Full text: Hessenland (5.1891)

Von Dr. W. Grolesenö. 
(Fortsetzung.) 
Das Amt Felsberg, dessen Bezirk Anfangs 
außer Stadt und Burg Felsberg nur die 
Alten bürg und die Dörfer Lohre und 
Böddiger umfaßt hatte, wurde im 15. Jahr 
hundert durch das Gericht Gensungen, das 
Kirchspiel Wolfershausen, die Dörfer 
Niedermöllrich, Ober- und Nieder- 
vorsckütz vergrößert. Einige Namen von land 
gräflichen Amtleuten sind der Nachwelt über 
liefert, 1331 Heinrich von Benne, 1339 
Hermann Schufelere, 1375 Friedrich 
vonFelsberg, 1464GottfriedSchlegerein, 
1466 ein Holzsadel. 
Ferner hatte das Schloß sechs Burgmannssitze. 
Bon den Inhabern der Burglehen begegnen uns 
am häufigsten die Glieder der Familie von 
Felsberg, von der sich gegen Ende des 
13. Jahrhunderts die Herrn von Besse ab 
zweigten. Durch das gemeinsame Wappen kenn 
zeichneten sich beide als demselben Stamme an 
gehörig. Dies Wappen bestand in drei parallelen 
schraffirten Querbalken, von denen der unterste 
mit der Spitze des Schildes zusammenfallend, 
als Dreieck erscheint, darüber ein von links nach 
rechts schräg herablaufender Balken. Bis zu 
ihrem Aussterben um das Jahr 1486 hatten 
die Herren von Felsberg ihren Hauptsitz in 
diesem Orte. Das Geschlecht muß recht begütert 
gewesen sein, abgesehen von den Besitzungen in 
und bei Felsberg und auf der Altenburg, 
wo sie ebenfalls schloßgesessen waren, hatten sie 
deren in der Gegend von Wolfhagen, in und 
um M a r b u r g. sowie in der Nähe des M e i ß n e r s. 
Neben den Herren von Felsberg und von Besse 
waren die Lngulin, die Meisenbug und 
Hebel Burgmannen zu Felsberg, vorübergehend 
auch die von Buchenau, Merode, von Lare, 
von Böddiger und von Völkershausen. 
Die Herren von Brandenburg finden wir 
dort ebenfalls angesessen, jedoch anscheinend nicht 
als Burgmannen, sondern als Lehnsträger des 
Stiftes Kaufungen, dessen Vorwerk zu Fels 
berg sie inne hatten. Mit dem Jahre 1367 
verschwinden sie indessen aus Felsberg, indem 
sie das Kaufungische Vorwerk an einen Kaplan 
der Aebtissin von Kaufungen verkauften. 
Das Verhältniß zwischen den Bürgern von 
Felsberg und der Landesherrschaft und deren 
Vertretern ist, soweit wir wissen, im Allgemeinen 
ein gutes gewesen, vorübergehend ist es aber 
dennoch zu einem Zerwürfnisse gekommen. Es 
war dies in den Siebziger Jahren des 14. Jahr 
hunderts. Damals betheiligte sich Felsberg an 
dem Verein der niederhessischen Städte, der im 
Januar 1376 in Kassel zusammentrat, um 
gegen das von Landgraf Hermann ausgeschriebene 
Ungeld, dessen der Fürst in seinem Kampfe mit 
Otto dem Quaden von Braunschweig dringend 
bedurfte, Einsprache zu erheben. Weiter be 
zweckte dieser Zusammenschluß der Städte den 
Landgrafen zu veranlassen, die fremden Ritter, 
denen er zur Belohnung für ihre Dienste gegen 
seine Feinde mehrfach die Stellungen von Be 
amten und Burgmannen in den hessischen Plätzen 
übertragen hatte, zu entlassen. Im Jahre 1378 
erhob mit.den anderen Städten auch Felsberg 
gegen derartige landgräfliche Maßnahmen in 
aller Ehrerbietung Einsprache; doch begnügte 
man sich mit dieser, ohne daß außer in Kassel 
von gewaltthätigen Auftritten zu berichten wäre. 
Die Mißstimmung der Felsberger gegen ihre 
Landesherrschaft in jenen Tagen wird sehr wohl 
begreiflich, wenn wir erfahren, daß gerade da 
mals Stadt und Amt Felsberg eigentlich ständig 
an adelige Herren verpfändet waren, so 1373 
an den Landvogt von Niederhessen, Friedrich 
von Felsberg, und 1380 an Heinrich von 
Hardenberg, wie denn die Verpfändungen 
im Mittelalter überhaupt zu vielen Streitigkeiten 
zwischen Fürsten und Städten den Grund legten. 
Mit dem Aufhören der Verpfändungen schwand 
auch die Verstimmung zwischen der Stadt und 
den Landgrafen für immer, ja deren Beziehungen 
zu Felsberg waren fortan stets sehr enge. 
Für ihre Treue gegen das angestammte Fürsten 
haus haben die Felsberger vermuthlich schon im 
Mittelalter mehrfach hart büßen müssen, da das 
nahe Fritzlar in den sich so oft erneuernden 
Fehden zwischen den Landgrafen und den Erz 
bischöfen von Mainz, die die Stadt Felsberg 
nach wie vor als Mainzisches Lehen betrachteten, 
für die erzbischöflichen Truppen das Ausfall 
thor bildete und die Landgrafen vielfach nicht 
gleich zur Stelle waren. Die Felsberger mußten 
unter solchen Umständen jeden Augenblick der 
Verwüstung ihrer Felder gewärtig sein. So 
verheerte im Juli 1427 Graf Gottfried von 
L ei n i n gen, der Neffe Erzbischof Ko nr a d % 
von Fritzlar aus mit 600 Reitern die Felder 
von Felsberg, Gudensberg und Melsungen, 
bis Landgraf Ludwig zur Stelle war, den 
Grafen einholte und ihn bei Englis am 
23. Juli so auf's Haupt schlug, daß er das 
Wiederkommen vergaß.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.