Full text: Hessenland (5.1891)

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Landau vermuthet i» bett „Ritterburgen", das; 
die Basaltkegel der Altenburg und der Felsenburg 
wegen ihrer strategischen Wichtigkeit bereits 
chattische Ansiedlungen und Befestigungen gegen 
die Römer getragen hätten; diese Annahme ist 
um so glaublicher, als sich ganz in der Nähe 
das alte Mattium (Maden bei Gudensberg) 
mit dem Stammesheiligthum der Chatten befand 
und die Römer im Jahre 15 nach Christi Geburt 
in der That die Chatten an der Eder geschlagen 
und Mattium zerstört haben. 
Wie der Name andeutet, ist die Altenburg 
wohl die ältere von beiden. 
Der Name Felsberg (in den mittelalterlichen 
Urkunden Filisberg, Velsberc, Uelsberh, Vels- 
perc, Yilsperg, Yelsberg, Visperg, Vilsberg, 
Velis-, Veils-, Velsperg, Visberg, Wilsberg, 
Welssperg) erscheint zum ersten Male in einer 
Urkunde vom Jahre 1100, in welcher Mathilde, 
die Wittwe Graf Meginfrid' s von Felsberg, 
der Abtei Hers seid einen Leibeigenen nebst 
den Dörfern Mühlbach und Sa aßen (bei 
Neuenstein) schenkt. 
Damals war die Burg Sitz eines Grafen 
geschlechts. das unter den in Niederhessen 
nach dem Zufall des alten Stammesherzogthums 
Franken entstandenen selbständigen Gewalten 
nächst den Grafen von Gudensberg die angesehenste 
gewesen sein dürfte. 
Bereits die Vorfahren des eben genannten 
Grafen Meginfrid, der, freilich ohne den Zusatz 
„von Felsberg", schon in Urkunden aus den 
Jahren 1059 — 1095 erwähnt wird, dürften in 
der Gegend ansässig gewesen sein, wenigstens ist 
höchst wahrscheinlich, daß ein in einer Urkunde 
Kaiser Otto's I. vom 24. Februar 960 angeführter 
Graf Meginfrid als Stammvater des alten 
Felsberger Grafengeschlechts anzusehen ist. Seine 
Grafschaft erstreckte sich nach Rommel etwa von 
der Grenze der Abtei Hers seid oder der 
Gegend von Rotenburg an der Fulda über 
Morschen bis nach Felsberg. Bestimmt wissen 
wir, daß die Dörfer Solz und Ende dazu ge 
hört haben. 
Aus der oben angezogenen Urkunde von 1100 
erfahren wir noch, daß die Wittwe Graf 
Meginfrid's eine Schwester Graf Berthold's, 
(vermuthlich aus dem Geschlechte der Grafen 
von Willolfsbach bei Niederaula), war, aus 
deren Vereinigung mit den Grafen von Schauen 
burg am Habichtswalde später die Grafen von 
Wallen stein hervorgegangen sind, sowie daß 
Graf Meginfrid einen Bruder Namens Heinrich 
hinterließ, der Untervogt (subadvocatus) der 
Kirche Hersfeld war. 
Auf eben diesen Heinrich führt man die Grafen 
von Felsberg des 12. und 13. Jahrhunderts zurück. 
i Hcinrich's Tochter soll nach Schmidt und 
Rommel an Gras Boppv I. von Reichenbach 
vermählt gewesen sein, der wie sein vermuthlicher 
Schwiegervater Untervogt der Abtei Hersfeld 
war. Die Annahme von den verwandschaftlichcn 
Beziehungen zwischen den Felsberger Grafen 
und den Grafen von Reichenbach (später 
Ziegenhain) stützt sich weiter darauf, daß 
beide Häuser mehrfach gleiche Namen aufzuweisen 
haben, die Namen Boppo und Bert hold ge 
hören beiden an. Graf Boppo von Felsberg, 
möglicherweise ein Neffe Boppo's I. von 
Reichenbach und Sohn Gottfried's I. von 
Wegebach, erscheint zwischen 1150 und 1187, 
einer seiner Nachkommen, Gras Berthold voit 
Felsberg, um 1248 und dessen Söhne Wide- 
kind und Berthold um 1286. 
An Felsberg selbst, Burg und Ort, dessen 
Anfänge aller Wahrscheinlichkeit nach am Fuße 
des Burgfelsens bereits vorhanden waren, hatten 
die letzten Felsberger Grafen freilich keinen An 
theil mehr, bereits 1238 müssen dort die Land 
grafen von Thüringen Herren gewesen sein. 
In einer Urkunde Landgraf Heinrich Raspe's 
von Thüringen, vom 29. September 1238 
stoßen wir auf dessen Vasall (fidelis) Her 
mann von Felsberg aus einem dort ange 
sessenen Ministerialen- bezw. Rittergeschlechte, 
der mit den Grafen von Felsberg, wie sein bis 
zum Jahre 1181 zu verfolgender-Stammbaum 
ergiebt, nichts gemein hat. 
Graf Berthold der Aeltere von Felsberg, 
durch seine Mutter Sophie von Homburg 
an der Weser begütert, zog nach Niedersachsen, 
seine letzten Güter in Hessen vermachte er 1253 
dem Kloster Breitenau, dessen Schirmvögte 
die Landgrafen waren. 
Die Landgrafen waren den Felsberger Grafen 
schon länger so bedenklich nahe gerückt, daß in 
der Gegend von Felsberg und Gudensberg für 
eine andere Macht kaum noch Raum war. 
Nach dem Tode Graf G i s o' s IV. von 
Gudensberg aus dem Geschlecht der aus dem 
Oberlahngau stammenden Gisonen, der seinen 
Schwiegervater, den letzten der alten Grafen 
von Gudensberg Wernerischen Geschlechts soeben 
beerbt hatte und dadurch in den Besitz des 
Haupttheils von Niederhessen gelangt war, kamen 
dessen sämmtliche Besitzungen um das Jahr 1122 
durch Vermählung seiner Tochter Hedwig mit 
Landgraf Ludwig I. von Thüringen an die 
Landgrafen. Dem Felsberger Grafenhause wird 
es sehr schwer geworden sein, gegenüber den 
Landgrafen seine Selbständigkeit zu behaupten, 
da dieselben durch die eben erwähnte Heirath 
allein in Niederhesiey, zum größten Theil in 
unmittelbarster Nähe pon Felsberg, Folgendes
	        

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