Full text: Hessenland (5.1891)

111 
Am 4. April feierte unser hessischer Landsmann, 
der Landesvermesiungsrath bei der Königlichen 
Landesaufnahme Dr. I. August Kau Perl in 
Berlin sein fünfzigjähriges Dien st jubiläum. 
Unser Heimalhland Hessen kann mit Stolz auf diesen 
seinen Sohn blicken. Er war in den vierziger und 
fünfziger Jahren in hervorragender Weise an der 
Herstellung der Generalstabskarten von Kurhcssen be 
iheiligt, die lange Zeit für die besten von allen 
galten. Auch noch weitere vortreffliche Karten von 
Hessen hat er in späteren Jahren in verjüngtem 
Maßstabe entworfen, die heute noch ihren vollen 
Werth haben. Außerdem hat er in noch jugend 
lichem Alter eine Niveaukarte von Kurhcssen in 
Gemeinschaft mit N. Hildebrand, Cäsar, Neutcr u. A. 
in 112 Blättern in den Jahren 1641 u. flgg. heraus 
gegeben, welche 1857 von K. Armann in Kassel 
lithographirt wur-de. Johann August Kauperl ist 
in Kassel am 9. Mai 1822 geboren. Er entstammt 
einer aus Kaufbeurcn eingcwanderten - Familie, in 
der Kunstsinn und Kunstverständniß heimisch waren. 
Sein Vater war der ausgezeichnete, am 2. Sep 
tember 1863 verstorbene Gold- und Silbersckmied 
Christian Wilhelm Kaupert. Von seinen älteren 
Brüdern hat sich Werner Kaupert, gestorben am 
5. Juni 1883 zu Kassel, durch seine vortrefflichen 
Kunstarbeiten in Gold und Silber gleichfalls einen 
geachteten Namen erworben. Von ihm ist u. A. 
das in einem silberneu Schrcibzeuge bestehende Hoch 
zeitsgeschenk für den Prinzen Wilhelm von Preußen, 
den jetzigen deutschen Kaiser, angefertigt. Und den 
anderen Bruder, den berühmten Bildhauer Gustav 
Kaupert in Frankfurt a. M., welcher Hesse kennt 
ihn nicht? Ist er doch der Schöpfer des herrlichen 
Hessen-Löwendenkmals in der Aue zu Kassel. 
I. August Kaupert widmete sich dem Landmesser- 
fache, er machte seine Studien unter dem Landmesser- 
Inspektor C. K. Normann in Fulda und trat am 
4. April 1841 in den Dienst der topographischen 
allgemeinen Landesvermesiung des vormaligen kur 
fürstlich hessischen Generalstabes. Am 1. Januar 1867 
wurde er dem königlich preußischen Generalstabe bei 
gegeben und im März 1868 zum Vermessungs- 
Inspektor bei der topographischen Abtheilung des 
selben ernannt. Im Jahre 1867 trat er zur karto 
graphischen Abtheilung über, in welcher er bei der 
Redaktion der Sektionen der Karte des deutschen 
Reiches im Maßstabe von 1 : 100 000 heute noch 
thätig ist. Im Jahre 1879 wurde er zum Landes- 
Vermesiungsrath mit dem Range eines Rathes vierter 
Klasse befördert und im Jahre 1889 wurde ihm von 
der philosophischen Fakultät der Universität Straß 
burg die Doktorwürde üouorig causa verliehen. 
An seinem Jubiläumstage wurden ihm reiche 
Ehrungen zu Theil. Von dem Kaiser wurde er 
zum Geheimen Kriegsrath ernannt. Die Kapelle 
des Eiseubahnrcgiments begrüßte den Jubilar früh 
^9 Uhr mit einer Morgenmusik. Hieran schloffen 
sich die Gratulationen des Chefs des Generalstabes 
und des Chefs der Landesaufnahme, des Offizier 
korps und des Bcamtenpersonals der Landesaufnahme. 
Seitens des Ossizierkorps wurde dem Jubilar eine 
Stutzuhr mit dem Rciterstandbilde Kaisers Wilhelm l. 
als Ehrengeschenk überreicht; die Beamten des 
Landesvcrmessungswescns stifteten eine Statuette 
Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm II. aus 
schwarzem Marmor. Außerdem gingen viele Glück 
wunsch-Telegramme hochgestellter Persönlichkeiten ein. 
Möge cs dem Jubilar, unserem hessischen Lands- 
manne, noch recht lange vergönnt sein, in gleich ver 
dienstvoller Weise zu wirken wie seither. 
Am Freitag den 3. April hielt im hessischen Geschichts 
verein zu Marburg der Oberst a. D. I. W. 
Nebelthau einen interessanten Vortrag „zur Ge 
schichte der ältesten hessischen Zeitung und ihres Be 
gründers"; cs ist die heutige „Hanauer Zeitung", 
die, 1678 von dem Hanauer Bürger Justus Boeuf 
gegründet, siegreich den Sturm zweier Jahrhunderte 
überdauert hat. Wir werden später auf die Geschichte 
dieser Zeitung zurückkommen. 
Die Einweihungsfeier der neuen Universitäts 
au la zu Marburg ist, wie die „Oberh. Ztg." 
meldet, nunmehr auf Freitag, den 19. Juni festgesetzt 
worden. Die Arbeiten zur Fertigstellung der Jnnen- 
räume sind in vollem Gange und der im Unter 
geschosse befindliche neue Senatssaal sowie das theo 
logische und das juristische Seminar bereits vollendet 
und zur Ingebrauchnahme ausgestattet. Auch sind 
die Maler Linnemanu und Ballin aus Frankfurt a. M. 
mit sechs Gehilfen gegenwärtig eifrig mit der Decken 
malerei der neuen Aula beschäftigt, ebenso werden die 
Seitenwände der letzteren, jedoch nur provisorisch, 
bis zur Einweihungsfeier künstlerisch ausgeschmückt. 
Zu dem zu letzterem Zweck bereits vorhandenen 
großen Oelbild Kaiser Wilhelms I. traf vor einigen 
Tagen auch ein solches von Kaiser Friedrich ein, 
welches von Professor Ziegler in Berlin gemalt, den 
Kaiser in Kürassier-Uniform und Lebensgröße dar 
stellt. Ein drittes Bild, den Begründer der Uni 
versität, Philipp den Großmüthigen, darstellend, ist 
bekanntlich auf Veranlassung des Kommunallandtages 
durch den Maler Walter Merkel zu Kassel in der 
Ausführung begriffen. Alle diese Einzelheiten lassen 
bereits deutlich die großartig künstlerische und dem 
Aeußeren des Baues entsprechend stilvolle Ausführung 
des Aula-Jnnern selbst dem Laien klar vor Augen 
treten und erkennen, daß das Gebäude in seiner 
harmonischen Gesammtheit eine hervorragende Zierde 
der Stadt Marburg werden wird. 
Dem Nekrologe des Professors Dr. Gies in Nr. 6 
unserer Zeitschrift haben wir noch hinzuzufügen, daß
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.