Full text: Hessenland (5.1891)

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1631 kamen mit dem Durchzug Tilly's neue 
Lasten, man schritt zur Plünderung, bei der 
sogar das Siechenhaus nicht verschont wurde. 
Im Lause der dreißiger Jahre war der Ort 
dann noch mehrfach der Willkür kaiserlicher 
Offiziere ausgesetzt. Einmal hatte er sich des 
Besuches seitens eines Herrn Wachtmeisters zu 
erfreuen, der indeß alsbald wieder verschwand, 
nachdem die Stadt die von ihm zur Bedienung 
gewünschten zwei Frauenspersonen gestellt hatte. 
Während im Uebrigen die Soldaten jener Tage 
an Rückerstattung des Genommenen nicht dachten, 
wurden diese beiden Personen, als der Herr 
Wachtmeister ihrer nicht mehr bedurfte, richtig 
zurückgeschickt. 
Im Jahre 1640 legten die Kaiserlichen den 
Theil der Stadt, welcher sich damals anl östlichen 
Abhange des Schloßberges ausdehnte, später 
aber nicht wieder, aufgebaut wurde, nebst dem 
Hause des Deutschordens, dem Oberbau der 
wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert stam 
menden spätgothischen Stadtkirche und einer im 
Jahre 1377 zuerst genannten, „unter dem Hain" 
an der Ostseite des Schloßberges belegenen, der 
Jungfrau Maria geweihten Kapelle, der 
„Neuen Kirche", in Asche. Von den kirchlichen 
Gebäuden der Stadt blieb allein die theils 
romanische, theils spätgothische St. Jakobskapelle 
auf dem Friedhofe unbeschädigt. 
Im folgenden Jahrhundert war es die Zeit des 
siebenjährigen Krieges, welche Felsberg wesentlich 
in Mitleidenschaft zog. In den Jahren 1761 
und 1762 haben die Verbündeten und Fran 
zosen in unmittelbarster Nähe der Stadt ein 
ander häufiger gegenübergestanden, ja am 
29. Juni 1762 fand sogar ein blutiger Zusammen 
stoß beider Parteien statt, das von den 
Franzosen besetzte Schloß wurde von der Artillerie 
der Gegner beschossen und von den hessischen 
Jägern zu Fuß unter Major von Linsingen 
erstürmt. 
(Schluß folgt). 
iarl Kchomburg. 
Von F. Iw eng er- 
Fünfzig Jahre sind am 8. d. M. seit dem 
Tage verflossen, an welchem die irdischen Reste 
eines der edelsten Bürger Kassels der Erde über 
gebeil wurden, eines Mannes, der sich nicht nur 
um die Stadt Kassel selbst, der sich um ganz 
Kurhessen die größten Verdienste erworben hat. 
Nennt man die besten Namen unseres engeren 
Vaterlandes, gewiß wird der Name Karl 
Schomburg's, des Oberbürgermeisters von Kassel, 
in erster Linie genannt. Es ist ein schöner 
pietätvoller Zug in dem Charakter der Kasseler 
Bürgerschaft, daß sie ihren großen Todten ein 
dankbares Andenken zu bewahren pflegt. Sie 
hat Karl Schomburg ein Monument errichtet, 
sie hat eine Straße nach seinem Namen be 
nannt, dauernder aber noch als Erz und Stein 
ist die Erinnerung, die in dem Herzen der 
Kasseler Bürger fortlebt und fortleben wird an 
den berühmten Wortführer des. 15. September 
1830, den mannhaften, unerschütterlichen Ver 
treter der Volksrechte, den überzeugungstreuen 
Patrioten, den durch glänzende Beredtsamkeit 
sich auszeichnenden Abgeordneten, den würdevollen 
Präsidenten der kurhessischen Ständeversammlung 
und Vorsitzenden des permanenten landständischen 
Ausschusses. Unter den schwierigsten Verhält 
nissen wirkte Schomburg in Kassel von 1822 
bis 1841 als Bürgernieister und Oberbürger 
meister. Was er als solcher geleistet, wie er die 
Rechte der Stadt gegenüber jeglichen Uebergriffen, 
woher sie auch kommen mochten, gewahrt und 
jenen zum Siege verholfen, ist allgemein bekannt; 
seiner hervorragenden Mithilfe verdankt Kur 
hessen neben der Verfassungsurkunde vom 
5. Januar 1831 eine Reihe der heilsamsten 
Gesetze, von denen wir hier nur das Ablösungs 
gesetz, die Errichtung der Landeskreditkasse vom 
23. Juli 1832, die Gemeindeordnung vom 
23. Oktober 1834 anführen wollen, Gesetze, 
welche die wohlverdiente Anerkennung in ganz 
Deutschland fanden. 
Karl Schomburg war am 11. Oktober 1791 
in Grebenstein geboren, wo sein Vater als Arzt 
lebte. Die erste Erziehung empfing er zu 
Karlshafen, wohin sein Vater als Landphysikus 
versetzt worden war; von seinem neunten bis zu 
seinem vierzehnten Lebensjahre erhielt er den 
ersten Vorbereitungsunterricht zu seiner wissen 
schaftlichen Ausbildung in Saalfeld; hier fand 
er bei seinem Onkel, dem Rath und Amtmann 
Schütz, ein zweites Vaterhaus; dann besuchte er 
das Gymnasium illustre zu Koburg und nach 
Absolvirung desselben im Jahre 1808 bezog er 
die Universität Göttingen, um sich der Rechts 
wissenschaft zu widmen. Sein Eintritt in das 
praktische Leben fiel in die letzte Periode der 
westfälischen Regierung in Hessen. Er wurde 
Anwalt, zuerst in Kassel, später in Höxter, doch
	        

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