Full text: Hessenland (5.1891)

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Auch mir zieht Freude durch's Gemüth, 
Die wird zum neuen Frühlingslied, 
Wie ich so manches schon erdacht 
Zum Preis der holden Frühlingspracht, 
Marburg, am Himmelfahrtstage 1891. 
K. Kaale. 
Aus alter und neuer Zeit. > 
Skizze« a«s der hessischen Kriegsgeschichte. 
Bon Freiherrn Maxiinilian von Ditsurth, 
weiland kurfürstlich hessischeul Hauptmann. 
XX. 
Gefecht beiSpencer 's Plantage unweit j 
Williamsburg in Vriginien am 26. Juni 1 78 !. j 
Als im Sommerfeldzuge von 1781 in Virainien j 
das englisch-hessische Korps unter Lord Corn- I 
wallis seinen Rückzug von Richmond nach Williams- ! 
bürg hin antrat, ward der englische Oberstlieutenant 1 
Simcoe beauftragt, mit einem 5 — 600 Mann starken > 
Streifkorps leichter Truppen (worunter auch eine 
Abtheilung hessischer Jäger unter Hauptmann Ewald) ! 
längs des Chicahominyflussts nicht nur die rechte ! 
Flanke des sich zurückziehenden Korps zu decken, 1 
sondern dabei auch noch so viel als möglich Lebens 
mittel und Schlachtvieh beizutreiben. 
Oberstlieutenant Simcoe, ein ausgezeichneter Führer 
leichter Truppen, entledigte sich dieses Auftrages mit 
großem Geschicke. Er trieb nicht nur reiche Beute 
zusammen, sondern erreichte mit derselben auch un 
gefährdet Eooper's Mühle, welche nur noch vier 
Meilen von Williamsburg entfernt war, obschon 
eine zwei bis drei Mal überlegene Anzahl amerikanischer 
und französischer Truppen unter dem später noch so 
berühmt gewordenen Marquis de Lafayette und dem 
Baron Steuben ausgeschickt worden war, ihm die 
gemachte Beute wieder abzujagen. 
Da Oberstlieutenant Simcoe in dem bei Eooper's 
Mühle während der Nacht zum 26. Juni bezogenen 
Bivouak Nachricht erhielt, daß der Feind die größten 
Anstrengungen mache, ihn doch noch einzuholen, so 
ließ er den Train der erbeuteten Lebensmittel und 
des Schlachtviehs, unter Begleitung der Infanterie 
am folgenden Tage (den 26. Juni) schon um 
2 Uhr Morgens von da wieder aufbrechen und den 
Marsch nach Williamsbnrg fortsetzen. Um aber den 
nachdringenden Feind aufzuhalten, blieb er mit der 
Kavallerie bei Eooper's Mühle stehen, folgte dann, 
da weit und breit von demselben nichts zu ent 
decken war, dem Train langsam nach, und holte ihn 
auch gegen 7 Uhr Morgens etwa noch anderthalb 
Meilen vor Williamsburg, bei Spencer's Plantage, 
wieder ein. 
In Folge der ihm hier zugehenden Benachrichtigung, j 
daß das Hauptkorps unter Lord Cornwallis am Abend 
vorher, ebenfalls ohne im mindesten vom Feinde 
verfolgt worden zu sein, bereits bei Williamsburg 
eingetroffen sei und daselbst Stellung genommen 
habe, und da namentlich seine Infanterie durch die 
seit mehreren Tagen zurückgelegten starken Märsche 
bei großer Hitze, und dem abermaligen frühen Auf 
bruche an diesem Morgen sehr erschöpft schien, 
auch Meldung einlief, daß eine der Seitenpatrouillen 
ganz in der Nähe eine Heerde von mehr als hundert 
Stück sehr guten Schlachtviehs aufgefunden habe, 
welche noch beizutreiben sehr wünschenswerth erschien, 
so ließ Oberstlieutenant Simcoe die Truppen hier 
jedoch wieder Halt machen und ruhen, obgleich wie 
er gegen seine Begleiter selber äußerte, dieses eigent 
lich ein hierzu wenig geeigneter Platz wäre. 
Die von Eooper's Mühle nach Williamsburg 
führende Straße — ward nämlich bis etwa acht 
hundert Schritte oberhalb Spencer's Plantage zu 
beiden Seiten von dichtem Urwald begrenzt. 
Da, wo sie aus dem Walde heraustrat, lag zwar 
links derselben das geklärte, zu Spencers Plantage 
gehörige Ackerland, und ebenso erstreckte sich rechts 
derselben ein wellenförmiges offenes Gelände nach 
einem Bache hin, an welchem eine zweite Farm, 
Lee's Plantage, belegen war. Indessen bog sich die 
bis dahin von Norden nach Süden laufende Straße 
bei Spencer's Plantage fast in einem rechten Winkel 
nach Osten und trat alsbald an deren Südrand 
wieder dichter Wald heran, so daß die Umsicht über 
all eine sehr beschränkte war. 
Da die Kolonne den Bogen, den hier die Straße 
beschrieb, bereits umgangen hatte, als Halt gemacht 
wurde und die Truppen in der Ordnung lagerten, 
die sie in der Marschkolonne innegehabt hatten, so 
kam Spencer's Plantage gerade vor die Mitte ihrer 
Front zu liegen. Ebenso lagerten demgemäß die 
hessischen Jäger, welche bis dahin die Vorhut gebildet 
hatten, auf dem äußersten rechten Flügel, während 
die Reiterei ihren Ruheplatz auf dem äußersten 
linken Flügel unweit Lee's Plantage nahm, von wo 
aus solche abtheilungsweise ihre ebenfalls sehr er 
schöpften Pferde in dem dort vorüberfließenden Bache 
zu tränken begann. 
Zwar geschah alles dieses unter beut Schutze zweck 
mäßig ausgestellter Posten, zu deren besserer Ver 
bindung unter einander auch in die, die Felder um 
hegenden Holzzäunen Lücken gebrochen wurden. 
Da jedoch durch das über diese Posten hinaus und 
zwischen solchen herum stattfindende Umherlaufen 
vieler nach Wasser und Erfrischungen suchender 
Leute eine große Unruhe herrschte, so scheint dadurch 
die Aufmerksamkeit derselben von der Beobachtung 
der vorliegenden, ohnehin nur einen beschränkten 
Gesichtskreis darbietenden Gegend vielfach abgelenkt 
worden zu sein, so daß es dem Feinde gelang, völlig 
unbemerkt in große Nähe heranzukommen. 
Derselbe war nämlich durch die Klagen der Land 
bewohner, welche über die Beraubung ihres Viehes 
im höchsten Grade erbittert waren, nicht nur zur
	        

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