Full text: Hessenland (5.1891)

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ihm »vch am Ende meines Briefes dieses Lob 
ertheile." 
Was zunächst die sog. gelbe Steinfaienee be 
trifft. wie die erwähnte Jmitsttion des englischen 
Steinguts damals in Kassel genannt wurde, so 
wurden die ersten Versuche in dieser Richtung 
von dem im Vorigen erwähnten Hofkonditvr 
Simon Heinrich Steitz angestellt, und hatte 
derselbe am 27. September 1771 ein Privilegium 
für seine Waaren erhalten. Nachdem Steitz je 
doch fast sein ganzes Vermögen in diese Unter 
nehmung gesteckt hatte, konnte er die Sache nicht 
weiter mehr fortführen und mußte froh sein. 
daß er im Jahr 1774 sein Etablissement gegen 
eine ziemlich müßige Entschädigung an den 
Landgrafen bezw. die Kriegs- und Domaincn- 
kammer überlassen konnte. In der Zwischenzeit 
war durch den k. polnischen Generalmajor 
Baron Le Fort in der unmittelbaren Nähe 
der fürstlichen Porzellanfabrik vor dem Weißen- 
steiner Thor als Aktienunternehmen eine „Fabrique 
von feuerfesten Steingefüßen" im großartigsten 
Maßstabe begonnen worden; das vom Land 
grafen unterm 19. Mai 1772 ertheilte Privilegium 
begünstigte diese Anlage in hervorragender Weise, 
und war auch Steitz auf speziellen Wunsch des 
Landgrafen veranlaßt worden, der Sache näher 
zu treten, um wo möglich die in seinem Hause 
sowie in seiner Werkstätte (im sog. Loch) befind 
lichen eigenen Etablissements damit zu vereinigen ; 
Steitz hatte sich zunächst erboten, die Herstellung 
mannigfacher feinerer Gegenstände zu leite», 
während im Allgemeinen Steinzcug nach Grenz 
häuser Art verfertigt werden sollte. Wegen 
mangelnden Kapitals und Absatzes trat jedoch, 
noch ehe die Fabrik einigermaßen in Betrieb 
kam, Konkurs ein, und übernahm die landgrüf- 
liche Regierung, welche mit eirca 5000 Thaler 
am Aktienkapital bethciligt war, die Gebäude 
im Jahre 1774, also zur selben Zeit, wo Steitz 
seine Fabrik an den Staat abgab. 
iFortsetzung folgt.) 
i 
Km Weilrag zur Nechlsgeschichle der Kestammte der 
allfulöaischm Geistlichen. 
Bekanntlich hat Heinrich von Bibra, 
Fürstbischof von Fulda, durch das in der 
kirchenrechtlichen Literatur vielgenannte sog. Jn- 
dult vom 1. Dezember 1764 den sämmtlichen 
Bencfiziaten und sonstigen Geistlichen der da 
maligen Diözese Fulda unter der Bedingung, 
daß dieselben zü dem damals schon bestehenden 
Diözesanemeritenfonds nach bestimmten Ab 
stufungen jährliche Beiträge zu zahlen hatten, 
das doppelte Privilegium ertheilt, über ihren 
Nachlaß, sei es durch Testament, sei es durch 
Jntestaterbfolge, zu verfügen, und zugleich ihren 
letzten Willen ohne Einhaltung der zivilrechtlich > 
vorgeschriebenen Formen zu errichten (vergl. 
K e r sti n g, Die Sonderrechte im Kurfürstenthum 
Hessen. Fulda 1857. S. 97—106. Thomas, 
Fuldaisches Privatrecht. Band 3. 8 570—572. 
S. 151—157), während nach dem Zeugnisse von 
Thomas (st. a. O. S. 151) früher nur einem 
oder dem anderen Geistlichen von dem bischöflichen 
Landesherrn aus besonderer Gnade die Er 
mächtigung ertheilt wurde, über das im geistlichen 
Amte erworbene Vermögen letztwillig zu verfügen, 
in allen anderen Fällen der bischöfliche Fiskus 
an Erbesstatt in den Besitz des Nachlasses der 
Geistlichen eintrat. 
Bisher war man nun allgemein der Ansicht, 
daß das genannte Jndult das erste, seiner Art 
in der Diözese Fulda gewesen sei, ein bleibendes 
Privilegium zur letztwilligen Verfügung über ihr 
Vermögen keiner einzigen Kategorie von Geist 
lichen dortselbst zugestanden habe. 
Gleichwohl sind wir bei Gelegenheit von ein 
gehenderen Studien über die im Laufe des Mittel 
alters entstandene aktive Testamentsfähigkeit der 
Geistlichen in Deutschland auf eine Ausnahme 
zu Gunsten der Mitglieder des Kollegiatstifts 
zum heiligen Kreuze in H ü n f e l d vom 6. Juni 
1402 gestoßen, die wir hier im Interesse der 
vaterländischen Geschichte mittheilen zu sollen 
glauben. 
Es findet sich nämlich in den von dem sürst- 
bischöflich Freisingischen und Regensburgischen 
Geistlichen Rathe Andreas Mayer in seinem 
Thesaurus Novus Iuris Ecclesiastici potissi- 
mum Germanici seu Codex Statutorum Inedi 
torum Ecclesiarum Cathedralium et Collegia- 
tarum, Tom III. Ratisbonae 1793. Pag 541 — 
546, veröffentlichten StatutaAntiquissima 
Ecclesiae Collegiatae SanctaeCrucis 
in Hunfe 1 d per Reverendissimum in Christo 
Patrem et D. D. Ioannem de Merlaw Abba-
	        

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