Full text: Hessenland (5.1891)

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pro nulla videas ne bona merce cadant, 
ingenuas, propter quas hinc proficisceris, artes 
atque probos mores, hoc fac ut aere pares*. 
45 Quae iuvenes alto mandata reponite corde, 
sit vacuos ingens vos rediisse pudor. 
Adsiduis totas studiis irapendite vires 
nec fugiat fervens omnia ferre labor. 
Algete et sudate, saniern tolerate sitimque 
5o et quaecunque instant discite dura pati. 
Advenit illa dies, haec qua meminisse iuvabit, 
altaque succedet post mala tanta quies. 
Dulce fluet quondain post haec absinthia nectar 
iamque laboratus farra rependet ager. 
55 Observate volans nunquam revocabile tempus; 
nullus eat, quin sit linea ducta, dies. 
Non pigra iam teneros ignavia tentet ephebos, 
ne pudeat serös nil didicisse senes, 
praesertim quo tanta micant hoc lumina saeclo 
60 et rediens Musis surgit ubique nitor. 
Praeteritis veniam darnus et concedimus annis, 
quando rüdes adeo balba loquuntur avi 
deque bonis plus quam pueriliter artibus errant, 
infesti doctis invidulique viris. 
65 lllius hoc aevi vitium caelique putetis; 
non, melius qui tune instituisset, erat. 
At melior venit nostris fortuna diebus, 
non ea barbaries quae fuit ante man et. 
Hane tandem veniens Alcides conficit hydram 
70 auspice Germanis natus Erasmus 1 ave, 
neve renascenti rursum cervice valescat, 
multus ei fidam fert Iolaus opem. 
Quam si non possum vacua praestare pharetra, 
pone tarnen laetus proelia cerno comes, 
75 et bis ,io paean!“ et „io‘ bis clamo „triumphe! 
perdit io vires pessima lerna suas.“ 
Me non paeniteat vos usos esse niagistro, 
non puto quod damno dedecorique fui, 
nec, sua confectis redeant modo robora membris 
8o et mihi vos quondam visere detur, ero. 
Omnia si nequeo, non dediscenda docebo; 
monstratam properi fortiter ite viam; 
non mala deerrantes ad Scolon semita ducat, 
sed sacra qua praepes flumina fodit equus. 
85 Durus et has fateor prim um est accessus ad undas 
et teneros urunt aspera saxa pedes. 
Ad laetos tarnen inde locos et amoena vireta 
quemque colunt Musae devenietis agrum, 
perpete quo ludens cithara spatiatur Apollo 
90 et faciles nectunt laurea serta deae. 
Qui sua si dederint adflato numina cordi, 
dulcior adfectum non retinebit amor. 
Elegia ad filios. 
0 mihi plus cari quam propria lumina nati, 
solamen quondam deliciumque meum, 
pro quibus usque pio tot curas pectore gessi, 
ut melior vobis quam mihi vita foret, — 
5 sed frustra, saevae non sic voluere sorores, 
quae nigra difficili pollice fila trahunt — 
cernitis exsangui languentem corpore patrem 
in misero dudum triste iacere toro, 
et quod ml aliud videam quam debile fatum, 
io ni quis ab aetherea mox iuvet arce deus. 
Nulla magis vis est, sua nervi munia linquunt 
q Der Niederländer Erasmus kann nur im weitern Sinne zu 
den Deutschen gerechnet werden. 
nicht für käuflichen Tand wende die Gelder mir auf, 
sondern die Wissenschaft, um derentwillen du ausziehst, 
ehrbare Sitten, nur das sollst du erwerben sür's Geld.- 
Solche Gebote verwahrt, ihr Jünglinge, tief in dem Herzen, 
kehrt nicht zum ärgsten Schimpf leer in die Heimath zurück. 
Jegliche Kraft müßt ihr auf emsige Studien richten, 
seid mit heißem Bemühn Alles zu tragen bereit. 
Frieret und schwitzet, ertragt den Hunger und Durst, und 
was immer 
euch für Leiden umdrohn, lernt sie bestehn in Geduld. 
