Full text: Hessenland (5.1891)

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In noch geringerer Entfernung von der Stadt 
Felsberg hatte mehrere Jahrzehnte früher ein 
nicht minder blutiges Treffen stattgefunden, als 
Ritter Konrad Spiegel zum Desenberge 
in seiner Fehde mit Abt Berthold von 
Hers seid dessen Heeresmacht bei der Alten 
burg am 21. September 1367 völlig vernichtete. 
Gegen Ende des Mittelalters wie am Ansang 
der Neuzeit wird Schloß Felsberg verschiedentlich 
genannt, es ist damals noch bewohnbar gewesen. 
Im Jahre 1453 setzte Landgraf Ludwig der 
Friedsame bei Abschluß des Verlöbnisses 
zwischen seinem Sohne Ludwig und Mech- 
tild, der Tochter Graf Ludwig's I. von 
Würtemberg, der Braut 36000 Gulden auf 
die Schlösser Felsberg und Rotenburg zur 
Widerlage. 1455 wies der Landgraf, selbst ein 
Freund der Alchymie, dem Alchymisten Claus 
von Urbach das Schloß als Wohnung an. 
Bis zum Tode des Landgrafen trieb Claus dort 
sein Wesen. 
Im Jahre 1511 nahm die Landgräfin Anna, 
die Wittwe Landgraf Wilhelm's des Mitt 
leren und Mutter Landgraf Philipp's des 
Großmüthigen, auf Felsberg ihren Aufent 
halt. An diesen Aufenthalt der Landgräfin hat 
dann alsbald die Sage angeknüpft und Philipp's 
Geburt nach Felsberg verlegt, während Hessens 
größter Fürst bekanntlich in Wirklichkeit in 
Marburg zur Welt kam. 
In den Tagen der Landgräfin Anna wurde 
Felsberg der Mittelpunkt der Bewegung gegen 
den allmächtigen Landhvfmeister Ludwig von 
Boineburg-Lengsfeld, dessen Beseitigung 
die stolze Mecklenburgerin um jeden Preis durch 
zusetzen wünschte, um den von ihr ersehnten 
Einfluß auf die Regierung des Hessenlandes zu 
erlangen. Hier von Felsberg aus wurde im 
Jahre 1514 das Vorgehen gegen den Landhof 
meister eröffnet. indem Anna damals ihre An 
hänger dorthin zu einem Landtage berief, der 
jedoch wegen des schlechten Besuchs vertagt werden 
mußte. Dessenungeachtet erreichte die Fürstin 
ihr Ziel. Ludwig von Bvineburg wurde in 
Anklagezustand versetzt, seiner Güter, Aemter 
und Würden beraubt. 
Es ist dies derselbe Ludwig von Bvineburg, 
der seinen Nachkommen die Alten bürg erwarb. 
Bei seiner Wiedereinsetzung in den früheren 
Stand durch Landgraf Philipp im Jahre 1527 
erhielt er mit seinen übrigen Besitzungen auch 
die Altenburg zurück. Da diese nach Felsberg 
eingepfarrt war, werden die Boineburgs ver 
muthlich, so lange sie dort ansässig waren, in 
der Felsberger Kirche ihr Erbbegräbnis gehabt 
haben. Fest steht, daß Urban von Boineburg- 
Lengsfeld und seine Ehefrau Kunigunde, 
geborene von Buttlar, die am 14. August 
1721 bezw. am 3. August 1725 verstorben, in 
der Stadtkirche zu Felsberg ihre Ruhestätte fanden. 
Wie unter der Landgräfin Anna wurde 
Schloß Felsberg noch einmal unter deren Urenkel 
Landgraf Moritz dem Gelehrten zu einem 
Schauplatz wichtiger Begebenheiten, die leider für 
diesen Fürsten und sein Hessenland höchst uner 
freulicher Art waren. Hier in Felsberg hielt 
im November und Dezember 1626 Landgraf 
Moritz einen Landtag ab, es war der letzte vor 
seiner Abdankung. Obgleich der Landgraf durch 
die Liguisten unter Tillh und den Landgrafen 
Georg II. von Hessen-Darmstadt, welcher 
Letztere Oberhessen mit Marburg besetzt hielt, 
in höchste Verlegenheit gebracht war und der 
thatkräftigen Unterstützung seiner Landstände 
dringend bedurfte, waren dieselben, vor Allem 
die Ritterschaft, doch zu keinerlei entscheidenden 
Schritten für ihren Fürsten zu bewegen; die 
sechs ritterschastlichen Abgeordneten, welche mit 
sieben Vertretern der Städte die ganze Ver 
sammlung ausmachten, wußten nichts Besseres 
als gegen die ihnen verhaßten Rathgeber des 
Landgrafen inimex neue Klagen vorzubringen 
und zum Abwarten zu rathen. Völlig in Stich 
gelassen, beinahe von dem Nöthigsten entblößt, 
verbittert und vergrämt, legte Moritz am 
17. März 1627 die Regierung nieder. 
Die folgenden Kriegsjahre brachten über 
Fclsberg viel Elend und Trübsal. In Folge 
ihrer Lage an der Straße von Kassel nach 
Frankfurt hatte die Stadt von Truppen 
durchzügen sehr empfindlich zu leiden. Im 
Jahre 1627 drangsalte der Obristwachtmeister 
Hans Georg von Lungen vom Herle- 
feldischen Regiment, der mit bairischen Truppen 
in Felsberg lag, Stadt und Amt auf das 
Heftigste. Für Haltung strenger Mannszucht 
ließ er sich besonders bezahlen, erschienen 
aber die Ortsvorstände, um über die trotz Alle 
dem unaufhörlich wiederkehrenden Erpressungen 
Klage zu führen, so wurden sie auf Befehl des 
Herrn Obristwachtmeisters durchgeprügelt. Die 
Sache war so arg, daß einer der Leute ausrief: 
Gott wolle Dieses enden oder wir müssen Alle 
entlaufen. Obwohl von Lungen Zahlung ver 
sprach, dachte er nicht daran sein Wort zu" 
halten. Vielmehr forderte er, als die Baiern 
im Mai 1627 endlich abrückten, von der bereits 
völlig ausgesogenen Stadt Felsberg nicht nur 
die rückständigen Kriegssteuern, sondern auch 
noch eine besondere Verehrung. Von 402 Pfer 
den, welche Obristlieutenant Q u a d e zum Vor 
spann in Anspruch genommen hatte, kamen nur 
20 wieder zurück, die übrigen hatten die Sol 
daten verkauft.
	        

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