Full text: Hessenland (5.1891)

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Fabrik zurückgezahlt worden. Dies konnte jedoch 
nicht geschehen; es kam daher 1751 in Frage, 
ob nicht, „nachdem die nahe gelegenen neu an 
gerichteten ausländischen Fabriquen den sonstigen 
Abgang merklich hemmen, und die Fabrique 
allen Fleiß anzuwenden hat, daß sie ohne 
weiteren Zuschuß fortgetrieben werde", entweder 
jener Betrag der Fabrik förmlich erlassen werden 
solle, oder „die Fabrique eingestellet und das 
Gebäude zu einem andern Gebrauch aptiret, 
oder zu Gelde gemacht, mithin solchergestalt 
der Perlag wieder herausgezogen werden solle". 
Daß Letzteres nicht geschah, ist dem nun in der 
Stellung eines „Ober Saltzgräfen" befindlichen 
Waitz zu verdanken, welcher am 27. April 1751 
zu berichten hatte: „In welcher Verfassung sich 
die Forcellainkabriqu« nnjetzo befindet? Ob 
Vortheil oder Schaden dabey, und ob selbige 
ferner beyzubehalten', verträglich?" Auf seine 
Erklärungen hin blieb sie bestehen, und es liegen 
Jnventare aus dem Jahre 1764 vor, Welche uns 
über die Fabrikgebäude sowohl als über den 
damaligen Betrieb Ausschluß geben. Im Formen- 
verzeichniß finden sich Modelle zu Oesen, großen 
und kleinen Figuren sowie allem möglichen Haus 
und Tafelgeräth.') Im Jahre 1766 belief sich 
die Zahl der eigentlichen Faiencearbeiter (abge 
sehen von den Taglöhnern und sonstigen Hilfs 
arbeitern) auf 7; der technische Leiter der Anstalt, 
sog. Porzellanmeister, hieß damals Johann 
Heinrich Schröder. Im Jahre 1748 hatte 
<) Es sind daraus besonders hervorzuheben: Formen zu 
einem bauchigen Ofen, zu einem Schwungosen, zu einem 
Zugofen, zu einem großen Ofen mit Engeln und Pelikan, 
zu einem Postamentofen u. s. w., dann solche zu verschie 
denen Vasen, zu einem 8 Fuß hohen Kinde, zu einer großen 
Pagode, zu einem stehenden Löwen, zu einem Affen, zu 
einem Hunde u. bergt.; ferner zu einem Pariser und einem 
Straßburger Service, zu Theebrettern, zu verschiedenen 
Figurenbutterdosen (Schildkröte, Feldhuhn), zu Barbier 
becken u. s. s. 
Johann Samuel Morgenstern die Stelle 
eines Form- und Modellmeisters inne gehabt. 
Kasseler Stücke aus dieser Periode von 1740 bis 
1764 (sie zeigen unter der oben beschriebenen 
Marke „Hessenland" die Buchstaben W (Waitz) 
oder 8 (Schröder) finden sich im Kasseler Museum 
in größerer Anzahl, während aus der früheren 
Zeit nur einige durch ihre Größe besonders 
ausfallende Arbeiten ohne Marke sich daselbst 
erhalten haben. Auch bunt dekorirte Tafelgeschirre 
aus den sechsziger Jahren kommen vör, während 
früher lediglich die Blaumalerei geübt worden 
zu sein scheint. Die Faiencefabrik verlor selbst 
verständlich neben der Porzellansabrik mehr und 
mehr an Bedeutung, und machte der nunmehrige 
Staatsminister Freiherr Waitz von Eschen die 
größten Anstrengungeu, die letztere in die Höhe 
zu bringen. Schon seit F742 hatte dieser um 
Hessen so verdiente Mann die Absicht verfolgt, 
„nicht allein die Faiencefabrik mit Nutzen weiter 
zuführen, sondern sie zu einer Mutter von einer 
feinen der Meißenischen ähnlichen Fabrique werden 
zu lassen". Nachdem frühere Versuche in dieser 
Richtung zu keinem Ziel geführt hatten,') wurde 
seit 1764 die Sache mit Ernst in Angriff ge 
nommen und am 12 Juli 1766 der erste Por 
zellanbrand in Kassel vorgenommen. 
(Fortsetzung folgt.) 
') In einem Bericht über den Zustand der Porcellain- 
Fabrique unter Gilze (d. d. 9. April 1734) heißt es: 
„Belangend die Fabricirung feineren PorcolJains, hatte 
Er durch die proda gezeiget, daß solches hier verfertiget 
werden könnte"; ferner berichtet Waitz am 21. August 1766 
dem Herzog!. Geh. Rath von Schliestedt zu Braunschweig; 
„Denn ob man gleich anno 1734 solche Materialien im 
Lande entdecket, daß man,daraus schon anno 1735 sein 
Porcellain auf der Schwarzenfelser (Blaufarben-) Fabrique 
hervorgebracht, so hat man doch davon Abstand genommen". 
Endlich liegen Briefschaften aus 1742 vor, welche sich aus 
die Fabrikation von ächtem Porzellan durch einen Hein 
rich Christoph Wegener aus Amsterdam beziehen. 
Girier Kraut. 
Mit ew'ger Treue immergrünen Zweigen 
Des Myrtendiadems bist Du gekrönt! 
Kein königliches Haupt ward je verschönt 
Mit höh'rer Krone, als sie Dir zu eigen. 
Schau rückwärts erst in weihevollem Schweigen 
Und scheide von der Jugend dann versöhnt! — 
Die Zukunft naht sich schon, denn bald ertönt 
In festlich Hellem Klang der Hochzeitsreigen. 
Und wandle nun dem reinsten Glück entgegen, 
Es hat der Liebe Genius diesen Kranz 
Geweiht mit seinem hoheitsvollsten Segen. 
Der Liebe gilt hinfort Dein Leben ganz; 
Da möge stets auf allen Deinen Wegen 
Ein Schimmer ruh'n von dieser Stunde Glanz. 
Hustav Kastropp.' 
Klingklaug Gloria! Mai ist da! 
(Gedicht in Wetterauer Mundart.) 
Klingklang Gloria! 
Grüner Monat Mai ist da! 
Groiner Wahld, der hatt gesaht'): 
„Seaht, ihr Keann, aich hun mein Klaad, 
„Soargkt uch 4 ), deaß imm Pingstezeit ' 
„Nau Gezeugt beim Schneirer leit 3 );
	        

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