Einst wird komnren der Tag, wo fröhlich ihr dessen gedenket 
und wo Ruhe und Rast folgt aus so mancherlei Leid. 
Süßer Nektar alsdann wird strömen nach solcherlei Wermuth, 
und das bestellete Land bringet euch reichliche Frucht. 
Haltet die flüchtige Zeit zu Rath, die nimmer zurückkehrt, 
ohn' einen Strich zu ziehn möge kein Tag euch vergehn. 
Nimmer als zartes Kind soll Trägheit zeigen der Zögling, 
sonst schämt spät sich der Greis, daß er so wenig gelernt, 
sonderlich jetziger Zeit, in der solch Sterne erstrahlen, 
und den Musen auf's Neu' herrliche Ehre erglänzt. 
Ja der vergangenen Zeit verzeihen wir gerne in Nachsicht, 
wenn so stammelnd das Wort unserer Väter ertönt, 
wenn sie mit kindischem Sinn die guten Künste verachten, 
wenn ihr neidischer Haß alle Gelehrten verfolgt. 
Das war der Zeiten Schuld und des Himmels, dürfen 
wir sagen, 
niemand war, der sie besser zu lehren vermocht. 
Aber ein glücklicher Loos ist unsern Tagen erschienen, 
frei von der Barbarei sind wir, der früheren, jetzt. 
Endlich zermalmt' ein Alcid' in glücklichem Kampfe der Hyder 
Köpfe: Erasmus, der Sohn unsers germanischen Lands, 
und daß aufs Neue ihr Haupt nicht wachse und wieder erstarke, 
mancher Iolaus beut treu ihm zur Hülfe sich an. 
Ich zwar vermag -- mein Köcher ist leer — kaum solche 
zu leisten. 
aber von ferne erfreut schau ich den Kämpfenden zu, 
rufe „Hurrah!" und „Hurrah!" und „Triumph! die ab 
scheuliche Schlange, 
seht doch, wie sie, Hurrah! jetzo die Kräfte verliert." 
Möge es nimmer euch reu'n, daß ihr mich als Lehrer erkoren; 
glaube, ich hab'euch nicht Schaden und Schande gebracht; 
werd' es auch nicht, wenn nur die erschöpften Glieder auf's Neue 
wieder gesunden und euch wieder zu sehn mir vergönnt. 
Kann ich auch Alles nicht, doch nicht 511 Verlernendes will ich 
lehren, gehet ihr nur schnell den gewiesenen Weg. 
Führe nicht Irrweg euch nach Skolos; dort wo des Rosses 
Huf einst bohrte den Quell, dorthin geleit' euch der Pfad. 
! Mühvoll ist's Anfangs, ich gesteh's, dem Quelle zu nahen, 
1 brennen den zarten Fuß wird euch der steinige Weg. 
! Aber gar bald zum fröhlichen Ort, zum lieblichen Haine, 
> welcher der Musen Sitz, führt euch das endliche Ziel. 
Hier lustwandelt Apoll und rühret die Saiten der Zither, 
j Lorberkränze zugleich windet der Göttinnen Huld. 
! Und wem diese einmal den Busen begeisterten, nimmer 
| wird ihm ein süßerer Drang schwellen das liebende Herz. 
> Elegie an seine Söhne. 
I O ihr Söhne, so heiß mir geliebt, noch über der Augen 
i Sterne, dereinst mir zum Trost, einst mir zur Wonne 
bestimmt, 
für die stets ich im Herzen so mancherlei Sorgen getragen, 
daß euch ein glücklicher Loos würd' als dem Vater zu Theil— 
! ach vergeblich, es war nicht so von den mächtigen Schwestern, 
j die unerbittlich die Schnur spinnen, die schwarze, verhängt — 
| blutlos, erschöpft seht ihr den siechen Vater gefesselt 
schon seit langer Zeit hier an das freudlose Bett; 
j schauet, ich sehe vor mir nichts weiter als trauriges Ende, 
wenn nicht ein Gott Rettung sendet von himmlischer Burg. 
Hin ist die Kraft, und die Nerven versagen dem Körper 
die Dienste,
	        

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