singt: 
13) Hopp Mariannchen, hopp Mariannchen! 
Latz das Püppchen tanzen 
Rnd märn es nicht mehr tanzen kann. 
So steck es in den Ranzen. 
Für die Jungen ist die größte Freude das 
Reiten aus des Vaters Knie zu einem erst lang 
sam, dann immer schneller gesungenen Reiter 
liedchen; den Schluß jedes Liedchens bildet ein 
Sprung in die Höhe, wobei des Kind abgesetzt 
wird. Die auch anderwärts sehr beliebten Lied 
chen lauten bei uns meist: 
14) Troß Trost Lrillchen, der Bauer hat ein Milche», 
Ein Füllchen hat der Hauer, das Leben wird ihm sauer, 
Sauer wird ihm sein Leben, der weinstock der trägt Reben, 
Reben trägt der Weinstock, der Müller hat 'en Ziegenbock, 
'en Ziegenbock hat der Müller, das Korn das steht im Ziller, 
Im Ziller steht das Korn, der Jäger bläst in's Horn, 
In's Horn bläst der Jäger, der Reiter hat 'en Degen, 
'en Degen hat der Reiter, die Kuh die hat ein Euter, 
Ein Euter hat die Kuh. aus Leder macht man Schuh, 
Schuh macht man aus Leder, die Gans die hat 'ne Feder, 
'ne Feder hat die Gans, der Fuchs der hat 'nen Schwanz, 
'nen Schwanz hat der Fuchs, der Edelmann hat 'ne Kutsch, 
In der Kutsch fährt der Edelmann, 
Er fährt so lange, bis er nicht mehr fahren kann. 
13)Hopp hopp hopp 
Pferdchen, lauf Galopp 
Reber Stock und über Stein, 
Thu dir nur nicht weh die Hein! 
Hopp hopp hopp 
Pferdchen, lauf Galopp! 
16) Hopp hopp Reiterlein, 
wenn die Kinder kleine sein, 
Reiten ste aus Stöckerlein, 
wenn ste grötzer werden, 
Reiten ste auf Pferden, 
wenn ste größer wachsen, 
Reiten ste nach Sachsen, 
Reiten ste über die Hrücke hin, 
Plumps, da liegen ste alle drin. 
| Der Ritt »ach Sachsen ist keine bloße Reim 
willkür, wie aus Lynker's Erzählung (3) ersichtlich 
j wird: „Nahe unter Kassel grenzten im Norden 
! und Westen die Gaue der Sachsen an das alte 
; Hessenland — der Sachsen, von denen die Sage 
! geht, daß sie mit Aschanes, ihrem ersten Könige, 
am Harzfelsen, mitten im grünen Walde, bei 
einem süßen Springbrünnlein heraus- und daß 
ihre Frauen auf Bäumen gewachsen seien. Oft hört 
man in Hessen noch von Müttern und Aminen 
! singen, wenn sie die Kinder auf den Knieen reiteir 
lassen: Reiter zu Pferd! wo kommen sie her? 
von Sichsen, von Sachsen, wo die schönen Mädchen 
auf den Bäumen wachsen. Während der Sachsen 
kriege kam Karl der Große oft durch Hessen, und in 
Sagen und Namen hat sich vielfach die Erinnerung 
an seine Anwesenheit erhalten, besonders um die 
Weser, Diemel und Edder herum". 
17) So reiten die Herren, 
So reiten die Domen, 
So reitet der Hauer 
Zum Thore hinaus. 
18) Ein alter 
posthalter 
Der wollte 
Mit seinen 
Drei Schimmeln 
In den Himmel fahren. 
Die Schimmel 
Die Schimmel 
Die machten Trab Trab 
Rnd warfen den alten 
posthalter herab. 
W. Grimm in Wols's Ztschr. f. deutsch. Myth. 
II S. 2 zeigt, daß in diesem Scherzmärchen vom 
alten Posthalter, der in den Himmel fahren 
(— reiten?) will, aber noch keinen Trab kann, die 
Sage vom Himmelsstürmer verborgen liegt.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.