Full text: Hessenland (5.1891)

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Stocks. Das Souterrain enthält die Heizkammer 
für die Zentral-Luftheizung, ferner einen Raum für 
Kohlen und einen solchen für die Ausstellung der 
Accumulatoren. Das Erdgeschoß enthält vier neue 
Arbeitsräume, nämlich einen ca. 70 Quadrat-Meter 
Grundfläche haltenden Arbeilssaal für Praktikanten, 
ferner zwei kleinere Arbeitsräume, ebenfalls für 
Praktikanten, und dann einen ca. 40 Quadrat-Meter 
Grundfläche darbietenden größeren Arbeitsraum, welcher 
speziell zur Verfügung des Extraordinarius für 
Physik gestellt wurde. Vor diesem Erdgeschoß liegt 
nach N. hin eine Veranda, welche ebenfalls für 
bestimmte Experimente benutzt werden kann. Das 
Mittelgeschoß enthält zunächst nur den Garderobe 
raum für die Studenten, welche die Experimental 
physik besuchen. Sodann aber wird dieses Mittel 
geschoß auch vom großen neuen physikalischen 
Auditorium eingenommen, das nach obenhin noch die 
Höhe des zweiten Stockwerks vorn älteren Institute 
beansprucht und so auch über den Raum der Garderobe 
hinübergeht. Dieses neue Auditorium besitzt einen 
Grundflächen-Raum von 164 Quadrat-Metern bei einer 
O.W.-Länge von ca. 16,9 und einer R.S.-Breite 
von ca. 9,7 Metern, während die Höhe 7 Meter 
beträgt. Die Sitzreihen erheben sich von O. nach W. 
terrassenförmig und bieten bequem für 168 Zuhörer- 
Platz. Die Fensteranlage besteht auf der N. und S. 
Seite, sodaß der Zuhörer- und Experimentirraum 
von zwei Seilen Licht erhalten. Die Experimentir- 
tische befinven sich dem entsprechend auf der O.-Seite, 
von der aus durch zwei Thüren die Verbindung mit 
dem älteren Institute hergestellt ist, desien Fußboden 
in genau gleicher Höhe mit dem Fußboden des neuen 
Auditoriums liegt, sodaß in der bequemsten Weise 
auch die größeren Apparate hin und her transportirt 
werden können. Die künstliche Beleuchtung des 
Auditoriums kann in doppelter Weise geschehen, ein« 
mal nämlich mittelst Gasflammen', theils Siemens-, 
theils Schnittbrenner, und sodann durch elektrische 
Bogen- und Glühlampen. 
Der Haupteingang für die Studirenden befindet 
sich am Westende des Erweiterungsbaues, und führt 
von ihm aus ein stattlicher Treppenaufgang ins 
besondere nach dem großen Auditorium hin, so daß 
die Zuhörer zunächst auf der obersten Terrasse der 
Sitzreihen in's Auditorium eintreten. 
Durch den daneben stattfindenden Umbau des 
älteren Instituts wurden ebenfalls verschiedene Räume 
gewonnen. So zunächst im Erdgeschoß ein Arbeits 
zimmer für einen Privatdozenten der Physik und 
ferner ein Raum speziell für Spektralbeobachtungen. 
Sodann kam im ersten Stockwerk des älteren Ge 
bäudes ein Vorbereitungszimmer für die Experimental 
physik und ebenfalls ein Dunkclzimmer für optische 
Experimente hinzu. Außerdem wurde das alte 
physikalische Auditorium durch eine Wand in zwei 
Theile geschieden, von denen nunmehr der eine ein 
sog. kleines Auditorium für theoretische Physik und 
Astronomie abgiebt, während der andere als Arbeits 
raum für den Direktor verbleibt. 
Eine sehr wesentliche Verbesserung und Hebung 
des ganzen Instituts wurde seit Jahresfrist dadurch 
erzielt, daß ein eigener Instituts-Mechaniker zur An 
stellung kam. Derselbe richtete in einem ebenfalls 
durch den Umbau erhaltenen neuen Raume eine voll 
ständige Werkstätte ein. Erst durch diese Einrichtung 
wird es ermöglicht, daß alle instrumentellen Be 
dürfnisse, soweit insbesondere eine rasche Ausführung 
von Reparaturen und Einrichtungen für bie Vor 
lesungen und Uebungen der Praktikanten erforderlich 
ist, rechtzeitig befriedigt werden können. Da dieser 
Mechaniker auch als Vorlesungs-Assistent zu fungiren 
hat, so können auf diese Weise die Vorbereitungen 
für die Vorlesungen der Experimentalphysik in dauern 
der Weise besser gesichert werden, während früher der 
Institutsdirektor meistens nach je zwei Jahren viel 
Zeit darauf verwenden mußte, um den jedesmaligen 
neuen Vorlesungs-Assistenten wieder dahin zu bringen, 
daß er seine Stelle als solcher auch entsprechend 
versehen konnte. Selbstverständlich ist mit dem 
Institute auch noch ein erster Assistent verbunden, 
der in der Regel alle zwei Jahre wechselt und vorzugs 
weise die eigentlich wissenschaftlichen Arbeiten aus 
zuführen hat und auch während der praktischen 
Uebungen die Studirenden mit zu unterweisen hat. 
Rechnet man noch hinzu, daß seit Jahresfrist auch 
ein besonderer Diener angestellt wurde, dem die 
äußere Instandhaltung des Instituts, ferner die Be 
sorgung der Zentralheizung und des Gasmotors ob 
liegt, so kann das Institut jetzt über personelle 
Unterstützungen verfügen, die früher schmerzlich vermißt 
wurden. 
In Summa sind hiernach durch den Erweiterungs 
und Umbau des Instituts, vom großen neuen Audi 
torium abgesehen, zwölf größere und kleinere Arbeits 
räume theils für die Dozenten, theils für Studierende 
hinzugekommen. Außerdem wurde es nun auch 
möglich, die vorhandene Sammlung von Apparaten 
entsprechender zu ordnen und zu schützen, da früher 
wegen der beschränkten Verhältnisse vielfach in Räumen 
gearbeitet werden mußte, die eigentlich nur für die 
Sammlung der Apparate bestimmt waren und diese 
dann auch sehr zusammengedrängt aufgestellt werden 
mußten. 
Es muß sonach auch bezüglich des mathematisch- 
physikalischen Instituts in dankbarster Weise das 
anerkannt' werden, was die preußische Regierung zu 
desien Verbesserung und Hebung gethan hat, wie 
denn überhaupt die Universität Marburg sich seit der 
Einverleibung Kurhesiens mit dem preußischen Staate 
ganz besonderer Fürsorge der König!. Staatsregierung 
zu erfreuen hat. W.
	        

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