Full text: Hessenland (5.1891)

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geborenen Valerius vorausgehen und von denen 
es im Dankliede V. 132 f. heißt: 
ut ge ruinös taceam, carissima pignora, natos, 
et quod adhuc cJausum viscera pondus habet. 
Den ältesten derselben kennen wir sonst nicht, 
er mag frühe gestorben sein; dagegen wurde 
der folgende, Namens Philipp, mit seinem 
jüngeren Bruder Valerius 1527 an der Uni 
versität Marburg immatrikulirt. Die beiden 
ältern mögen, als der Vater die Krankheitselegie 
an sie richtete, doch wohl angehende Abcschützen 
gewesen sein, wenn die Widmung einer lateinischen 
Elegie einigermaßen einen Sinn haben soll. 
Valerius war damals erst 10 Monate alt. 
Hiernach müßte Cordus außerordentlich frühe, 
etwa 1508 oder 1509 geheirathet haben, und er be 
stätigt dies auch durch seine eigenen Angaben. 
(An die Söhne V. 115 f.) 
Außer dieser Mittheilung über seine erste Liebe 
und seine Verheirathung sind besonders die wenn 
auch kurzen Berichte von seiner ersten Jugend 
erziehung und von den besuchten Schulen zur 
Ergänzung unserer bisherigen Kenntniß hier 
von wichtig. Man kann nämlich aus diesen 
biographischen Bemerkungen, indem man sie mit 
anderen gleichfalls bisher unbekannten Quellen 
in Verbindung bringt, ganz überraschende Auf 
schlüsse über manche bisher dunkle Punkte in 
der Jugendgeschichte des Cordus gewinnen, und 
es läßt sich sogar der ursprüngliche Name des 
Dichters, der sich bis dahin immer noch in ein 
undurchdringliches Geheimniß gehüllt hat, mit 
unumstößlicher Sicherheit feststellen. Die Unter 
suchung und Zusammenfassung aller einschlägigen 
Punkte muß indeß einer besonderen Darstellung 
vorbehalten werden. 
Uaience- und Dorzellansabrikm in WDassel? 
Von Professor vr. 
In dem 1767 erschienenen „Versuch einer ge- i 
nauen und umständlichen Beschreibung der hoch- ! 
fürstlich-hessischen Residenz- und Hauptstadt Cassel" 
findet'sich auf S. 315 die Notiz, daß zu Kassel im j 
Jahre 1680 eine Faience - oder, wie sie damals j 
hieß, Porcellainfafcrif vom Landgrafen"Karl an- > 
gelegt und dazu ein eigenes Gebäude in der > 
Schäfergasse errichtet worden sei. Zunächst von 
Georg Kumpfe, der 1691 starb'), geleitet, 
wurde sie am 12. März 1694 an Johann 
Esajas de Lattrv aus Hanau *) auf vier Jahre 
verpachtet. Dieser Kontrakt wegen der Pm-cellam- 
Backerei ist das älteste aus uns gekommene Akten 
stück über die Fabrik. Die Pachtsumme betrug 
jährlich 70 Thaler, und erhielt der Beständer 
die Bewilligung des Porcellainmachens und Han- ! 
dels frei und ohne Tragung einiger bürgerlichen I 
und anderer Beschwerungen. 
*) Die Direktion des Bayerischen Gewerbe - ; 
museums zu Nürnberg hat uns den Abdruck dieses , 
in der Bayerischen Gewerbe-Zeitung veröffent- > 
lichten Aussatzes, welcher den Hauptinhalt von am 13. und ! 
14. November v. Z. im Handels- und Gewerbe- > 
verein zu Kassel gehaltenen Vorträgen wiedergibt, ' 
freundlichst gestattet. D. Red. ( 
1) In Jakob Hoffmeisters gesammelten Nachrich 
ten über Künstler und Kunsthandwerker in Hessen seit etwa 
dreihundert Zähren, ist über ihn S. 65 Folgendes ange 
geben: Kumpfe, Georg, fürstl. Porcellainmacher und 
Lakai, daselbst begraben den 30. März 1691. 
2) Daselbst bestand seit 1663 schon eine Faiencefabrik 
in der Art der Delfter Werkstätten. 
Ä. von Drach. 
Ueber die Fabrikate giebt Johann Just 
Winkelmann in seiner zu Bremen 1697heraus- 
gekommenen gründlichen Beschreibung derFürsten- 
thümer Hessen und Hersseld folgende Nachricht: 
„Man machet zu Cassel schöne Porcellanen- 
Schüsseln, Teller und Krüge, wie auch daselbst 
und zu Homburg vor der Höhe die schönsten 
Gläser verfertigt werden". Von 1698 ab folgte 
ein einjähriger Betrieb auf herrschaftliche 
Rechnung; hienach finden wir die PorosIIainhütte 
zunächst an einen Holländer Dirk Janson 
van Schie überlgssen und nach dessen Tode 
(1700) an Dietrich de Vos und Louis 
Verschier verpachtet. Der Betrieb war unbe 
deutend (nur 3—4 Arbeiter) und gelangte erst 
unter dem nächsten Pächter PhilippHouttem, 
welcher kein gelernter Porzellanarbeiter, sondern 
Löwenwärter in der Menagerie des Landgrafen 
war, zu einiger Bedeutung während der Zeit von 
1711—1717. Die Arbeiter waren zum größten 
Theile Holländer. Die Erzeugnisse konnten mit 
denen der holländischen und deutschen Fabriken 
konkurriren und wurden bis nach Sachsen, Preußen 
und Böhmen ausgeführt, wie aus erhaltenen 
Aktenstücken ersichtlich ist. Der Werth der Pro 
duktion betrug jährlich ungefähr 3000 Thaler 
und, wie es ausdrücklich heißt, bekamen dadurch 
viele Leute im Lande Mahrung. Houttem mußte 
jährlich 150 Thaler Pacht zahlen; er übernahm 
die Fabrik auf 6 Jahre und konnte die ganze
	        

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