Full text: Hessenland (5.1891)

163 
geboren. Er besuchte das Gymnasium zu Hersfeld, 
wohin sein Vater als Landrichter versetzt worden 
war, nachher die polytechnische Schule zu Kassel. 
Nach Absolvirung der letzteren widmete er sich von 
Herbst 1842 bis Herbst 1845 an der Universität 
Marburg dem Studium der Naturwissenschaften. 
Er war ein sehr beliebter Student. Er war Korps 
bursche der Markomannia und Hassia. Bei dem 
letztgenannten Korps war er Konsenior und Senior 
und wurde bei seinem Abgänge zum Ehren 
mitglied gewählt. Karl Bechtel ging später zum 
Baufache über und hat in seinen Stellungen als Bau- 
beamter und Ingenieur Vortreffliches geleistet. Die 
Jugendfreunde und Studiengenossen des Verblichenen 
in unserem Hessenlande werden dem dahingeschiedenen 
gemüthlichen, liebenswürdigen Genossen, dem treuen 
Freunde, stets ein ehrenvolles Andenken bewahren. 
Friede seiner Asche. 
Am 1. Juni verschied zu Hanau plötzlich in 
Folge einer Herzlähmung der Landgerichtspräsident 
a. D. Geheimer Ober-Justizrath Hermann 
Philipp Lang im Alter von 77 Jahren. Mit 
ihm ist wieder einer jener gediegenen alten hessischen 
Juristen aus dem Leben geschieden, welche den Stolz 
unseres engeren Vaterlandes ausmachten. Geboren 
war derselbe, wenn wir recht berichtet sind, 1614 zu 
Rinteln als Sohn des dortigen Obergerichtsanwalts 
August Hermann Lang. Nach absolvirtem Studium 
der Rechtswissenschaft bestand er seinen juristischen 
Vorbereitungsdienst bei dem Obergerichte seiner 
Vaterstadt Rinteln, wurde dann Assessor am Justiz 
amt zu Rodenbcrg. Zum Justizbcamten befördert, 
wirkte er als solcher zu Bockenheim, Neuhof und 
Hanau. 1865 wurde er zum Obergerichtsrathe in 
Hanau ernannt. Nach der Einverleibung Kurhessens 
in Preußen wurde er Kreisgerichtsdirektor in Hanau, 
von da als Stadtgerichtsdirektor nach Frankfurt versetzt, 
wurde er 1879 zum Landgerichtspräsidenten in Hanau 
ernannt, in welcher Stellung er bis zu seiner vor wenigen 
Jahren erfolgten Pensionirung verblieb. Der Ver 
blichene erfreute sich überall, wo er gewirkt, des höchsten 
Ansehens und allgemeiner Beliebtheit. Er zählte zu 
den tüchtigsten hessischen Juristen, und seine treff 
lichen Charaktereigenschaften, sein liebenswürdiges 
Wesen, sein humaner Sinn, sicherten ihm die Hoch 
schätzung Aller, die mit ihm in Berührung kamen. 
Sein Andenken wird stets ein gesegnetes bleiben. 
Am 7. Juni verstarb zu Marburg der Pro 
fessor der Mathematik Di-, med. et phil. Frie 
drich Ludwig Stegmann, Senior der philo 
sophischen Fakultät. Derselbe entstammte unseres 
Wisiens einer hessischen Gelehrtenfamilie, aus welcher 
mehrere Professoren der ehemaligen Universität Rin 
teln hervorgegangen sind. Er war geboren am 
28. Juni 1813 zu Frankfurt a. M., studierte in 
Marburg, Gießen und München zuerst Medizin, 
dann Mathematik; erwarb sich 1835 den medizinischen 
und 1840 auf Grund seiner Dissertation de nova 
quadam methodo quadrandi areas figurarum 
in spbaera descriptarum auch den philosophischen 
Doktorgrad. Nachdem Dr. Stegmann kurze Zeit 
Lehrer am Marburger Gymnasium gewesen war, 
habilitirte er sich 1840 als Privatdozent für Mathe 
matik an der dortigen Universität, wurde 1845 zum 
außerordentlichen und 1848 zum ordentlichen Pro 
fessor ernannt. Zweimal bekleidete er in der Folge 
das Amt des Prorektors, nämlich in den Jahren 
1855/56 und 1861/62. Er warein ausgezeichneter, 
anregender Lehrer, in dessen Lob alle seine Zuhörer 
einstimmig sind. Vor einigen Jahren zwang ihn 
sein vorgerücktes Alter, sich der Lehrthätigkeit und 
jeglichen amtlichen Schaffens zu begeben. Seine 
Forschungen waren sehr mannigfaltig. Selbständig ver 
öffentlichte er „Elemente der ebenen Trigonometrie und 
Stereometrie- (1843), „Geometrie-Untersuchungen 
über die Drehung- (1853), „Lehrbuch der Variations 
rechnung- (1854); seine Einzelstudien erschienen 
durchweg in Gruner's „Archiv-. Sie haben die 
Lehre von den figurirten Zahlen, den Kurven, dem 
sogenannten bcrganlaufenden Doppelkegel, dem Elipsoid 
u. A. m. zum Gegenstände. Seine zahlreichen 
Schüler werden sein Andenken stets in Ehren halten. 
Zu Anfang Juni starb zu Wernigerode am 
Harz der Geheimrath Dr. Rudolf Elvers, 
der in früheren Jahren mannigfach und bedeutsam 
literarisch hervorgetreten ist. Er war am 6. Sep 
tember 1825 zu Güttingen geboren, Sohn des Pro 
fessors der Rechte, nachmaligen Oberappellations- 
gerichtsraths zu Kassel, Dr. Christian Friedrich 
Elvers. Er besuchte das dortige Gymnasium und 
machte an dem Gymnasium zu Marburg Ostern 
1846 sein Maturitätsexamen, studierte hiernach zu 
Marburg, Heidelberg und Berlin Rechtswissenschaft 
und nahm, als im Frühjahr 1848 der deutsch 
dänische Krieg ausbrach, an demselben als Freiwilliger 
in der schleswig-holsteinischen Armee Theil. Sodann 
beendigte er seine Studien in Marburg und trat 
nach bestandenem Staatsexamen als Referendar bei 
dem Obergerichte in Kassel ein. Als von Schleswig- 
Holstein nach der Niederlage bei Jdstedt an die 
früheren Kämpfer die Aufforderung zur erneuten Theil 
nahme am Kampfe erging, glaubte er diesem Rufe 
folgen zu müssen, und nachdem er deshalb aus dem 
hessischen Dienstvcrhältnisie seinen Abschied genommen 
hatte, trat er wieder in die schleswig-holsteinische 
Armee ein und nahm als Oberjäger und später als 
Fähnrich an den letzten Kümpfen Theil. Rach der 
im Februar 1851 erfolgten Auflösung der Armee 
kehrte er nach Kassel zurück. Hier wurde ihm der 
Wiedereintritt in den kurhessischen Dienst versagt. 
Er begab sich nun nach Güttingen und habilitirte 
sich daselbst, nachdem er am 23. Oktober 1851 zum 
Doctor iuris promovirt worden war, im Frühjahr 
1852 als Privatdozent des römischen Rechts. Bis
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.