Full text: Hessenland (5.1891)

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Dr. phil. Wilhelm Falckenheiner, seither 
Hilfsarbeiter bei der UniversitälS - Bibliothek zu 
Marburg ist zum Kustos an der Universitäts- 
Bibliothek zu Göttingcn ernannt worden. — Dr. phil. 
K. Kochcndörffcr, Kustos an der Universitäts- 
Bibliothek in Kiel, ist an Stelle des verstorbene» 
Kustos I)r. Hab r ucker vom I. August ab an 
die Universitäts-Bibliothek Marburg versetzt worden. 
Hessische Kücherscha«. 
Geschichtsbilder aus der Kasseler Ver 
gangenheit von Dr.- phil. Fri tz Seelig. 
Kassel 1891 (Ernst Hühn). 
Am 15. Dezember v. I. hielt vr. Fritz Seelig auf 
Anregung und Aufforderung des Kaufmännischen 
Vereins zu Kassel im dortigen Stadtparksaale einen 
mit großem Beifalle aufgenommenen Vortrag Uber 
obigen Gegenstand. Dieser Vortrag wurde zuerst in 
dem „Hausfreund", Sonntagsbeilage der „Kasseler 
Allgemeinen Zeitung", veröffentlicht und ist jetzt in 
einem besonderen Schriftchen in zweiter Ausgabe er 
schienen. In zwölf Bildern führt uns der Verfasser 
die Geschichte Kassels vor. Als Einleitung bringt 
er kritische Bemerkungen, in dem ersten Bilde be 
handelt er „250 Jahre Vorgeschichte seit 912", in 
dem zweiten „die Stadt Kassel von 1163 bis 1328", 
das dritte ist betitelt: „Landgraf Heinrich II. der 
Eiserne begründet die Freiheit", das vierte ist „dem 
Untergange der städtischen Selbstständigkeit" gewidmet, 
das fünfte behandelt „Kassel am Ausgange des 
Mittelalters", das sechste „Kassel zur Reformarions 
zeit unter Landgraf Philipp dem Großmüthigen", das 
siebente „bie ruhigen Zeiten unter Wilhelm IV. und 
seinem Sohne Moritz", das achte „die Festung 
Kassel in und nach dem 30jährigen Kriege, 1627 
bis 1677", das neunte „Kassel unter dem Landgrafen 
Karl", das zehnte „Kassel unter dem Statthalter, dann 
Landgrafen Wilhelm VIII. und bis zum Ende des 
siebenjährigen Krieges", das elfte „Kassel unter 
Landgraf Friedrich II. und seinem Sohne bis 1806", 
das zwölfte „Kassel im neunzehnten Jahrhundert". 
In dem Schlußartikel wirft der Verfasser einen Blick 
in die Zukunft. Er gedenkt der Lichtseiten Kassels, 
betont mit Recht, daß Kassel zu den angenehmsten 
deutschen größeren Mittelstädten zähle, dank seiner 
gesunden Lage, seiner großstädtischen Bauart, seiner- 
herrlichen näheren und weiteren Umgebung, — seiner 
vielen und reichen Anstalten für Kunst und Wissen 
schaft, und, last not least, dank eines gesunden 
selbstbewußten Bürgerthums. Und wenn auch Zu 
gewanderte den Kasselanern ein lebhaftes geselliges 
Leben und den rechten thätigen Sinn für Kunst und 
Wissenschaft absprechen wollten, so liege die Haupt 
erklärung dieser Klagen in der Unkenntniß der Ver 
hältnisse. Der Kasselaner prunke nicht nach außen, 
mache nicht gern von sich reden und schließe sich 
gern gegen fremdes Wesen ab, sein geselliges 
Leben, seine Theilnahme an Kunst und Wissen 
schaft sei mehr eine häusliche, innere Angelegenheit, 
aber nicht minder lebhaft und tüchtig, wie dies 
von Alters her der Gemeinsinn und die reiche 
Privatwohlthätigkeit glänzend darthun. Daß Kassels 
Bürger in jeder Lage das Herz auf dem rechten Fleck 
hatten auch für ideale Fragen, habe die Vergangenheit 
in unzähligen Fällen bis zur Stunde bewiesen. Und 
nachdem der Verfasser zur Pflege der Geschichte 
Kassels noch einmal die im Beginn seines Vortrages 
gestellten und begründeten drei Forderungen eines 
städtischen Urkundenbuches, einer städtischen Geschichte, 
zunächst in Chronikform und Einzelforschung, und 
eines städtischen Museums wiederholt und der Er 
richtung eines „Vereins für die Kasseler Stadt- 
geschichte" das Wort geredet hat, schließt er mit dem 
Wunsche: Möchte in Zukunft in jeder Beziehung 
Kassel wachsen, blühen und gedeihen! Möchte auch 
auf dem geistigen Gebiete der Kasseler Geschichts 
forschung die Theilnahme und der Sinn für die 
Vergangenheit der Vaterstadt zunehmen und sich 
kräftigen, auf daß bald mit vollstem innern Rechte 
auch hier gebraucht werden dürfe und von Tag zu 
Tag mehr Geltung gewinne das selbstbewußte Alt- 
Kasselaner Wahrwort: „Mä honn's, mä konn's." 
— Das Schriftchen gewährt uns ein anschauliches 
Bild der reichen Geschichte Kassels; die Darstellung 
beruht auf den neuesten Forschungen; bei möglichst 
knapper Form ist sie anziehend und fesselnd und aus 
jeder Zeile, möchten wir sagen, geht die Liebe hervor, die 
der Verfasser für seine Vaterstadt hegt. Wir können 
das Schriftchen Allen, die sich für die Geschichte 
Kassels interessiren, auf das Beste empfehlen. 
Die Schlacht bei Borod ino am 7. September 
1812. Mit besonderer Rücksicht auf die Theil 
nahme der deutschen Reiter-Kontingente Von 
Maximilian Frhrn. v. D i t f u r t h, weiland 
kurfürstlich hessischem Hauptmann. Mit drei 
Plänen und fünf Beilagen. Aus dem Nachlaß 
des Verfassers herausgegeben. — Marburg. 
N. G. Elwert'sche Verlagshandlung. 
Diese vor Jahrzehnten von einem unserer be 
deutendsten hessischen Militärschriftsteller verfaßte, 
vor einigen Jahren herausgegebene kriegsgeschichtliche 
Monographie hat lange noch nicht die Beachtung und 
Verbreitung gefunden, welche ihr gebührt. Bei dem her 
vorragenden Antheile, welchen die westfälischen 
Regimenter, Fußvolk und Reiterei, an dieser Schlacht 
genommen, ist dieselbe noch für die hessischen Leser 
von ganz besonderem Interesse. Eine Berliner Zeitung, 
die „Kreuzzeitung", widmete kürzlich der Schrift des 
Freiherrn Maximilian v. Ditsurth eine eingehendere 
Besprechung der wir folgende Stelle entnehmen. „Zu 
den eigenartigen Vorzügen der Schrift ist vor Allem 
die lebendige, anschauliche, auch dem Laien deutliche
	        

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