Full text: Hessenland (5.1891)

135 
äußersten Kraftanstrengung angeregt, sondern auch 
von denselben auf verborgenen Richtwegen dergestalt 
geleitet und geführt worden, daß er in dem Momente 
bei Eooper's Mühle eintraf, als eben Oberstlieutenant 
Simcoe von da mit der Reiterei abmarschirte, und 
derselben sodann auf dem Fuße nachgefolgt. Da 
man von englischer Seite während des Haltes bei 
Spencer's Plantage nur Posten aussetzte, es 
jedoch versäumte, auch noch Patrouillen 
wieder eine Strecke weit auf dem eben 
zurückgelegten Wege vorgehen zu lassen, 
so war man dieses bei dem waldbcwachsenen Gelände 
nicht gewahr geworden. 
Durch die ortskundigen Führer berathen, beabsichtigte 
der feindliche Befehlshaber Marquis de Lafayette 
zunächst in aller Heimlichkeit das lagernde Korps 
von der Straße nach Williamsburg abzuschneiden 
und dann erst zu einem überraschenden Angriffe 
gegen dasselbe vorzubrechen. 
Diese Absicht würde auch wahrscheinlich bei dem 
überall den Gesichtskreis beengenden Walde gelungen 
und dadurch das Detachement unter Oberstlieutenant 
Simcoe ohne Zweifel gänzlich vernichtet worden sein, 
wenn nicht der Führer der feindlichen Reiterei sich 
hätte verleiten lassen, gegen einige noch außerhalb 
der Postenlinie Vieh herbei treibende Soldaten 
der Simcoe'schcn Abtheilung vorzeitig vorzubrechen. 
Glücklicherweise wurde dies aber von einem in der 
Nähe von Lee's Plantage aus dem Felde umher 
reitenden englischen Trompeter bemerkt. Derselbe 
blies in Folge dessen nicht nur sofort Allarm, sondern 
lockte auch noch, schlau, gewandt und gut beritten, 
wie er war, die feindliche Reiterei hinter sich her, 
zunächst nach einer falschen Richtung hin und in 
das Feuer eines Piquets Infanterie. Dann eilte 
er in vollem Rosscslauf nach Lee's Plantage und 
allarmirte die dort mit dem Tränken ihrer Pferde 
beschäftigten englischen Reiter noch zeitig — abermals 
wieder sehr umsichtig — nicht durch Allarmblasen, 
sondern nur durch den Zuruf: Auf! Auf! zu 
Pferd! 3 u Pferd! d i e Rebellen sind da! 
Nicht minder entschlossen führte Rittmeister Schenk, 
der sie kommandirte, solche sofort zum Angriffe vor, 
und da der Feind durch die Lift jenes Trompeters 
(Barney war der Name des Braven) getäuscht, 
die englische Reiterei nach einer ganz anderen Seite 
hin lagernd vermuthete, so gelang es auch dem Ritt 
meister Schenk, durch Trompeter Barney geführt, 
dieselbe unvermuthet in die Flanke zu fassen, und 
sie gänzlich aus einander zu sprengen. 
Eben so rasch entschlossen befahl auch Oberst 
lieutenant Simcoe dem Major Armstrong, mit der 
gleich beim ersten Lärm rasch in's Gewehr geeilten 
diesseitigen Infanterie die inzwischen aus dem Walde 
bei Spencer's Plantage heraustretende feindliche In 
fanterie — in gewohnter Weise — sofort in Kom 
pagnie-Kolonnen mit dem Bajonett anzugreifen. 
Zwar äußerte Major Armstrong anfänglich Be 
sorgnisse, dabei leicht in beiden Flanken umgangen 
werden zu können, worauf ihm jedoch Oberstlieutenant 
Simcoe entgegnete, daß er dafür sorgen wolle, seine 
linke Flanke zu sichern, und überzeugt sei, daß so 
lange Hauptmann Ewald am Leben und 
die hessischen Jäger beisamme n wären, eben 
so auch der Feind nicht in dessen rechte 
Flanke kommen w ü r d e. 
In der That, während Oberstlieutenant Simcoe 
durch geschickte Führung der wieder gesammelten 
Reiterei des Rittmeisters Schenk und auf das treff 
lichste von einer Abtheilung abgesessener reitender 
Jäger unter Hauptmann Althaus unterstützt, den 
rechten Flügel des Feindes in Schach hielt, hatte 
auch Hauptmann Ewald sofort den äußerst verdienst 
vollen Lieutenant Bickel *) mit einer Abtheilung 
hessischer Jäger abgeschickt, um die linke Flanke des 
Feindes zu umgehen Zwar hatte inzwischen der 
Feind hinter dem hohen Holzzaune (Fence), der das 
geklärte Feld der Spencer's Planlage von dem 
Walde abschied, eine sehr Vortheilhafte Stellung 
genommen und empfing die zum Angriffe gegen ihn 
vordringende englische Infanterie mit einem mörderischen 
Feuer, diese ließ sich jedoch hierdurch nicht aufhalten, 
sondern beeilte sich, als sie merkte, daß jene Feinde 
hauptsächlich aus Büchsenschützen oder sog.Riflcmännern 
beständen, nur um so mehr an solche heranzukommen. 
Wie nämlich die Erfahrung gelehrt hatte, war die 
Wirkung der von jenen amerikanischen Büchsenschützen 
geführten sog. Rifles im Tirailleur- und Einzel- 
Gefecht allerdings sehr furchtbar. Dagegen erforder 
ten diese Büchsen, bei ihrer übermäßigen Länge nicht 
nur stets sehr viel Zeit zum Laden, sondern erheischten, 
wegen ihrer feinen und verwickelten Visierung, auch 
nicht weniger große Ruhe beim Zielen, weshalb ihr 
Massenfeuer meist weit weniger mörderisch als das 
gewöhnlicher Musketen sich erwies und überhaupt 
jene Rislemänner, weit ihre Kugelbüchsen ohne 
Bajonett waren, nichts mehr als den Bajonettangriff 
scheuten. 
Da nun vollends jene feindliche Jnfanterielinie 
durch die dagegen vorgescndete Abtheilung unter 
Lieutenant Bickel lebhaft in der linken Flanke und 
durch eine von dem Oberjäger Sippel geführte Ab 
theilung sogar in dem Rücken beschossen wurde, hielt 
solche auch dem Bajonettangriffe englischer Infanterie 
nicht Stand. Sie eilte vielmehr in wilder Unordnung 
nach dem Walde, woraus sie hervorgekommen war, 
auch wieder zurück, wobei sie eine Strecke weit von 
den hessischen Jägern verfolgt wurden. Hierdurch 
gewann aber Oberstlieutenant Simcoe Zeit, bevor 
*) Alexander Bickel ein sehr tüchtigter Offizier, fand 
1810 als mestphälischer Forstinspektor ein trauriges Ende, 
indem er aus Unvorsichtigkeit in einem der bei Schmal 
kalden befindlichen Schachte des Stahlberges zu Tode 
stürzte.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.