Full text: Hessenland (5.1891)

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erworben hatten: die Grafschaft Hessen, seit 
dem letzten Gras Werner Lehen des Erzstifts 
Mainz, die Schirmvogtei über die Abtei Hcrs- 
feld, die Vogtei über die Stifter und Klöster 
Hasungen, Breiteuau und Fritzlar. Die 
Landgrafen scheinen die letzten Felsbergcr Grafen 
durch ihr erdrückendes Ucbergewicht aus Hesse» 
geradezu verdrängt zu haben. 
Bis vor kurzem wurde die Erwerbung der 
Grafschaft Felsberg durch die Landgrafen auf 
eine Heirath Hedwigs, der Wittwe Graf 
Giso's IV. von Gudcnsberg, der Stiefmutter 
der gleichnamigen Gemahlin Landgraf Ludwig's 
und Tochter des bereits genannten Grafen 
Meginfrid von Felsberg und der Ma 
thilde von Willofsbach, mit Landgraf Lud- 
wig's Bruder Heinrich Raspe zurückgeführt, 
weil die Gosecker Chronik, eine im allgemeinen 
gut unterrichtete Quelle, diese Thatsache berichtete. 
Landau hat indes in seinem Aufsähe über 
den Uebergang der Gisonischen und 
Wernerischen Besitzungen auf die Land 
grafen von Thüringen, gestützt auf eine in 
Lacomblet's Urkundenbuch zur Geschichte des 
Niederrheins abgedruckte Urkunde unwiderleglich 
erwiesen, daß die Wittwe Graf Giso's nicht 
Hedwig, sondern Kunigunde hieß, daß sie 
nicht eine Gräfin von Felsberg, sondern eine 
Gräfin von Bilstein aus rheinischem Ge 
schlecht war. 
Die erste sichere Kunde von einer geschlossenen 
Ortschaft Felsberg unterhalb der Burg stammt 
aus dem Jahre 1247. Am 28. Mai 1247 ver 
lieh Herzog Heinrich von Brabant als 
Vormund seines Sohnes Heinrich, des spätern 
ersten Landgrafen von Hessen, das Patronat 
der Kirche zu Felsberg dem Deutschen Orden, 
eine Verfügung, die von des Herzogs Wittwe 
Sophie am 25. März 1248 bestätigt wurde. 
Der Orden gründete hier eine Komthurei, die 
bis zur Auflösung desselben in den Staaten des 
Rheinbunds im Jahre 1809 bestanden und ge 
wiß erheblich zur Hebung und Vergrößerung des 
Ortes Felsberg beigetragen hat. 
Das Patronat zu Fclsberg gehörte zu den 
Mainzer Lehen der Landgrafen von Hessen, die 
während des ganze» Mittelalters eine Quelle 
unaufhörlicher Streitigkeiten zwischen den Land 
grafen und den Erzbischöfen bildeten. Am 
9. September 1263 wird unter den Besitzungen, 
mit denen Erzbischof Werner die Landgräfin 
Sophie und ihren Sohn Landgraf Heinrich 
belehnte, auch das Patronat von Felsberg be 
sonders aufgeführt. 
Als Stadt erscheint Felsberg zuerst am l. Mürz 
1286. Der Schultheiß Heidenreich und die 
Nathshcrren (con8ulo8), unter ihnen Heinrich 
von Breidenlo und Kuno von Hefserode, 
bezeugten damals den Verkauf von Gütern zu 
Herboldshausen seitens des Ritters Eckard 
von Felsberg an das Haus des Deutschen 
Ordens zu Marburg. Am 30. Oktober 1289 
werden Bürger von Felsberg genannt. nämlich 
Jo ha nnvonHarlon, Heinrich von Breidenlo, 
sein Brüder Rupert und Ditmqr Junge. 
In einer Urkunde vom 9. Juli 1293 ist die Rede 
von der civitas in Velsberg, ihren Schöffen 
(scabini), die den vorhin erwähnten Rathsherrcn 
entsprechen, auch erscheint das Siegel der oivitaL. 
Dies erste erhaltene Siegel der Stadt ist drei 
eckig und enthält einen gehörnten Helm, an den 
Hörnern mit Lindenblättern geschmückt, ganz 
gleich dem Helme Landgraf Heinrich's I. auf 
dessen Reitersiegel, darunter eine fünfblüttrige 
Blume, die Umschrift lautet: S1GILLUM 
CIVITATIS DE WILSBERG. 
Der erste Bürgermeister Jan von Erfurt 
wird 1336 genannt, neben ihm die Schöffen 
Cunrat Freund, Dietmar Volinsanc 
und Ludwig Landgrebe. Im Jahre 1400 
bestand der Stadtrath aus dem Bürgermeister 
Cunrad Gebeck und sechs Schöffen. 
Bis die Stadt einen eigenen Bürgermeister 
erhielt, hatte der landgräfliche Schultheiß auf 
dem Schlosse neben dem Amte Felsberg auch 
die Stadt zu verwalten, letztere in Gemeinschaft 
mit den Schöffen. Dieser Umstand ist insofern 
von Bedeutung, als daraus entnommen werden 
kann. daß die Erhebung des Ortes Felsberg 
zur Stadt auf die Landgrafen zurückzuführen ist. 
< Fortsetzung folgt.) 
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Marburg. 
Steigt, Gäste, auf zürn Schlosse, zum alten Fürstenhaus, 
Und schaut in Näh' und Ferne zum schönsten Bild hinaus. 
Hier laßt das Auge schweifen am Horizont umher, 
Aussicht, die dieser gleichet, zeigt sich Dir nirgends mehr. 
Ein Silberfaden schlängelt, ein glitzernd Filigran, 
Durch Felder sich und Wiesen, der Spiegel ist's der Lahn, 
Noch nicht im Laus beenget geht frei sie chre Spur 
Hier grad und dort im Bogen, wie's vorschrieb'die Natur. 
Um's Thal zieht eine Mauer, ein Wall mit Grün bedeckt, 
Das ist das Lahngebirqe, das Wanderlust erweckt. 
Der Frauenberg im Süden mit alterndem Gestein, 
Wo in den Fehdezeiten die Ritterschaar zog ein. 
Die Hessenflur zu schützen, wenn aus Amoeneburg 
Raubgierig ost die Feinde die Flur gejagt hindurch. 
Im O st auf Bergesrücken siehst Du die Spiegelslust, 
Den Thurm, gebaut auf Felsen, den Du bewundern mußt, 
Und fühlst Du ein Verlangen, so geh, Du bist noch jung. 
Besteige seine Zinnen, Dich hebt Begeisterung,
	        

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