Full text: Hessenland (5.1891)

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Darauf hielt Herr Professor Dr. Achelis int geist 
lichen Ornate eine von Herzen kommende und zu 
Herzen gehende Ansprache, in drr er zunächst den Dank 
aussprach für die Munifizenz der Könige, unter deren 
Regentschaft das Gebäude und der neue Flügel aus 
geführt wurde, und weiter allen denen, welche das 
Werk gefördert haben. Nach ihm hielt Se. Magnifizenz 
der Herr Rektor Professor Dr. Weber die Festrede. 
Er schilderte eingehend das Emporblühen der Uni 
versität seit dem Jahre 1866 und legte dar, welche 
Förderung unserer Hochschule durch Neuanlage von In 
stituten und Kliniken und das nunmehr vollendete 
Universitätsgebäude erhalten hat. Sodann kam er 
auf die Eutstehungsgeschichte der Aula zu sprechen; 
der Wunsch, für die akademischen Feiern einen eigenen 
Festsaal zu haben, ist der Grund zu ihrer Erbauung. 
Darauf gab er eine Uebersicht über die Frequenz der 
Hochschule in dem letzten Vierteljahrhundert hinsichtlich 
der Lehrkräfte und der Studierenden und gedachte 
schließlich der in jener Zeit Heimgegangenen Dozenten 
hiesiger Universität, welchen er rühmende Worte der 
Erinnerung weihte. Zum Schlüsse seiner Rede 
sprach er dem Herrn Kultusminister, dem Ober 
präsidenten der Provinz und den Vertretern des 
Kommunallandtages, welch' letzterer der Universität 
anläßlich des heutigen Festes das von uns bereits 
erwähnte Bild des Landgrafen Philipp des Groß 
müthigen von Hessen zum Geschenk gemacht hatte, 
seinen Dank aus für die Förderung des Baues und 
für ihr heutiges Erscheinen. 
Nach ihm ergriff Se. Erz. Kultusminister Graf 
von Zedlitz-Trützschler das Wort, während sich 
die Anwesenden von ihren Sitzen erhoben. Im 
Namen Sr. Majestät des Kaisers gab er dessen 
Hoffnung und Erwartung Ausdruck, daß die Mar- 
burger Hochschule wie in alter, so in neuer Zeit 
eine Pflanzstätte reiner Wifienschaft, idealen Strebens 
und echter deutscher Treue sein und bleiben möge. 
Er erkannte lobend die Fortschritte an, welche die 
Universität in den letzten 25 Jahren gemacht hat 
und übergab dem Rektor den Schlußstein des Ge- 
bändes als symbolisches Zeichen für dessen Vollendung. 
Darauf verkündete er, daß anläßlich der heutigen 
Feier von Sr. Majestät dem Kaiser dem Rektor 
der Universität, Herrn Professor Dr. Weber, dem 
Erbauer des Universitätsgebäudes, Profesior an der 
technischen Hochschule zu Berlin, Herrn Karl Schäfer 
und dem Herrn Regierungs-Baumeister Zölsfel zu 
Marburg der rothe Adlerorden 4. Klasse, dem Bildhauer 
Schöneseiffer dahier der Kronenorden 4. Klaffe und 
dem Kastellan Bachnik das allgemeine Ehrenzeichen 
allergnädigst verliehen worden, daß ferner von ihm 
selbst der Pedell Kraaß zum Oberpedellen ernannt 
worden ist. Er schloß, indem er den genannten 
Herren für ihre Auszeichnung seinen Glückwunsch 
aussprach. Der Herr Rektor brachte hierauf ein 
Hoch auf den Kaiser aus, in welches die An 
wesenden mit Begeisterung einstimmten. Den Schluß der 
Feier, die um l Uhr beendet war, bildete das vom 
Akademischeis Konzertverein gesungene „Hallelujah!" 
Hiernach fand im Museum das Festmahl statt, 
an welchem der Kultusminister Graf von Zedlitz 
Trützschler, der Oberpräsident Graf zu Eulenburg, 
der kommandirende General des XI. Armeekorps 
von Grolmann, der Direktor der Kgl. Staatsarchive 
Geheune Rath Dr. H. von Sybel, der Landesdirektor 
von Hundelshausen, der Präsident des Oberlaudes 
gerichts Dr. Eccius, der Geheime Baurath Neu- 
mann von Kassel, der Geheime Rath Naumann von 
Berlin, die Professoren der Universität, die Spitzen 
der königlichen, Militär- und städtischen Behörden, 
die Chargirten der farbentragenden studentischen 
Korporationen und Vereine in Couleur, sowie andere 
geladene Gäste theilnahmen. Den Trinkspruch aus 
Se. Majestät den Kaiser brachte der Rektor der 
Universität Professor Dr. Weber aus, worauf die 
Kaiserhymne stehend gesungen wurde. Unter all 
gemeinen Beifall verlas der Rektor ein an den 
Kaiser abzusendendes Telegramm. Es wurde eine 
große Menge Reden und Trinksprüche gehalten, von 
welchen die Ansprachen des Kultusministers, des 
Rektors, des Herrn General von Grolmann, des 
Oberpräsidenten Graf zu Eulenburg, des Univer 
sitäts-Kurators Geh.-Rath Steinmetz, des Ober 
landesgerichtspräsidenten Dr. Eceius, des Geh. Bau 
rath Neumann, des Landesdirektors von Hundels 
hausen, des Herrn Geh.-Rath Professor von Sybel 
und des Apothekers Siebert hervorzuheben sind. Eine 
Glückwunschdepesche des Staatsministers a. D. von 
Goßler, die gerade eintraf, kam zur Verlesung. Die 
Stimmung des Festmahls war eine ganz vorzügliche. 
Bei dem Festmahl wurde folgendes launige, von 
Professor Dr. Birt verfaßte Gedicht gesungen: 
Melodie: Wohlaus, die Lust geht srlsch und rein. 
Wohlauf! nun stimmet hell und laut 
Und singt mit Jubelschalle. 
Das Haus ist nun zu End' erbaut. 
Erbaut — Wir sind es Alle. 
Die Burg der Universitas, 
Der geistigen Mäotik, 
Wie schmuck sie prangt, voll Ebenmaß, 
In allerliebster Gothik. 
Valleri, vallera, valleri, vallera! 
In allerliebster Gothik. 
Nur Klosterschutt sah einst in's Thal. 
Die Zeit schlug arge Bresche. 
Wie naß hing dort im Sonnenstrahl 
Zum Trocknen oft die Wäsche! 
Da hub's aus Schutt sich Phönix-gleich, 
Kein Kloster gleich dem vorigen: 
Eine feste Burg im Geisterreich! — 
Nur fehlt's an Refektorien! 
Valleri re. 
Was Schlafsaal einst der Mönchlein war, 
Der Schlummerer auf Erden, 
Ist Hörsaal jetzt der wachen Schaar, 
Und soll nie Schlassaal werden.
	        

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