Full text: Hessenland (5.1891)

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femm Mallfchmaxler. l ) 
(Schwälmer Mundart.) 
Eländskrämer, zieh, lonns dich is Beit, 
Laß deng Jammern ö Zoje! 
Bär in Mann es, erbärrelt sich net 
Metleed, sörrern wedd woje 
Fresch de Strööß, de dos Läwe em brengt, 
Bis hü siejend die Palm sich errengt. ") 
Gück die Lärch o; ehr Nähst 3 ) es zerstört. 
Kläht fec ? 4 ) Macht ehr dos Grauwe?") 
Nee, see sicht 5 ), bos züm Nähst see begührt, 
Em es nauw sich ze bauwe. 
Schwäwt 3 ) empor da") ö jüwelt: „Gebäumt 
Hon ich Gott ö em immer verträumt." ,0 ) 
Awer, Weechleng, verhätschelte Gret, 
Ha, du flännst, bie gesteenigt. ") 
Ach. dü glichst jo de Lärche doch net, 
Weil dü mit Onke vereenigt; '") 
Drem erklengt ööch deng Senge so domp, ") 
Glich dr Ick müßt dü quake im Somp.") 
Hüsehäz, ach, mer wänn net geschedd, 
Kinnst de Pühl dü Verlässe! lG ) 
Wett dü Mann seng "), erbärrel dr net 
Metleed, sörrern läß messe, 
Däß im Strööß. de dos Läwe ins brengt, 
Mürig Woje ,8 ) die Palm nür errengt. 
' K ' " P; ■ Kurt Kuhn. 
') Dern Weltschmerzler. 
2 ) Elendskrämer, geh', leg dich in's Bett, 
Laß dein Jammern und Zagen! 
Wer ein Mann ist, erbettelt sich nicht 
Mitleid, sondern wird wagen 
Frisch den Strauß, den das Leben ihm bringt. 
Bis er siegend die Palme erringt. 
3 ) Nest. 4 ) Klagt sie? *) Grauen. 6 ) sucht. ') Um eö 
neu sich zu bauen. H ) schwebt. '') dann. Gebaut habe 
ich Gott und ihm immer vertraut. gesteinigt. gleichst. 
mit Unken (— Natterrl) vereinigt. u ) dumpf. ,5 ) Gleich 
der Kröte, dem großen Frosche, mußt du quaken im 
Sumpie. "j Hasenherz, ach, wir wären nicht geschieden, 
könntest du den Pfuhl verlassen. ,7 ) Willst du Mann sein. 
,8 ) muthig Wagen. 
Aus Heimath und Fremde. 
Verein für hessische Geschichte und 
Landeskunde. Die Jahresversammlung 
wird vom 29. bis 31. Juli in Frankenberg 
abgehalten. Nach dem uns vorliegenden Programme 
ist für den Abend des 29. Juli die Sitzung des 
Gesammtvorstandes im Hotel Schmidtmann angesetzt. 
Am Morgen des 30. Juli findet nach Besichtigung 
der Liebfrauenkkrche um 9 Uhr die Hauptversamm 
lung im Saale des Rathhauses statt. Vorträge 
werden gehalten von Professor Dr. Schröder 
aus Marburg über „hessische Schauspiele des 15., 
16. und 17. Jahrhunderts", und von Pfarrer 
H e l d m a n n aus Michelbach über „tue älteren 
Territorialverhältnisse des Kreises Frankenberg mit 
Einschluß der Herrschaft Itter". Für den 31. Juli 
ist ein Ausflug zu Wagen nach Hessenstcin, Recken 
berg, Lichtenfels vorgesehen. — In den letzten Tagen 
sind die vom hessischen Geschichtsvereine heraus 
gegebenen „Mittheilungen" Jahrgang 1890 I. —IV. 
Vierteljahrsheft, an die Mitglieder zur Vertheilung 
gelangt, ebenso das Verzcichniß der Mitglieder des 
Vereins (aufgestellt im April 1891). Wir behalten 
uns vor, auf beide Schriften zurückzukommen. 
Wir kommen noch einmal auf die Aula fei er 
in Marburg zurück. Unseren Bericht in der 
vorigen Nummer unserer Zeitschrift hatten wir zu 
meist einem Marburger Blatte entnommen, da wird 
uns denn von befreundeter Seite in Marburg mit 
getheilt, daß derselbe mehrere Unrichtigkeiten enthalte. 
So habe bei dem Festmahle im Museum nicht der 
Rektor der Universität, Professor Dr. Weber, den 
Trinkspruch auf Se. Majestät den Kaiser ausgebracht, 
sondern der Kultusminister Graf von Zedlitz-Trützschler, 
auch sei das von Professor Dr. Birt verfaßte Gedicht 
nicht bei dem Festmahle, sondern Abends bei dem 
Kommerse gesungen worden. Eine genaue Schilderung 
! des neuen Universitätsgebäudes in Marburg und der 
! Aulafeier findet sich in der von der „Oberhcssischen 
! Zeitung" verausgabten „Festnummer", sowie in den 
Nummern 148, 149 und 150 vom 26 , 27., 28. 
und 30. Juni, auf die wir hiermit verweisen wollen. 
— Wir erwähnen hier noch, daß das von Professor 
Dr. Birt gedichtete Lied „Wohlauf! nun stimmet hell 
und laut", dessen launigen Charakter wohl Niemand 
in Abrede stellen wird, wegen einzelner Ausdrücke 
Anfechtung gefunden hat. Die „Germania" wirft 
dem Verfasser Mangel an gutem Ton und Kränkung 
der religiösen Anschauungen der Katholiken vor. 
Nun, diese Absicht hat sicher Herrn Professor Dr. Birt 
ferngelegen. Ein Professor der klassischen Philologie, 
der sich nebenbei mit historischen Studien beschäftigt, 
weiß wohl, was die Wissenschaft den Mönchen des 
Mittelalters verdankt, und daß gerade die Dominikaner 
mönche, jener Predigerorden, der ganz bedeutende Ge 
lehrte, einen Thomas von Aquino, einen ^Idsrtuo 
waKQus aufzuweisen hat, und dem 1232 vom Papste 
Gregor IX. die Inquisition übertragen worden war, 
nichts weniger als „Schlummerer auf Erden" nach 
dem gewöhnlichen Begriffe des Wortes sein konnten, 
immerhin würde der Herr Professor besser gethan 
haben, solche Ausdrücke, die leicht zu Mißdeutungen 
Anlaß geben, zu vermeiden. 
Am Sonntag den 5. Juli fand unter zahlreicher 
Betheiligung von Nah und Fern die feierliche Ein 
weihung des Aussichtsthurms auf dem Bilstein 
bei Großalmerode statt. Der aus Basalt und Sand 
stein errichtete prächtige Thurm bietet dem Touristen
	        

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