Full text: Hessenland (5.1891)

162 
die Aufführung that ihr Bestes zum Gelingen des 
Werkes. Das Stück wurde mit lebhaftestem Beifall 
aufgenommen und der Verfasser am Schlüsse stürmisch 
gerufen. 
Durch einen neuen werthvollen Zuwachs von 
Büchern zählt die Joseph S ch w a n k' s ch e 
Stiftung in der Fulda er Landesbibliothek 
jetzt mehr denn 4500 Bände. Reichlich sind unter 
denselben die „Hassiaca“ und „Fuldensia u vertreten, 
und das gereicht der Anstalt selbst zu ganz besonderem 
Vortheile. Die Schwank'sche Stiftung, errichtet durch 
Allerhöchst genehmigten Vertrag vom 10. Mai 1886, 
liefert ein lebendiges Zeugniß von der pietätsvollen 
Anhänglichkeit des jetzt in Frankfurt a. M. wohnenden 
Schenkgebers, Herrn Joseph Schwank, an seine Vater 
stadt Fulda und verdient die dankbarste Anerkennung 
Aller, die sich für die Landesbibliothek Fulda inter- 
essiren. — Die Landesbibliothek Fulda, welche, 
ohne Hinzurechnung der Schwank'schen Stiftung, über 
70 000 Bände umfaßt, ist bekanntlich reich an sehr 
werthvollen alten Manuskripten und Inkunabeln. 
Nach neuester Zählung besitzt sie allein 697 Codices 
und 624 Inkunabeln, deren Verzeichniß demnächst 
im Drucke erscheinen wird. 
Die Stadt Rotenburg a./F. ist in den Besitz 
einer werthvollen Naturaliensammlung, die 
namentlich reich an ausgestopften Vögeln ist, gelangt. 
Der am 24. Januar d. I. dortselbst verstorbene 
Kreisphysikus Sanitätsrath Dr. Heinrich Eisenach, 
welcher nicht nur ein ausgezeichneter Arzt, sondern 
auch ein tüchtiger Naturforscher und als solcher ein 
eifriger Sammler von Naturalien war, hat dieselbe 
durch letztwillige Verfügung der Stadt Rotenburg 
vermacht. Sie soll in den Räumen des Altstädter 
Schulgebäudes untergebracht werden. 
Universitätsnachrichten. Am Freitag, den 
26. dieses Monats findet zu Marburg die 
feierliche Einweihung der neuen Uni- 
versitätsaula in Anwesenheit des Kultus 
ministers Grafen von Zedlitz-Trützschler statt. — 
Bekanntlich hatte der hessische Kommunallandlag be 
schlossen, der Aula als würdigen Schmuck das lebens 
große Oelbildniß des Landgrafen Philipp des Groß 
müthigen, des Stifters der Universität Marburg, zum 
Geschenke zu machen, und war seitens des Landes 
ausschusses der Maler Walther Merkel zu Kassel 
mit der Ausführung des Gemäldes nach dem 
Brosamer'schen Holzschnitte beauftragt worden. Das 
selbe ist bereits am 11. d. M. in Marburg einge 
troffen und in der Aula an seinem Platze zwischen 
den Bildern des Kaisers Wilhelm I. und des Kaisers ! 
Friedrich angebracht worden. Das Gemälde ist von ; 
seltener Vollendung. Es zeigt den Landgrafen in j 
jugendlichen Jahren, mit dem Harnisch. angethan. - 
Auf dem Haupte trägt er den breiten, geschlitzten 
Hut, von dem roth-weiße Federn herabwallen. Mit 
dem Szepter stützt er sich auf ein Tischchen, auf 
welchem auch der Helm des Landgrafen mit aufge 
schlagenem Visiere steht. Den Hintergrund des Ge 
mäldes bildet die Stadt Marburg mit dem Schlosse, 
während im Vordergründe zur Rechten des Landgrafen 
grünes Blattwerk die Figur desselben trefflich hervor 
treten läßt. Der aus Eichenholz prachtvoll geschnitzte 
Rahmen wirkt vorzüglich mit dem Bilde zusammen; 
derselbe zeigt oben das hessische Wappen in tadelloser 
Schnitzerei. — 
Dem außerordentlichen Professor in der philo 
sophischen Fakultät der Universität Marburg Dr. C. 
Alhard von Dr ach ist die Erlaubniß zur Anlegung 
des ihm vom Herzog Friedrich von Anhalt verliehenen 
anhaltischen Verdienstordens für Wisienschaft und 
Kunst ertheilt worden. — 
Die Universität Marburg zählt in diesem 
Sommersemester 952 immatrikulirte Studierende, gegen 
859 im vorigen Wintersemester. Weiter haben 
in diesem Sommersemester noch 18 Personen vom 
Rektor die Erlaubniß zum Hören der Vorlesungen 
erhalten, so daß sich die Gesammtzahl der Berechtigten 
auf 970 erhöht. Von den immatrikulirten Studiren- 
den entfallen 185 auf die theologische, 168 auf die 
juristische, 276 auf die medizinische und 323 auf die 
philosophische Fakultät. Der Staatsangehörigkeit nach 
vertheilen sich die Studierenden auf folgende Länder: 
Preußen 747 (Hessen-Nassau 297), übrige Reichs 
länder 138, Oesterreich-Ungarn 9, Frankreich 1, 
Großbritannien 13, Niederlande 2, Rußland 5, 
Schweiz 9, Türkei 1, Afrika 2, Amerika 1, Asien 4, 
Australien 1. — 
Die Zahl der immatrikulirten Studierenden der 
Universität Gießen beträgt'in diesem Sommer 
562, zu denen noch 19 nicht immatrikulirte Hörer 
kommen. Auf die einzelnen Fächer vertheilen sich 
die Zahlen folgendermaßen: Theologie 93, Rechts 
wissenschaft 102, Medizin 122, Thierheilkunde 33, 
Zahnheilkunde 8, Kameralwissenschaft 49, Forstwissen 
schaft 21, Mathematik 13, klassische Philologie 37, 
neuere Philologie 23, Philosophie und Naturwissen 
schaft 11, Geschichte 4, Pharmazie 18, Chemie 28. 
Die philosophisch-theologische Lehranstalt 
des bischöflichen Priesterseminars zu Fulda zählt in 
diesem Semester 60 Studierende der Theologie, von 
denen 9 der Diözese Osnabrück, 24 der Diözese 
Limburg und 27 der Diözese Fulda angehören. 
Außerdem besuchen noch 5 Mitglieder vom Orden 
des hl. Franziskus die Vorlesungen. 
Todesfälle. Am 14. Mai starb zu Hagen 
in Westphalen nach längerem Leiden der Königliche 
Baurath a. D. Karl Vechtel. Derselbe war zu 
Hailen bei Mecrholz im Jahre 1823 als ältester 
Sohn des damaligen Rechtsanwalts Karl Bechtel
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.