Full text: Hessenland (5.1891)

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alle todt, der kleine Korporal, der Soult, der | 
Ney — La grande armee est morte, die Alte j 
lebt noch — bis sie auch zur großen Armee i 
geht." i 
Unser Erstaunen kann sich Niemand denken, ! 
oder er müßte mit einem Male einen Stein j 
haben reden hören. Wir kannten die Alte seit 
Jahren, daß sie französische Brocken gelegentlich 
hinwarf, hatte uns nie verwundert, hatte doch 
die sieben Jahre andauernde Herrschaft der 
Franzosen so Manches von ihrer Art im Land 
volke zurückgelassen. (Schluß folgt.) 
De Dirigestniii.) 
Gedicht in niederhessischer Mundart. 
(Unteres Schwalmgebiet, Kreis Fritzlar.) 
Des Annemorth un's Trinlies, 
En jeres hott fing 2 ) Börsch. 
Es sing zwee staatsche Jongen, 
Schmätt's Hänn's und Gräben Schorsch. 
Nü morsch uff Pingestobed, 
Der Schorsch säht: Gürre Rocht! 
Gikkt erscht noch no sin Pären") 
Un hott derbi gcdocht'): 
„Des Annemorth, dos luert 
Gemäß nü uff ne Mä. 
Es gitt mä sist keng Mailchen"), 
Bann ich's dodrünn versüh." 
Do nimmt hü sich de Borde H ) 
Un macht si^heemlich fürt. 
Der Färschter "cs derheeme'), 
Dos hott he obgelurt"). 
De allerschinsten Müen") 
Stenn dünne'") glich bim Pod "). 
Hibsch hoch, un breet, un grine, 
Weeß Gott, es äß en Stovt! 
Do knakkerts därch de Bische. 
„No, wangerts ärgend hie?" 12 ) 
Nee 's es je nürt der Hännes, 
Der schlicht sich öch herbi. 
Jüch! Do hott's gürre Zieren i:! ), 
Der äß uff glicher Spür. 
Der sicht") fär's schworze Trinlies 
Sich öch ne Mäe nür. 
„Bann dos der Färschter härrte, 
Bi do de Borden schlohn "). 
Der flüchte, alle Deiwel! 
Un zengete'") ins ohn." 
So säht ") der Hännes lostig 
Und huckt sin Mäbüsch uff. 
Der Schorsch säht: „Wäll's öch glöben, 
Wißt hä's, hä lurte druff." 
Des Annemorth un's Trinlies 
Die hon sich dick gedohn '*), 
Bi Pingstcn vär der Dhüre'") 
Se ähren Mäbusch söhn 2 "). 
Der Färschter sog 2 ') en öch glich, 
Hä flücht un hott gezischt: 
„Könnt' ich die Kerl's nur finden! 
Hätt' ich die nur erwischt!" 
Arida Storck. 
! ') Pfingstmaibaum. 2 ) seinen. *) Pferden. 4 ) dabei 
1 gedacht. 5 ) Küßchen. r ) die Axt. 7 ) zu Hause. *) ab- 
i gelauert. 9 ) Maibäume. ,0 ) stehen nahe ") am Wege. 
- ' 2 ) wandert's, soviel als: spukt es irgend hier? ") gute 
Zeiten. sucht. '") schlagen. "') zeigte. ' 7 ) sagte. 
! '") dick gethan. Thüre. 20 ) sahen. 2I ) sah. 
Spiitev Frühling. 
(1891.) 
Nun bricht der Lenz mit Macht herein 
Mit Blumenduft und Sonnenschein; 
Nach langer, banger Winternacht 
Ist er zn neuer That erwacht! 
In Wald und Feld, in Baum und Strauch 
Weht seines Odems Schöpfungshauch; 
Es pocht in jedem Zweig und Ast 
Und lebt und webt ohn' Ruh und Rast. 
Am Himmel froh die Wolken zieh'n, 
Im Thale tausend Blumen blüh'n, 
Am Apfelbaum die Knospe springt, 
Ihr süßer Duft die Luft durchdringt. 
Das Herz ist einem gar zu voll, 
Atan weiß nicht, wie man's sagen soll, 
Zu rühmen all die Herrlichkeit, 
Die uns der schöne Frühling beut. 
Der Hiinmel ist so klar und blau, 
Die Lüfte weh'n so mild und lau; 
Es klingt und rauscht und grünt und blüht, 
Die Liebe singt ihr hohes Lied. 
Horch! Kuckucksruf im grünen Hag 
Und Drossel-, Amsel-, Finkenschlag; 
Doch übertönt die Sänger all' 
Im Fliederbusch Frau Nachtigall. 
Zieh', Lenz, in jedes Herz hinein 
Mit deinem Licht und Sonnenschein; 
Zieh' ein in jede Menschenbrust 
O Frühlingsglaube, Himmelslust!
	        

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