Full text: Hessenland (5.1891)

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von mm Gedichte des Kuricius 
(I486—1535), 
Koröus 
mitgetheilt und überseht von C. Krause. 
Euricii Cordi 
ex Nosematostichis Elegiae duae, altera 
ad discipulos, altera ad filios, ut addiscant. 
Elegia ad discipulos. 
Ter latuit verso, ter pleno apparuit ore 
signiferam toties mensa Diana' viam, 
sectaque decubuit seges exonerataque vitis 
et suus autumnum paene reliquit honor, 
5 dum gravis invasit, tenet et mea Corpora morbus 
officiumque negant languida membra suum. 
Nec mihi tu visa es, quid agas, studeasne, iuventus, 
ut discas, fidei tradita turba meae. 
Quam timeo, absenti ne grex pastore vagetur, 
io ne ferus incurrat vos lanietque lupus, 
ne mala neglectam tentent contagia caulam 
nataque difformi pustula tabe fluat. 
Expers consilii scio quid non audeat aetas, 
quam facile in vitium prona iuventa cadat. 
15 Namque quid utile sit, quid honestum, nescit et odit; 
nil, nisi quod suadent vina Venusque, placet. 
Haec ego sollicita mecum dum mente voluto, 
impatiens longas increpo saepe moras; 
saepe meas supra reieci stragula vires, 
20 et novus in ludum me tulit ire furor. 
Sed trepidis frustra tentans vestigia nervis 
in tristem recidi decubuique torum. 
Non praesente licet vos compellare loquela, 
missa sed heu! solito non pede Musa venit. 
25 Est nigra palla, tegit demissum lumina peplum; 
ex habitu tristis noscitur illa suo. 
Composito taciti precor auscultate tumultu, 
quae nostro vobis nomine verba ferat. 
Te volo — mandanti debes parere magistro — 
30 sub ferula quisquis vivis alumna mea, 
ut recolas, patria cur huc mihi missus ab ora 
tarn miser externo sis peregrinus agro: 
non certe ut mereas saevi in ter classica Martis 
aut Paphiae miles castra sequare deae * 2 , 
35 non procul incertas vagus ut sectere volucres, 
nec quocunque pedes te tulerint ut eas. 
Non ita commonuit te flens discedere mater 
nec voluit, certum est, sedulus ista pater, 
iilius ut duros cepit tua vulga labores 
40 ac aliquot dulcis iugera forte soli. 
„Quidquid agis“, dixit, „rogo te, carissime fili, 
J ) Als Mondgöttin. 
2 ) Der Venus, die in Paphos auf Lypern einen Tempel hatte. 
Zwei Elegiee» 
des Euricius Cordus aus seinen Leidens- 
gedichten, die eine an seine Schüler, die zweite 
an seine Söhne, damit sie lernen. 
Ktegie an die Schüler. 
Dreimal verhüllte sich schon, dreimal mit gerundetem Antlitz 
kehrt' auf dem Sternenpsad wieder Diana zurück; 
Garben bedeckten das Feld, schon waren die Reben entlastet, 
fast ganz zeigte der Herbst jeglichen Schmucks sich beraubt: 
da überfällt mich und hält mich in Banden gefährliche Krankheit 
und es versagen erschöpft schier mir die Glieder den Dienst. 
Nicht mehr sehe ich dich, was du treibst, ob du lernest, du junges 
Volk, deß gutes Vertrau'« mich zum Erzieher erkor. 
Ach wie besorge ich doch, daß ohne den Hirten die Herde 
sich zerstreut und der Wolf euch überfällt und zerfleischt, 
daß den verwaiseten Statt ansteckende Seuche ergreife, 
daß eine schreckliche Pest Blattern und Eiter erzeugt. 
Denn was waget der Einsicht baar nicht alles die Jugend, 
und zur Sünde wie leicht treibt sie abschüssiger Weg! 
Was ihr nütze und gut, das weiß sie nimmer und haßt es; 
das nur gefällt ihr, was 2iebe und Wein ihr befiehlt. 
Während ich dieses bekümmerten Sinns bei mir überdenke, 
schelte ich, keine Geduld kennend, den langen Verzug, 
oftmals werf' ich zurück, der Schwäche vergessend, die Decke, 
und ein erneuerter Drang faßt mich, zur Schule zu gehn. 
Aber vergeblich, den Schritt mit zitternden Füßen versuchend 
sinke ich wieder zurück ach! auf das traurige Bett. 
So da's mündlich zu euch mir versagt zu reden, so send' ich — 
nicht ist ihr Fuß es gewohnt — ach ! nun die Muse zu euch. 
Schwarz ist ihr Kleid, es bedeckt ein langer Schleier die Augen, 
so in dem äußern Bild kündet die Trauer sich an. 
Stillet das Lärmen jetzt und höret, ich bitte euch, schweigend, 
was für Worte ich ihr euch zu vermelden vertraut. 
Also künd' ich — du mußt dem Befehle des Lehrers gehorchen— 
wer du als Zögling auch unter die Ruthe mir kommst, 
denke daran, weshalb du hieher aus der Heimath entsendet 
also kläglich und fremd weilst im entlegenen Land: 
dazu gewiß nicht, daß der Drommete des schrecklichen 
Kriegsgotts 
du nachfolgst, noch dem Dienst Paphischer Göttin dich weihst, 
nicht daß du fernhin schweifst, um trügliche Vögel zu fangen, 
noch daß du gehest, soweit immer der Fuß dich nur trägt. 
Nicht so ermahnte dich doch beim Scheiden weinend die Mutter, 
noch hat der Vater gewiß Solches geheißen zu thun, 
als du den sauern Verdienst des Fleißes im Beutel davontrugst, 
und vom Gütchen wohl auch einige Morgen dazu. 
„Was du auch thust", so sprach er, „ich bitte, mein theuerer 
Sohn, dich:
	        

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