Full text: Hessenland (5.1891)

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Von F. Sw eng er. 
(Schluß.) 
Im Jahre 1811, zur Zeit also, als das Fürsten 
thum Fulda ein Departement des von Napoleon's 
Gnaden neugeschaffenen Rheinbundstaates Groß 
herzogthum Frankfurt bildete, hatten sich in der 
Hauptstadt verschiedene, daselbst bestehende Gesell 
schaften zu gemeinschaftlichem Wirken zu einem 
größeren Verein für dramatische Vorstellungen, 
Konzerte, Bälle und gesellige Abende zusammen- 
gethan. Der damals gerade in Fulda anwesende 
Großherzog von Frankfurt, Fürstprimas und Erz 
bischof Karl von Dalberg, stand Pathe bei demselben, 
gab ihm den Namen. „Verein der Musenfreunde" 
und überließ der Gesellschaft den schönen Orangerie 
bau im Schloßgarten. Das Gebäude, im ita 
lienischen Geschmacke zu Anfang vorigen Jahr 
hunderts aufgeführt, bot alles, was die Gesell 
schaft zu ihrer Einrichtung an Räumen bedurfte. 
Der östliche Flügel diente zum Theatersaale, 
der westliche zum Konzertsaale. Die Leitung 
des Vereins besorgte mit Einsicht lind Eifer der 
geniale Baurath Clemens Wenceslaus Coudray, 
welcher bei Theilung des Fuldaer Landes im 
Jahre 1815 als Oberbaudirektor in großherzoglich 
sächsische Dienste trat und in Weimar bald zu 
den intimeren Hausfreunden Goethe's zählte. 
Regisseur des Liebhabertheaters war der bekannte 
Schriftsteller Heinrich Koenig. Wenn der Groß 
herzog von Frankfurt in Fulda rcsidirte, erzählt 
der letztere in seinem Werke „Stillleben", kam 
er, so oft gespielt wurde, durch den Schloßgarten 
herüber und nahm auf der Emporbühne einen 
Sessel ein. Der Fürst wurde mit einem Prolog 
empfangen, den Heinrich Koenig gedichtet hatte 
und den eine Dame der Gesellschaft sprach. Vom 
Theater aus hörte man den alten Herrn, der 
etwas schwerhörig war und in seiner unbefangenen 
Gemüthlichkeit laut zu denken pflegte, wenn er 
nach der Spielenden fragte: „Wie heißt das 
Fräulein? Wer ist ihr Vater?" Oder: „Aha, 
dem Herrn N. N. seine Tochter. Sie spielt 
recht gut." — Und wenn das Parterre über 
einen Witz des Komikers in Lachen ausbrach, 
vernahm man die Frage: „Was hat er gesagt?" 
Und das fürstliche Gelächter folgte wie ein Echo 
nach. „Aber wie hätte am andern Morgen der 
gutherzige Fürst", fährt Heinrich Koenig in 
seiner Erzählung fort, des frohen Abends 
gedenken können, ohne den Spielenden zu 
danken, der Prologdame ein Andenken, dem 
Poeten eine Anerkennung zustellen zu lassen! 
Der Schloßhauptmann von Varicourt, ein 
Schweizer von Geburt und Schwiegersohn des 
großherzoglich Frankfurtischen Ministers von 
Albini, war der gewöhnliche Bote der humanen 
Gedanken des Fürsten. — „Der Großherzog ist 
sehr vergnügt über den Prolog und — — nun 
ja, der Apollon muß mal auch was haben!" 
lächelte der stattliche Mann dem jungen, noch 
amtlosen Verfasser zu, wobei er ihn» verstohlener 
Weise eine Rolle „Brabänter" in die Hand 
drückte — — —. 
Dieses vorausgeschickt, kehren wir zu der vom 
Verein der Musenfreuude zu Ehren der An 
wesenheit des Kurfürsten Wilhelm 1. in Fulda 
am 21. Mai 1816 veranstalteten Festvorstellung 
des Liebhabertheaters zurück. Ueber dieselbe be 
richtete in ausführlicher Weise Heinrich Koenig 
in seinem bereits erwähnten Werke „Stillleben". 
Wir bringen die interessante Schilderung, soweit 
dies möglich ist, nachstehend zum Abdrucke: 
Wir (das Liebhabertheater) waren an fürst 
liche Besuche gewöhnt und bezweifelten nicht, daß 
der Kurfürst da, wo der Fürstprimas Karl von 
Dalberg einst gesessen, einen Sitz annehmen werde. 
An das neue Zusatzwörtchen „aller", als Aufstufe 
zu Huld und Gnade, hatten wir uns schnell 
gewöhnt, ebenso an die Bezeichnung Groß- 
herzogthum Fulda, das durch diplomatische 
Kunst aus einem Fürstenthum entstanden war, 
nachdem dies erst noch schöne Aemter an Bayern 
und Weimar verloren hatte. Indem sich aber 
alle Etikette so erweiterte und die Bedeutung 
der Feier selbst sich erhöhte, durften wir uns 
nicht, wie bei früheren primatischen Festen auf 
einen Prolog beschränken: nein, es mußte aller- 
wenigstens ein artiges Festspiel herausspringen.
	        

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