Full text: Hessenland (5.1891)

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Napoleonische Dotationen in Hanau 
und Fulda. Nach der Schlacht von Jena, 14. 
Oktober 1806, kamen die Grafschaft Hanau und 
das Fürstenthum Fulda unter französische Ver 
waltung. Kaiser Napoleon, welcher bekanntlich die 
Dienste seiner Marschälle, Generale, Staatsbeamten rc. 
glänzend zu belohnen pflegte, schenkte im Jahre 1807 
von Fuldaischen Besitzungen das Schloß und 
Gut Johannisberg im Rheingau dem Marschall 
Kellermann, Herzog von Valmy, das Lustschloß 
Fasanerie (Adolfseck) nebst den Domänen Eichenzell 
und Ziehers, sowie das Propsteigut Holzkirchen in 
Franken dem Divisionsgencral und Großmarschall des 
Palastes Duroc, Herzog von Friaul. Bon H a n a u i sch e n 
Besitzungen und Bermögensobjekten erhielt (vergl. 
K. Arnd, Geschichte der Provinz Hanau pag. 351 
sq.) die Lieblingsschwester Napoleon's Pauline, ver 
ehelichte Fürstin Borghese: das Schloß Philippsruhe 
mit Zubehörungen, das Hofgut zu Kesselstadt, den 
Brückenzoll auf der Hellerbrücke, die Teiche bei Hanau, 
das Frankfurter Thor, das Posthaus und Militär 
spital zu Hanau, den Kollegienbau, das Komödien 
haus, das Zeughaus, das Gouvernementsgebäude 
daselbst, den Neuhof, den Lehnhof, den Wolfgang- 
und Lamboibrückenforst, sämmtliche Alleen um die 
Stadt Hanau, das Bergwerk zu Bieber, das Blau- ! 
farbenwerk und Hofgut zu Schwarzenfels, den Heu 
bacher Forst, endlich sämmtliche Erbzinsen, Zehnten, 
Schäfereiberechtigungen und herrschaftlichen Weinberge 
in den Aemtern Büchcrthal, Bieber und Schwarzen 
fels. Diese Dotation war auf 200 000 Franken 
jährlicher Einkünfte angeschlagen. Dem Marschall 
Davoust, Herzog von Auerstädt, Fürsten von Eckmühl, 
war eine Dotation von 150 000 Franken zugedacht: 
er erhielt die Saline zu Nauheim. General Graf 
Lemarrois wurde mit 50 000 Franken dotirt: er 
erhielt das Wilhelmsbad mit dem dasigen Hofgute 
und dem Kinzigheimerhofe, sowie mehrere Güter zu 
Bruchköbel, Ober- und Niederissigheim. Graf Frochot 
empfing eine Dotation von 20 000 Franken: er er 
hielt die Baicrsröder- und die Hirzbacher Höfe, die 
herrschaftlichen Güter von Windeckeu, Eichen und 
Hcldenbuchen, endlich die Naumburg. Dem Grafen 
Regnier war eine Dotation von 10 000 Franken 
zugedacht: es wurden ihm der Gronauerhof und die 
herrschaftlichen Wiesen bei Ginnheim überwiesen. — 
Alle diese Dotationen gingen nach der Schlacht von 
Leipzig am 18. Oktober 1813 ihren damaligen Be- ! 
sitzern verloren und wurden wie früher wieder Staats- ! 
eigenthum. Schloß und Gut Johannisberg im ! 
Rheingau erhielt 1816 Fürst Metternich, die Propstei > 
Holzkirchen der Prinz Leopold von Sachsen-Coburg, , 
der nachmalige König der Belgier. Durch Tausch- z 
vertrag kam letztgenanntes Gut später in den Besitz j 
der Grafen von Castell. 
Bekanntlich ist unter unserem Volke das „Be 
sprechen" von Krankheiten bei Menschen und Vieh 
vermittelst alter geheimnißvoller Formeln, welche von 
Mund zu Munde fortgepflanzt werden, noch in 
häufigem Gebrauch. Trotz aller Bemühungen, welche 
sich Kirche und Schule gegeben haben, die Menschen 
von der Wirkungslosigkeit der meist widersinnigen, 
oft gotteslästerlichen Formeln zu überzeugen, hält 
das Volk noch immer den Glauben an deren wunder 
same Wirkung fest und sucht lieber Hülfe bei einer 
alten Frau oder einem „weisen" Mann, der gegen das 
betreffende Uebel „kann", als daß es zu einem Arzt 
geht. In den hinterlassenen Papieren des weiland 
Archivraths Bernhard zu Hanau, Verfassers der Ge 
schichte des Klosters Naumburg und der Antiqui- 
tates Wetteraviae, fand Einsender dieses einen 
solchen Zauberspruch, welchen Bernhard in einem 
aus dem Kloster Naumburg (bei Windecken) stam 
menden Buch entdeckte und welcher lebhaft an die 
altheidnische Zauberformel erinnert, nur daß dieselbe 
christianisirt ist. Sie lautet: 
wye das pferdt eyn färbe hat also neue das pferdt 
und sprich: fogß brun oder schümmel rc.: du 
habest den worin oder dye sychel (vielleicht den 
Strenget, eine häufige Pserdekrankheit) alßbald 
sol es dyr vergan als Nycodemus der heylig man 
unsern Hern Jesum Crist vom Creyz nam in dem 
uamen deß vatters und des sones und des Heyligen 
geystes. Amen. Sprich 5 pater no8ter fünf 
ave maria und eyn glauben den leyden Jhesu 
Cristi. W. I. 
Merkwürdiger Erlaß des Landgrafen 
Friedrich II. von Hessen-Homburg. Im 
Jahre 1699 ging von dem Landgrafen Friedrich II. 
von Hessen-Homburg, genannt „mit dem silbernen 
Bein" (reg. 1681 bis 1708) der folgende höchst 
sonderbare Erlaß aus — ein Beweis des krassen 
Aberglaubens jener Zeit — der im VIII. Hefte 
des Journals „Jllustrirte Welt" vom Jahre 1888, 
Seite 192 und 19 4 abgedruckt ist, dabei aber 
irrthümlicher Weise dem Landgrafen Friedrich I. 
von Hessen-Homburg zugeschrieben wird, welcher 
schon im Jahre 1638 starb Auch im übrigen 
will sich Einsender für die Richtigkeit des Wortlautes 
nicht verbürgen. 
„Demnach Se. Hochfürstliche Durchlaucht be 
richtet worden, daß am nechstkünftigen Mitt 
wochen Umb 10 Uhr eine gar gefährliche Finsterniß 
der Sonne soll seyn, alß haben Se. Hochfürstliche 
Durchlaucht als ein rechter Landesvater auch 
für ihre Unterthanen hierin sorgen und Ihnen 
andeuten lassen wollen, daß Sie ihr Vieh den 
Tag zu Vor, vnd etzliche Tage hernach zu 
Hause halten, vnd deSfalls das nötig Futter
	        

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