Full text: Hessenland (5.1891)

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zeugte sich auch vou der Richtigkeit der ihm hierüber 
gemachten Angabe, glaubte sich jedoch dabei nicht 
beruhigen zu dürfen, da er sich nicht zu erklären 
vermochte, daß ein offenbar so stark betretener 
Pfad in solcher Weise plötzlich sich spurlos ver 
lieren könne. 
Er begab sich daher mit einem Detachement auf 
einem Umwege auch nach der jenseits des Dickichts 
gelegenen Plantage am Skottsbache und fand alsbald 
auf einem von da nach jenem Dickicht hinführenden 
Damme die Fortsetzung jenes Fußpfades. Bei dessen 
näheren Erforschung stellte cs sich nun heraus, daß 
derselbe an jener Sumpfstelle im Dickicht allerdings 
schwer gangbar, aber doch nichts weniger als un- 
passirbar sei und auch in der Richtung von der 
Plantage nach der Stelle, wo die Feldwache aufgestellt 
werden sollte, ganz leicht zu verfolgen war. 
Es ward derselbe daher auch sofort angemessen 
besetzt, so daß der Feind, als er einige Zeit darauf 
sich auf solchem vorzuschleichen versuchte, um jene 
Feldwache zu überfallen, hier auf angemessenen 
Widerstand stieß, in Folge dessen sein Unternehmen 
mißglückte. 
Spätere Erkundigungen lösten auch noch die an 
fänglich so räthsclhafte Beschaffenheit jenes Fußpfades 
sehr einfach dahin, daß solcher vorzugsweise nur von 
den über jene Plantage heimkehrenden Holz 
flößern, also somit auch nur nach einer Richtung hin, 
stark benutzt zu werden pflegte. 
XXII. 
Airs Patrouille bei Hondspoint in 
Birginien, 178 1. Im Feldzuge von 1781 in 
Virginien ließ der General Arnold einstmals in einer 
Nacht den Oberstlieutenant Simcoe mit 500 Mann 
au der Mündung des Jamesflusses landen, um von 
da aus am folgenden Morgen eine in dortiger 
Gegend bei Hondspoint postirte Abtheilung Amerikaner 
unter Baron von Steuben, welche die Rückzugslinie 
des Arnold'schen Korps bedrohte, im Rücken an 
zugreifen. Da man die dortige Gegend nicht genau 
kannte, entsendete Oberstlieutenant Simcoe die Haupt 
leute Ewald und Schmidt mit vier Jägern als 
Schleichpatrouille, um das vorliegende Terrain einiger 
maßen auszukundschaften. Hierbei eine gebahnte, 
mit starken Nußbäumen bepflanzte Straße verfolgend, 
vernahm Ewald Plötzlich den Huftritt einer im 
Trabe herankommenden Neiterabtheilung. Das 
Gelände zu beiden Seiten jener Straße war völlig 
offen, und zudem tagheller Mondschein. Ein Ver 
stecken oder Entrinnen war daher unmöglich. Es blieb 
nichts übrig, als Leben und Freiheit wenigstens 
theuer zu verkaufen. Rasch entschlossen stellte Ewald 
daher seine wenigen Begleiter hinter den an der 
Straße stehenden Bäumen auf, ihnen gebietend, nicht 
eher zu feuern, als bis er dazu ein Zeichen geben 
würde, und alsdann überhaupt auch nur auf die 
Vordersten des feindlichen Haupttrupps zu zielen. 
Glücklicherweise hatte der Führer jener feindlichen, 
wohl an 30 Mann starken Reiterabtheilung, weder 
Seitenpatrouillen, noch auch einen Vortrupp abgetheilt, 
sondern ritt ihr nur selber einige Schritte voraus. 
Sonach entdeckte derselbe auch die im Anschlage 
liegenden Jäger nicht eher, als bis er auf 15—20 
Schritte an sie herangekommen war, wo er, wahr 
scheinlich durch irgend ein im Mondstrahle erfolgendes 
Aufblitzen eines Metallstückes aufmerksam geworden, 
plötzlich einen lauten Ruf ausstieß und sein Pferd 
parirte. Gleichzeitig hiermit aber gab Ewald das 
verabredete Zeichen zum Feuern. Da die Jäger bei 
dem hellen Mondscheine sicher zu zielen vermocht 
halten, fehlte kein Schuß. Bestürzt prallten die 
feindlichen Neuer erst aus einander, machten dann 
Kehrt und jagten mit verhängten Zügeln davon, 
worauf denn auch Ewald schleunigst seinen Rückweg 
antrat. 
Als Oberst Simcoe mit Tagesanbruch zum An 
griffe vorging, fand er die bisher vom Feinde inne 
gehabte Stellung geräumt. 
Der jene Reiterabtheilung so ungeschickt führende 
amerikanische Offizier mochte nämlich, sein Werk 
zu krönen, über jenes Begegniß auch noch einen 
solchen übertriebenen Bericht abgestattet haben, daß 
Baron von Steuben, einen übermächtigen Angriff 
befürchtend, von freien Stücken den Rückzug an 
getreten hatte. 
Aus Heimath und Fremde. 
Dem ordentlichen Professor der Physik und 
Astronomie und Direktor des mathematisch-physika 
lischen Instituts zu Marburg, Herrn Dr. Franz 
Melde, ist von Sr. Majestät dem Kaiser der 
Charakter als »Geheimer Regierungsrath" verliehen 
worden. Diese Auszeichnung des rühmlichst bekann 
ten Universitätslehrers ist in unserem Hessenlande 
allgemein mit großer Freude aufgenommen worden. 
Seit 1860 ist Dr. Melde als Dozent an der Uni 
versität Marburg thätig, seit 1866, also 25 Jahre, 
wirkt er als Ordinarius und Direktor des mathe 
matisch-physikalischen Instituts. Um das letztere hat 
er sich die wesentlichsten Verdienste erworben. Ihm 
verdankt es seinen gegenwärtigen musterhaften Zu 
stand (wir verweisen diesbezüglich auf den obigen 
Artikel »Der Erweiterungs- und Umbau deS mathe 
matisch-physikalischen Instituts der Universität Mar 
burgs). Professor Melde genießt in der wissenschaft 
lichen Welt den Ruf eines der hervorragendsten Ge 
lehrten seines Faches, seine Thätigkeit als Dozent 
wie als Schriftsteller ist eine gleich vorzügliche und 
ruhmvolle und, the last not least, seine vortreff 
lichen Charaktereigenschaften, seine persönliche Liebens-
	        

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