Full text: Hessenland (5.1891)

„daß ihrem Suchen, sie ferner im Dienst zu 
behalten, oder ihnen einiges Reisegeld verabreichen 
zu lassen, höchsten Orts nicht gesägt worden. 
Am 4. Oktober 1787 erhielten trotzdem der Maler 
I. C. Fischer, die Dreher Rüdiger, Fischer 
und Bode noch einen Monat ihres Gehalts von 
dem Tage ihrer Entlassung an zugestanden. Im 
Jahre 1786 mit einem Unternehmer Jakob 
Dort» aus der französischen Kolonie in Berlin, 
der vorher fünf Jahre in Ryon etablirt gewesen 
■ war, gepflogene Verhandlungen wegen Uebernahme 
l der Porzellanfabrik blieben ohne Resultat und 
! wurden durch Zeitungsanzeigen gegen Ende dieses 
l Jahres für sämmtliche Fabriken geeignete Entre 
preneurs gesucht. Für die Porzellanfabrik fand 
sich jedoch kein Liebhaber. 
(Fortsetzung folgt.) 
fom Warnen des Dichters Kuricius Loröus. 
Von T. Krauft. 
In Nr. 9 dieser Zeitschrift wurden zwei erst 
kürzlich bekannt gewordene Gedichte des E u r i - 
eins Cvrdus aus dem Jahre 1616 init- 
getheilt, wobei auch auf die Wichtigkeit derselben 
als neuer Quellen für den in starkes Dunkel 
gehüllten Bildungsgang des Dichters hingewiesen 
wurde. Diese und eine zweite, gleichfalls früher 
noch nicht verwerthete Quelle setze» uns in den 
Stand, die Zeit der Schulbildung unseres Dichters 
in viel genauerer Weise, als dies bisher möglich 
war, darzustellen, namentlich auch den bis dahin 
völlig unbekannten Namen desselben — denn 
Euricius Cordus war nur sein angenommener 
Dichtername — mit aller Sicherheit zu ermit 
teln. Wenn ich in dem früheren Artikel über 
Eordus eine ausführliche Darstellung der ganzen 
Frage in diesen Blättern in Aussicht gestellt 
habe, so soll nicht etwa die folgende Mittheilung 
eine Erfüllung jenes Versprechens sein. Viel 
mehr ist eine zusammenfassende wissenschaftliche 
Behandlung des Gegenstandes zunächst der Ein 
leitung zu den drei ersten Büchern der Epi 
gramme des Cordus vorbehalten, welche dem 
nächst in der Sammlung der „Lat. Litteratur 
denkmäler des 15. und 16. Jahrh." erscheinen 
werden; zugleich soll aber, da in jener Ein 
leitung nur die Hauptsache berührt werden kann, 
eine ausführlichere und erweiterte Darstellung 
in dieser Zeitschrift erfolgen, damit auch die 
nicht rein fachwissenschaftlichen Freunde der hes 
sischen Literaturgeschichte Gelegenheit finden, 
von dieser für das engere Vaterland Hessen 
immerhin einiges Interesse beanspruchenden An 
gelegenheit Kenntniß zu nehmen und sich ein 
eigenes Urtheil zu bilden. 
Der Zweck der folgenden Zeilen ist es nun, 
einige besondere Gesichtspunkte aus der ganzen 
Frage hervorzuheben und in weiteren Kreisen 
zur Kenntniß zu bringen, um dieselben anzu 
regen, dem Verfasser bei der Ermittelung einiger 
noch nicht genügend klargelcgter Punkte ihre 
freundliche Beihülse gewähren zu wollen. Es 
handelt sich nämlich um die Feststellung gewisser 
Traditionen, die noch heut zu Tage in Ober 
simtshausen, dem Geburtsorte des Cordus, über 
dessen Namen lebendig sind, und um die Er 
mittelung darüber, welcherWerthjenenTraditionen 
nach der muthmaßlichen Art ihrer Entstehung 
und Fortpflanzung wohl beizulegen sein dürste. 
Wenn ich hierbei ein erst durch mühsame Unter 
suchungen gewonnenes Ergebniß vorgreifend be 
kannt gebe, so ist das eben nicht zu umgehen. 
Denn gerade um diesen von mir gefundenen 
Namen des Cordus und um sein Verhältniß zu 
der Volksüberlicferung in Obersimtshausen soll 
es sich im Folgenden handeln. Auf welchem 
Wege ich zur Ermittelung dieses Namens gelangt 
bin, wird der freundliche Leser später erfahren; 
für jetzt bitte ich ihn, sich mit dem bloßen 
Namen zu begnügen. 
Der ursprüngliche Familienname des Cordus 
war Solde. Er ist Michaelis 1505 als 
Heinricus Solde de Franckenbergk 
an der Universität Erfurt immatrikulirt') und 
unter demselben Namen zum Bakularms der 
Philosophie 1507 promovirt worden. Kein Zu 
satz in den Matrikelbüchern verräth, daß wir 
in diesem Namen den großen Dichter der Re 
formationszeit und den leidenschaftlichen Vor 
kämpfer Luthers, Euricius Cordus, vor uns 
haben. Daß er, obwohl in Obersimtshausen 
geboren, als Frankenberger eingetragen wurde, 
erklärt sich daraus, daß Frankenberg der nächste 
größere Ort bei seiner Heimath und wahrschein- 
>) Herm. Weißenborn, Akten der Univ. Erfurt 
Herausgeg. von der histor. Kommission der Prov. Sachsen. 
I I. Halle 1884. S. 242.
	        

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