Full text: Hessenland (5.1891)

141 
teni Fuldensem Data Anno MCOCCII die ! 
nachfolgende Bestimmung: „§'12. Statuimus j 
etiam et inviolabiliter observari voluinus, I 
quod quilibet Capitularis et Vicarins Ecclesiae j 
Xostrae in Inventione sanctae Crucis in loco 
Capitulari Decano et Capitulo ibidem praesen- 
tibus publice et expresse singulis annis suos 
testamentarios manufideles, sive ultiinae suae | 
voluntatis Exsecutores eligere debent, et dis- j 
ponere de suis, secnndum quod sibi pro salute 
animae suae videbitur expedire, et ibidem ante j 
omnia Domino nostro Abbati Fuldensi tarn- j 
quam nostro Episcopo et Ordinario ununi j 
Fertonem propter defensionem et manutenen- ! 
tiam earundem voluntatum ultimarum legare 
debet." Der Herausgeber fügt in der An 
merkung b) bei: „Ferto dicitur quarta pars 
marcae et idem est ac Fertung, Fierding; 
marcum autem germanicum viginti solidorum 
pretium habuisse, e speculo Saxonico lib. 3. 
art. 45. § 3. eruimus.“ 
3u Deutsch lautet diese Verfügung: Wir be- j 
stimmen auch und wollen unverbrüchlich beobachtet > 
wissen, daß jeder Kapitular und Vikar unserer 
Kirche am Feste der Auffindung des heiligen 
Kreuzes in dem Kapitelssaale in Gegenwart des 
Dekans und des Kapitels öffentlich und aus 
drücklich jedes Jahr seine testamentarischen Treu 
händer oder Vollstrecker seines letzten Willens 
erwählen und über sein Vermögen verfügen soll, 
wie das ihm für das Heil seiner Seele angemessen 
erscheinen wird, und daß er ebendaselbst vor 
allem unserem Herrn Abte von Fulda, als unserem 
Bischöfe und Ordinarius, einen Ferto für die 
Vertheidigung und Aufrechterhaltung derselben 
letzten Willensmeinung hinterlassen soll." 
Hieriiach hatte der Fürstabt Johann v. Merlau 
(1335- 1440), derselbe, der die Domkirche zu 
Fulda im Jahre 1414 mit dem sog. goldenen 
Rade und im Jahre 1435 mit der im September 
1648 umgegossenen Osannaglocke (vgl. Kroger, 
Fuldensium Antiquitatum Libri IV, pag. 
326—327) beschenkte, den Ko ll eg i atge i st - 
lichen zum heilige »Kreuze in Hü u seid 
am 6. Juni 1402 („in crastino 8. Bonifatii 
Episcopi et Martyris“) die Befugniß. Treuhänder 
oder Testamentsexekutoren zu ernennen und über 
ihren Nachlaß letztwillig zu verfügen, mit der 
Maßgabe ertheilt, daß sie an den jeweiligen 
Fürstabt von Fulda einen Ferto. d. h. den 
vierten Theil einer Mark Silber — fünf Schillinge 
für die Aufrechterhaltung des Testaments seiner 
seits zu lcgiren hatten. 
Dieses Privilegium wurde zwar durch das 
oben genannte Jndult des Fürstbischofs Heinrich 
von Bibra vom 1. Dezember 1764, das allen 
Geistlichen der damaligen Diözese Fulda ohne 
Unterschied die Errichtung von Testamenten in 
formloser Weise einräumte und das noch heute 
in der altfuldaischen Diözese mit Ausnahme des 
dermaligeu Dekanats Geisa geltendes Zivilrecht 
bildet, antiquirt, bietet jedoch von dem rechts 
geschichtlichen Standpunkte aus ein bleibendes 
Interesse, und möge um deswillen durch die 
Aufnahme in dem „Hessenland" der Erinnerung 
erhalten bleiben. 
Fulda. Dr. Braun, 
Domkapitular und Professor. 
Ker Krweiterungs- und Mmbau des mathemaüfch- 
phyflkalischen Instituts der Mniversttät Marburg. 
Unter den in jüngster Zeit für die Uni 
versität Marburg in Betracht kommenden Bauten 
ist insbesondere auch der Erweiterungs- und 
Umbau des mathematisch-physikalischen Instituts 
von Bedeutung. Schon seit einer Reihe von Jahren 
zeigte sich das physikalische Auditorium mehr und 
mehr als zu klein, und wurde dasselbe bei der 
wachsenden Zahl der Zuhörer schließlich völlig un 
genügend, ja sogar gesundheitsnachtheilig. Denn ein 
Raum, der eigentlich nur für 50 Zuhörer genügt 
hätte, mußte deren 120 und mehr aufnehmen. Ab 
gesehen hiervon war es ein weiteres Bedürfniß: für 
die Praktikanten der Physik eine größere Zahl 
Arbeitsräume zu schaffen, insbesondere solche, welche 
eine solide Aufstellung von Präzisionsapparaten ge 
statteten. Da indeß das ältere Institut keineswegs 
als etwa baufällig oder für die Aufstellung einer 
Sammlung von physikalischen Apparaten ungeeignet 
erkannt wurde, so entschloß man sich, gemäß eines 
von dem jetzigen Institutsdirektor aufgestellten Pro 
grammes und Bau-Plans einen Erweiterungsbau 
bezw. Umbau vorzunehmen und zwar nach der West 
seite des Hauptgebäudes hin, an welcher sich ein dem 
Institute gehörender Garten befand, der hinreichend 
Baufläche darbot, ohne daß von dem angrenzenden 
Grundstück des Anliegers, Rentier Quentin, weiteres 
Terrain angekauft zu werden brauchte. Die Grund 
fläche, welche so zur Verfügung stand, betrug 
.320 Quadrat-Meter. Auf ihr wurde sodann der 
eigentliche Erweiterungsbau errichtet, und besteht 
dieser aus den Räumlichkeiten des Souterrains, des 
Erdgeschosses, des Zwischengeschosses und des ersten
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.