Full text: Hessenland (5.1891)

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die erwünschte Gelegenheit, das Hessenland mit all' 
seinen prächtigen Bergen und Landschaften überblicken 
zu können und gibt demselben eine Fernsicht, wie 
man sie schöner wohl selten antreffen dürste. Seitens 
des Festkomitos und des Vorstandes des Niederhessischen 
Tonristenvereins, Sektion Großalmerode, war 
nichts verabsäumt worden, die Feier zu einer be 
sonders glänzenden zu gestalten. Nachdem um 11 
Uhr Morgens ein Choral vom Thurm herab geblasen 
war, fand gegen 12 Uhr auf dem Festplatz unterhalb 
des Thurmes ein gemeinschaftliches Mahl statt. Die 
eigentliche Feier begann Nachmittags um 2 Uhr mit 
einer Begrüßungsrede des Oberförsters Dr. Ide als 
Vorsitzenden der Sektion Witzenhausen des Werrathal- 
Vereins, welcher ein Hoch auf Se. Majestät den 
deutschen Kaiser ausbrachte. Hierauf gedachte Dr. 
Weishaar der Thätigkeit des Vorsitzenden der 
Sektion Großalmerode, Amtsrichters Martin, 
welcher sich große Verdienste um das Zustandekommen 
des Thurmbaues erworben habe. Ferner sprach Redner 
dem Zentralverein des Niederhessischen Touristenvereins, 
der Stadt Großalmerode, dein Turnverein zu Groß 
almerode, den verschiedenen Vereinen, sowie den vielen 
Privaten, welche ihr Interesse an dem Bau des 
Thurmes bethätigt haben, den Dank aus. Ober 
förster Dr. Jde übergab sodann den Thurm der 
öffentlichen Benutzung. (Kass. Tagebl.) 
P e r s o n a l n a ch r i ch t e n. Unser hessischer Lands 
mann, der Geheime Oberjustizrath, Präsident der 
Justizprüfungskommission, vortragender Rath im 
Justizministerium und ordentlicher Honorarprofessor 
Dr. jur. Adolf Stölzel in Berlin ist zum 
K r o n s y n d i k u s ernannt worden. Adolf Stölzel 
hat sich in der Gelehrtenwelt durch seine Forschungen 
zur Geschichte des Rechts- und Staatswesens einen 
berühmten Namen erworben. Wir werden auf seine 
überaus fruchtbare schriftstellerische Thätigkeit auf dem 
Gebiete der Rechtswissenschaft und der Geschichte bei 
anderer Gelegenheit zurückkommen. — Die Leitung 
der Gemäldegalerie und des Museums zu Kassel ist 
vereinigt und dem bisherigen Galeriedirektor Dr. Otto 
E i s e n m a n n unter Ernennung desselben zum 
Direktor des Museums in Kassel übertragen worden. 
U n i v e r s i t ä t s n a ch r i ch t e n. Von Marburger 
Professoren hat der Professor der Botanik und Direktor 
des botanischen Gartens Dr. K. E. Goebel einen 
Ruf an die Universität München und der Professor 
Dr. Rubner, Direktor des hygienischen Instituts 
daselbst, einen Ruf nach Berlin erhalten. Beide 
Herren haben die Berufung angenommen. — Den 
Privatdozenten der Medizin an der Universität 
Marburg Dr. Viktor Hüter und Kreisphysikus 
Sanitätsrath Dr. Otto von H c u s i n g e r ist das 
Prädikat „Professor" verliehen worden. Beide ge 
hören ihrer Herkunft und ganzen Vergangenheit nach 
der Universität Marburg zu. Viktor Hüter, 
Sohn des am 18. August 1857 verstorbenen Professors 
der Geburtshilfe Dr. Karl Christoph Hüter, hat 
gleich seinem Vater die Frauenheilkunde zu seinem 
Lehrgebiete. Von seinen Schriften sind besonders zn 
nennen seine Studie über die Haut der Neugeborenen 
und sein „Kompendium der geburtshilflichen Opera 
tionen^. Otto von Heusinger ist ein Sohn 
des Geheimen Raths Karl von Heusinger, der von 
1829 bis 1867 an der Spitze der Marburger medi 
zinischen Klinik stand. Sein Hauptfach ist gericht- 
liche Medizin. Außerdem lehrte er noch Kinderheil 
kunde. Seine Veröffentlichungen beziehen sich auf 
weit von einander liegende Zweige der wissenschaftlichen 
Medizin. Hervorzuheben sind davon die Schriften 
„über die Nötheln", die „Studien über den Ergotismus 
und sein Auftreten im 19. Jahrhundert", die Vorträge 
„über Getränke" und die klinischen Beobachtungen 
über Gehirnabszesse und vielfache Nervengeschwülste. 
Beide Professoren haben als Aerzte eine sehr- 
ausgedehnte Privatpraxis. — Der Privatdozent 
Dr. Hermann Re hm in München ist zum außer 
ordentlichen Professor in der juristischen Fakultät zu 
Marburg ernannt und demselben die durch den 
Abgang des Professors Dr. Frantz nach Kiel frei 
gewordene Professur übertragen worden. Dr. Hermann 
Nehm beschäftigt sich hauptsächlich mit Staats- und 
Verwaltungsrecht. Seinen Ruf innerhalb seiner 
Wissenschaft begründete er durch eine Studie über 
die rechtliche Natur des Staatsdienstes, die im Jahr 
gang 1884/85 von „Hirth's Annalen" erschien. 
Nicht geringere Anerkennung als diese Studie fand 
Rehm's nächste Arbeit über „die rechtliche Natur der 
Gewerbskonzession", mit welcher er sich 1889 bei dcr 
Münchener Rechtsfakultät als Privatdozent habilitirte. 
Professor Nehm steht gegenwärtig in seinem 30. 
Lebensjahre. — Dr. Karl W enck, der sich als 
Privatdozent in der philosophischen Fakultät der Uni 
versität Marburg habilitirte, hat am 11. d. M. seine 
Antrittsvorlesung über „den historischen Kern der 
Elisabeth-Legende" gehalten. — 
Der Privatdozent der Chirurgie Dr. Ferdinand 
Fuhr zu Gießen ist zum außerordentlichen Pro 
fessor ernannt. Seine bisherigen Veröffentlichungen 
haben Operationen am Darm bei innerem Darm 
verschluß, die Technik der Unterschenkelabtragung und 
die Anschälung der Schilddrüse zum Gegenstände. 
Neben diesen theils klinischen, theils experimentellen 
Forschungen Dr. Fuhr's ist noch eine Studie medi 
zinisch-geschichtlichen Inhalts von ihm „Uber den 
Kropf im Alterthum" hervorzuheben. — 
In der philosophischen Fakultät der Universität 
Leipzig hat sich am 1. Juli der Dr. phil. Des 
Coudres aus Kassel als Privatdozent für das 
Fach der Physik habilitirt. Seine Antrittsvorlesung 
behandelte das Thema „die Existenz des Lichtäthers". —
	        

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